Der Vienna City Marathon findet am 22. April 2018 zum 35. Mal statt.

Foto: AP/Ronald Zak

Wien – Zeit, aber vor allem die nötige Luft zum Gschichtln-Erzählen haben wohl die wenigsten Läufer während des Vienna City Marathons. Geben würde es von Österreichs größtem Sportevent jedenfalls genug. Niemand weiß das besser als Wolfgang Konrad. Der Veranstalter ist zum 30. Mal für die am Sonntag (9 Uhr, ORF 1) zum 35. Mal stattfindende Sportveranstaltung verantwortlich.

1988 nahm er noch selbst teil, am "damals noch lieblos organisierten" Schauspiel. Konrad, er wurde Achter, bekam noch am Renntag das Angebot, die Organisation zu übernehmen und sagte zu. Seither erlebte er "Höhen und Tiefen wie eben bei einem Marathon." Bei der Pressekonferenz am Dienstag vor dem Riesenrad im Prater plauderte er darüber aus dem Nähkästchen.

Gegen Sturm und Feuer

Gleich seine Premiere am 16. April 1989 blieb Konrad besonders in Erinnerung. "Scheiß Wetter", sagte er nur. Zur damaligen Zeit waren Wetterkapriolen nicht ungewöhnlich, wie auch Gerhard Hartmann, der 23 Jahre lang den Marathonrekord hielt, dem "Standard" verriet. Für Konrad wurde der stürmische Wind beinahe zum Spielverderber. "Ich hab in der Nacht davor eh nicht mehr schlafen können und bin früh zum Zielgelände am Heldenplatz gefahren. Alle Absperrgitter waren umgeflogen. Ich habe sie eigenständig wieder aufgestellt", sagte Konrad.

Frei nach Murphys Gesetz sorgte dann noch ein Feuerwehreinsatz auf der Gumpendorfer Straße, damals noch Teil der Marathonstrecke, für Nervenkitzel. "Ich hab sie nur gefragt: Wie lange brennt das noch?" Der Brand wurde rechtzeitig vor Rennstart gelöscht. Konrad kann mittlerweile über solche Erlebnisse lachen, auch über die damaligen, vergleichsweise geringen Dimensionen.

"Die Struktur ist mit dem Marathon gewachsen", sagte Konrad. Die Wunschliste sei groß. Manche Visionen könnten aber nicht immer sofort umgesetzt werden, manche gar nicht, wie zum Beispiel eine Herzensgelegenheit: "Wir wollten die Strecke schon immer über die Kärntner Straße lenken. Das geht aber einfach nicht."

Misslungene Vereinigung

Andere Visionen wurden umgesetzt, gingen aber schief. "2005 wollten wir, dass sich die Spitzenläufer vom Halbmarathon und vom Marathon an einem Punkt an der Strecke, der Ringstraße, wiedervereinen", sagte der heutige Organisationsleiter Gerhard Wehr. Also wurden umfassende Berechnungen angestellt. "Wer muss mit welcher Geschwindigkeit wann wo starten, damit sich das ausgeht? Ich hab noch heute das Excel-File gespeichert", sagt Wehr. Konrad kürzte ab: "Wir haben uns einen Fünfer im Rechnen verdient."

Denn die Spitzengruppe des Halbmarathons, 15 Minuten früher ins Rennen geschickt, platzte an ebenjener Ringstraße von hinten mitten ins dichte Marathonfeld hinein. Die Topleute mussten sich im Zick-Zack-Kurs den Weg durch die Massen bahnen. "Die meisten Läufer haben ja Kopfhörer auf. Die registrieren keine schnelleren Leute hinter sich", sagte Wehr. Diese Ausgabe habe viele "schlaflose Nächte und Tränen gekostet."

Frühstart löst Chaos aus

Der Zielbereich sei zwar das Herzstück, der Startbereich lieferte aber auch sein Hoppala. Wehr musste dabei unweigerlich an seine Premieren-Veranstaltung am 26. Mai 2002 denken. "Plötzlich machte es einen Riesen-Rums", sagte er und meinte Maria Theresia, die nach der Habsburgerin benannte Startschusskanone, die einen Frühstart ausgelöst hatte. "Die Uhr des Koordinators zeigte bereits neun Uhr an. Unsere nicht." Zwei Minuten, die die (Marathon)-Welt bedeuten und auch noch später Verwirrung stifteten.

Denn Dagmar Rabensteiner, die spätere VCM-Rennärztin, egalisierte ausgerechnet an diesem Tag ihren eigenen österreichischen Rekord, auf die Sekunde genau 2:35:42 Stunden. Das anfängliche Zeit-Chaos löste aber Zweifel aus. Schließlich half der ORF mit der eigenen Fernseh-Aufzeichnung aus: "Ich hab mir ganz genau angeschaut, wann die Elite losgelaufen ist und wann Dagmar im Ziel war. Es war auf die Sekunde genau dieselbe Zeit, die auch ihr Chip angezeigt hatte", sagte Konrad.

Das somit bestätigte Erlebnis kostete nicht nur Nerven, sondern auch Geld. Denn für einen "neuen österreichischen Rekord" waren 7000 Euro ausgeschrieben. "Aufgrund der Umstände haben wir Dagmar dann die Hälfte gegeben", sagte Veranstalter Konrad.

Seither sind synchronisierte Uhren beim Vienna City Marathon im Einsatz. "Wichtig ist, dass man jeden Fehler nur einmal macht", sagte Organisationsleiter Wehr. Am Sonntag wird also diesmal pünktlich der Startschuss erfolgen. Rund 40.000 Teilnehmer können dann ihre eigenen Geschichten schreiben. (Andreas Gstaltmeyr, 17.4.2018)

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