Florian Werner, "Die Weisheit der Trottellumme. Was wir von Tieren lernen können".
200 Seiten / 18,50 Euro.
Blessing 2018.

Cover: Blessing

Warum bekommt der Specht keine Migräne, obwohl er seinen Kopf den ganzen Tag gegen Bäume schlägt?

Foto: ap

Menschen und Tiere haben sich jahrtausendelang zusammen entwickelt, insofern ergänzen sie einander. Tiere sind den Menschen nicht nur Nahrung, sie liefern auch Beispiele für allerlei Metaphern: Elefantengedächtnis etwa. Nur, was heißt das eigentlich? Florian Werner hat sich zum Ziel gesetzt, solche verborgenen Bezüge zwischen dem Menschen und der Bestie aufzuklären und damit für naturentfremdete Großstädter wieder einen Konnex zu dem zu schaffen, was einst ein Zusammenleben in der Natur war.

Warum bekommt der Specht keine Migräne, obwohl er den ganzen Tag seinen Kopf gegen den Baumstamm drischt? Warum empfinden Nacktmulle keinen Schmerz? Was können wir von Trottellummen, Schlangen und Elefanten über Mut oder von den Ameisen über soziale Gerechtigkeit lernen?

Biologie und Philosophie

In den nicht länger als eineinhalb Seiten langen Geschichten, die ursprünglich als Kolumnen in der Zeitschrift "Philosophie heute" erschienen sind, verbindet der Autor biologisches Wissen mit philosophischen Betrachtungen übers Leben. Das ist in dieser Form einzigartig.

Zwischen den Tieren treten stets Geistesgrößen wie etwa Sokrates, Michel Montaigne oder Robert Pfaller auf, es werden Ausflüge in die griechische Mythologie unternommen, oder es wird Simples zu Allgemeingültigem erhöht. Als "tierphilosophische Betrachtung" bezeichnet Werner selbst diese horizonterweiternden Ausflüge. Sie regen durch ihre kühnen Gedankengänge, den feinen Humor und die schönen Metaphern an, den Sinn des Lebens zu suchen. (Karin Pollack, CURE, 1.6.2018)