Irgendwie symbolisch: Ein Passant in Peking ruht sich vor einem American-Apparel-Store aus.

Foto: AP Photo/Andy Wong)

China und die USA liegen im Handelsstreit. Dabei sehen es die meisten Ökonomen als gegeben an, dass China langfristig die führende Wirtschaftsmacht der Welt werden wird. Ich bin mir da nicht so sicher. Viele Ökonomen – darunter Experten, die Chinas enorme Erwerbsbevölkerung als entscheidenden Vorteil betrachten – sorgen sich zugleich, dass Roboter und künstliche Intelligenz irgendwann die meisten Arbeitsplätze vernichten werden, was die meisten Menschen dazu verdammt, ihre Zeit mit Freizeitaktivitäten zu vertändeln.

Was also soll es nun sein? Wer übernimmt in den nächsten 100 Jahren die Kontrolle: chinesische Arbeiter oder die Roboter? Wenn Roboter und künstliche Intelligenz im kommenden Jahrhundert die dominanten Treiber der Produktion sein sollten, erweist es sich möglicherweise als Hindernis für China, sich um eine zu große Bevölkerung kümmern zu müssen – insbesondere eine, die durch die Beschränkung des Internets und des Zugangs zu Informationen kontrolliert werden muss. Das rapide Altern der Chinesen verschärft diese Herausforderung.

Wenn die wachsende Bedeutung der Robotik und der künstlichen Intelligenz Chinas Vorteile im Bereich der Produktion abschwächt, wird die Fähigkeit zu technologischer Führung wichtiger. Und hier könnte der aktuelle Trend hin zu einer stärkeren Konzentration von Macht und Kontrolle aufseiten der Zentralregierung – statt des privaten Sektors – China beeinträchtigen, wenn die Weltwirtschaft höhere Stufen der Entwicklung erreicht.

Die Möglichkeit, dass China die USA nie als wirtschaftlicher Hegemon der Welt ablösen könnte, ist die andere Seite des Technologie- und Ungleichheitsproblems. Im Westen sorgen sich alle über die Zukunft der Arbeit, doch in vielerlei Hinsicht ist dies für das chinesische Wirtschaftsmodell ein größeres Problem als für das amerikanische. Die USA müssen sich angesichts der hohen Eigentumskonzentration bei neuen Ideen und Technologien intern mit dem Problem der Einkommensumverteilung auseinandersetzen. Doch China steht zusätzlich vor dem Problem, wie es im Maschinenzeitalter seine Rolle als Exportsupermacht ausweiten soll.

Roboter auf dem Vormarsch

Zwar ist es höchst unwahrscheinlich, dass Präsident Donald Trumps aufgeblasenes Gehabe und Bluffen im größeren Umfang eine Rückkehr von Fertigungsjobs in die USA herbeiführen werden. Doch die USA haben trotzdem das Potenzial, die Größe ihres Fertigungssektors auszuweiten – vielleicht nicht, was die Arbeitsplätze angeht, aber in Bezug auf die Produktionsleistung. Schließlich produzieren die hochtechnologisierten Fabriken von heute mit deutlich weniger Arbeitskräften viel mehr. Dabei sind Roboter und künstliche Intelligenz nicht nur in der produzierenden Industrie und in fahrerlosen Autos auf dem Vormarsch; Roboterärzte, -finanzberater und -rechtsanwälte sind bei der maschinellen Revolution des Dienstleistungssektors nur die Spitze des Eisberges.

Chinas schnelles Wachstum wurde überwiegend durch eine technologische Aufholjagd und Investitionen vorangetrieben. Und während China, anders als die Sowjetunion, deutlich mehr Kompetenz bei den landeseigenen Innovationen gezeigt hat – chinesische Unternehmen sind bereits führend bei der nächsten Generation von 5G-Mobilfunknetzen – und seine Fähigkeit zur Cyberkriegsführung mit der der USA uneingeschränkt auf einer Stufe steht, ist es nicht dasselbe, ob man Anschluss an den Fortschritt hält oder diesen definiert.

Chinas Erfolge beruhen noch immer weitgehend auf der Übernahme westlicher Technologien, und in einigen Fällen auf der Aneignung geistigen Eigentums. Trump ist durchaus nicht der erste amerikanische Präsident, der sich hierüber beschwert, und das zu Recht (auch wenn es nicht die Lösung sein kann, einen Handelskrieg vom Zaun zu brechen).

Zwar stehen auch die USA vor enormen Herausforderungen. Zum Beispiel müssen sie einen Weg finden, ihr dynamisches technologisches Wachstum aufrechtzuerhalten und zugleich eine übermäßige Vermögens- und Machtkonzentration zu vermeiden. Doch um ein Hegemon zu sein, muss man nicht das weltgrößte Land sein – andernfalls hätte England nie einen derart großen Teil der Welt beherrschen können. China könnte die digitale Zukunft bestimmen, falls die USA im entscheidenden Moment versagen, aber es wird nicht bloß aufgrund seiner größeren Bevölkerung die beherrschende Weltmacht werden. Im Gegenteil: Im Maschinenzeitalter könnten im Kampf um die Vorherrschaft die Karten neu gemischt werden. (Kenneth Rogoff, 11.4.2018)