Auch ZTEs Dual-Screen-Smartphone Axon M ist mit einem Qualcomm-Prozessor ausgestattet – zumindest bisher.

Foto: YVES HERMAN / REUTERS

Neben Huawei hat sich ZTE in den letzten Jahren zu einem der größten chinesischen Smartphone-Hersteller entwickelt. Dabei ist man durchaus auch in in westlichen Märkten erfolgreich, nun erfahren die Pläne von ZTE aber einen gehörigen Dämpfer.

In einer am Montag veröffentlichten Entscheidung untersagt US-Handelskommissar Wilbur Ross US-Firmen den Verkauf ihrer eigenen Erzeugnisse an den chinesischen Hardwarehersteller. Eine Entscheidung, die ZTE hart trifft: Bedeutet dies doch, dass man keinerlei Chips von Qualcomm mehr bekommt – und damit von dem weltweit führenden Hersteller für Smartphone-Prozessoren. ZTE verwendet Qualcomm-Chips im allergrößten Teil seiner Smartphones, lediglich bei Einsteigergeräten setzt man stattdessen auf die günstigeren MediaTek-Prozessoren. Die Mittel- und Oberklasse wird aber praktisch zur Gänze mit Snapdragon-SoCs abgedeckt.

Hintergrund

Die Anordnung der US-Handelskommission ist vorerst auf sieben Jahre ausgelegt, allzu große Hoffnungen auf eine rasche Beilegung des Konflikts darf sich ZTE also nicht machen. Hintergrund dieser Entscheidung ist die Erkenntnis, dass ZTE seine Geräte zum Teil auch im Iran und in Nordkorea verkauft – und damit indirekt US-Technologie in diese unter Sanktionen stehenden Ländern liefert. ZTE hatte dies bereits im März 2017 eingestanden, die USA werfen der Firma nun vor, dass man seitdem nichts gegen diese Vorgänge unternommen habe. Die damit betrauten Mitarbeiter seien sogar intern noch belohnt worden – ein Verstoß gegen die damals getroffene Abmachung.

Wenige Alternativen

ZTE befindet sich damit jedenfalls nun in einer äußerst schwierigen Situation. Einen direkten Ersatz für die Chips von Qualcomm gibt es nämlich nicht. Gerade im High-End-Bereich hält sich die Konkurrenz zu den Snapdragon-Prozessoren in Grenzen. Eventuell könnte man versuchen Chips von Samsung zu bekommen, aber der Hardwarehersteller behält seine Exynos-Reihe bisher weitgehend für sich. Selbiges gilt für Huawei und dessen Kirin-Chips.

"Nationale Sicherheit"

Unterdessen wird der Gegenwind für ZTE auch in Großbritannien stärker. So warnt das National Cyber Security Centre (NCSC) explizit vor dem Kauf von ZTE-Technologie für den Betrieb von Mobilfunknetzen. Der Einsatz von ZTE-Hardware sei ein potentielles Risiko für die nationale Sicherheit, heißt es. ZTE hat – wie auch Huawei – eine starke Position im Geschäft mit Netzwerkausrüstung. Der Einsatz von chinesischer Technologie in einem solch sensiblen Bereich hatte in der Vergangenheit immer wieder für Diskussionen gesorgt.

Vorgeschichte

ZTE ist dabei nicht das einzige Unternehmen, dem in westlichen Märkten ein zunehmend härterer Wind entgegenschlägt. Erst vor wenigen Wochen haben US-Mobilfunker einen groß angelegten Deal mit Huawei kurzfristig platzen lassen. Seitdem haben auch einige große US-Händler Huawei komplett aus ihrem Programm gekickt. (apo, 17.4.2018)