Ermittler des National Transportation Safety Board (NTSB) spüren derzeit in den USA den Ursachen des Unfalls nach.

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Der erste tödliche Unfall, in den ein selbstfahrendes Auto involviert war, befeuert weiter die Diskussion über die Gefahren solcher Technologien. Dabei wurden mittlerweile auch zwei Videos veröffentlicht, die den Unfallablauf zeigen und so externen Experten eine Einschätzung erlauben. Und diese fällt für Hersteller Uber geradezu vernichtend aus.

Klare Worte

"Das ist exakt jene Situation, die Lidar und Radar eigentlich sehen müssen", betont Verkehrsexperte David King von der Arizona State University gegenüber dem "Guardian". Und weiter: "Das ist ein katastrophales Versagen der Uber-Technologie".

Technischer Hintergrund

Lidar-Systeme nutzen eine Reihe von Lasern, um die Umgebung zu erfassen. Dabei werden Lichtstrahlen ausgesendet, anhand der Reflexionszeit kann dann der Abstand sämtlicher Objekte im Umfeld berechnet werden. Durch diese Technologie ist es selbstfahrenden Autos möglich, auch bei kompletter Dunkelheit zu "sehen". Die anhand des Videos von vielen aufgeworfenen Fragen über die schwierigen Lichtverhältnisse auf der betroffenen Straße sind also für die Beurteilung des Versagens des selbstfahrenden Systems irrelevant – das Uber-Auto hätte auf jeden Fall bremsen müssen.

Die Frage, warum das selbstfahrende System von Uber hier so gröblich versagt hat, ist derzeit ein zentraler Punkt der Ermittlungen. Denkbar wäre sowohl ein genereller Softwarefehler als auch ein Ausfall des Lidars – was aber natürlich wiederum die Frage aufwerfen würde, warum das Auto bei so einem Schaden überhaupt weiterfährt.

Einschätzungen

In einer ersten Beurteilung hatte Sylvia Moir, Polizeichefin von Tempe, Arizona, wo der Unfall stattgefunden hat, noch betont, dass das Auto offenbar keine Schuld trifft. Die Experten widersprechen dieser Einschätzung nun. Die Frage der rechtlichen Relevanz all dieser Beurteilungen ist aber noch einmal ein ganz anderes Thema. Gilt es doch abzuklären, ob an solche selbstfahrenden Autos höhere Maßstäbe angelegt werden, als sie für menschliche Fahrer gelten, oder ob man sich damit abfindet herauszufinden, ob ein Mensch diesen Unfalls hätte verhindern können.

Unachtsamkeit

Darüber hinaus gibt es aber auch noch eine zweite Ebene – nämlich jene der Fahrerin, die mit an Bord war. Zeigt das Video doch, dass diese nicht auf die Straße geblickt hat, eigentlich schreiben das die in Arizona derzeit geltenden Regeln für selbstfahrende Autos aber vor, damit bei Problemfällen eingeschritten werden kann – unabhängig von der Frage, ob sie den Unfall dann auch tatsächlich hätte verhindern können oder nicht. In diesem Bereich sehen die Experten ein zweites Problem bei der aktuellen Entwicklung von selbstfahrenden Autos: Fahrer zu finden, die wirklich die gesamte Zeit aufmerksam sind. Immerhin sind diese Tag für Tag stundenlang unterwegs, während das Auto komplett die Steuerung unternimmt. Schon frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass bei fast allen in so einem Szenario die Konzentration schnell nachlässt.

Hintergrund

Uber hatte in den letzten Jahren rund um seine selbstfahrenden Autos mit einigen Problemen zu kämpfen, allen voran ein öffentlich ausgetragener Konflikt mit der Google-Schwester Waymo, die als Technologieführer in diesem Bereich gilt. Soll Uber doch Waymo-Technologie kopiert haben, um seine selbstfahrenden Systeme soll schnell wie möglich auf die Straße zu bringen. Mittlerweile wurde dieser Konflikt zwar außergerichtlich beigelegt, die Frage, ob Uber auch sonst Abkürzungen bei der Entwicklung genommen hat, wird die Diskussion aber sicherlich noch einige Monate beschäftigen – immerhin könnte hier die Ursache für den fatalen Fehler stecken. (apo, 23.3.2018)