Ein Bild aus besseren Zeiten: Im Jahr 2012 stand die US-Schuldenuhr noch bei knapp 16 Billionen Dollar. Heuer soll die Verschuldung bereits 22 Billionen erreichen.

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Washington – "Wir müssen die 19 Billionen Schulden loswerden", sagte US-Präsident Donald Trump noch vor zwei Jahren in einem Interview mit der Washington Post. Wie lange das dauern wird, fragte der Journalist. "Ich würde sagen, eine Periode von acht Jahren."

Tatsächlich haben sich die Verbindlichkeiten der Vereinigten Staaten weiter angehäuft: Laut Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) werden die Staatsschulden der USA heuer auf über 22 Billionen US-Dollar steigen, das entspricht 108 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP). In fünf Jahren soll sich der Schuldenberg auf mehr als 28 Billionen Dollar vergrößern. Zum Vergleich: Mit jenem Geld, das die USA 2023 an Schulden anhäufen werden, könnte man heute 5,4 Billionen Big Macs kaufen (das entspricht in etwa 2,6 Billiarden Kilokalorien).

Damit schlagen die USA unter den Industriestaaten einen Sonderkurs ein. Zwar befindet sich die Staatsverschuldung auf dem höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg, in den meisten Ländern dürfte sie laut IWF bis 2023 jedoch leicht sinken.

Grafik: Der STANDARD, Quelle: IMF

So auch im krisengeschüttelten Italien, dem am zweithöchsten verschuldeten G7-Staat. Binnen fünf Jahren soll die Schuldenquote Italiens von derzeit 129,7 Prozent des BIP auf 116,5 Prozent schrumpfen (nach wie vor genug Geld, um 287 Millionen Pizzen zu kaufen). Damit wird die Verschuldungsquote der USA mit 116,9 Prozent höher sein als jene Italiens.

Löschwasserschäden

Dass die Staatsschuld weltweit so stark gestiegen ist, liegt an den milliardenschweren Konjunkturpaketen, die Regierungen als Antwort auf die Finanzkrise in die Wirtschaft pumpten. Der Status quo ist aus Sicht des Währungsfonds aus mehreren Gründen bedenklich: Erstens sind viele Länder darauf angewiesen, ihre Zinslast immer wieder durch neue Schulden zu bedienen. Sie rollen den Schuldenberg einfach weiter. Sollte auf den Finanzmärkten das Vertrauen in deren Zahlungsfähigkeit wegbrechen (wie in der Eurokrise), könnten die Staatsfinanzen aus dem Ruder laufen.

Zweitens schränken hohe Schulden den Spielraum ein, auf kommende Krisen mit neuen Konjunkturpaketen zu reagieren. Rezessionen würden dadurch verlängert. Jetzt, da sich die globale Konjunktur erholt, sei der Zeitpunkt für "entschiedene Taten" gekommen, um den Schuldenberg abzubauen, empfiehlt der IWF.

So sie ihre Budgetpläne einhalten, werden die Industrieländer, ohne die USA, ihre Schuldenquoten bis 2023 im Durchschnitt um rund zehn Prozentpunkte reduzieren. Dass sich Washington gegen den globalen Trend entwickelt, liegt vor allem an Trumps Steuerpolitik. Die angekündigte Entlastung vorwiegend für Unternehmen könnte das Budgetdefizit um rund 1,6 Billionen Dollar erhöhen. Zum Vergleich: Das rekordhohe Konjunkturpaket seines Vorgängers Barack Obama kostete den Staat knapp 800 Milliarden Dollar.

Senkung der Firmensteuern

Trotzdem, die Senkung der Unternehmenssteuern sei richtig gewesen, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde am Donnerstag in Washington. Den Schritt hätte der Währungsfonds schon länger vorgeschlagen. Das steigende Defizit solle durch Sparmaßnahmen, aber auch über zusätzliche Einnahmen eingedämmt werden. Außerdem sollen die USA ihre marode Infrastruktur auf Vordermann bringen.

Dass sich Trump im Vergleich zu seinen Amtskollegen weniger Sorgen um Haushaltsdefizite machen muss, ist kein Zufall. Die Vereinigten Staaten hatten historisch weniger Probleme mit Reaktionen auf steigende Staatsschulden.

Die weltgrößte Volkswirtschaft lässt sich nicht mit kleineren Ländern vergleichen, die mangels Budgetdisziplin in Schuldenkrisen taumeln. Der Dollar ist immer noch die globale Reservewährung. Über 60 Prozent aller Länder ankern ihre eigenen Währungen an den Greenback. Wenn Investoren anderen Staaten oder Märkten das Vertrauen entziehen, flüchten viele bevorzugt in US-Staatsanleihen. Allerdings: Ohne Schulden könnten die USA ihre Bürger sechs Jahre lang mit Gratis-Burgern versorgen. (Nora Laufer, Leopold Stefan, 20.4.2018)