Walhaie sorgen für beeindruckende, aber ungefährliche Begegnungen.
Foto: Kevan Mantell

Panama-Stadt – Erst vor Kurzem veröffentlichten US-Forscher ihre Erkenntnisse über die Wanderungen von Riesenhaien. Nun legen Wissenschafter des Smithsonian Tropical Research Institute eine Studie über den einzigen Fisch vor, der noch größer ist als der Riesenhai: nämlich den über 13 Meter langen und 12 Tonnen schweren Walhai (Rhincodon typus). Wie der Riesenhai ist auch dieser Gigant ein Planktonfresser, der ausgedehnte Reisen unternimmt.

Annes Rekordreise schematisch nachvollzogen (Karte: dy)

Welche Ausmaße diese Wanderungen annehmen können, hat nun das Walhai-Weibchen Anne vorgemacht: Insgesamt 20.142 Kilometer hat es auf seinem Kurs durch den Pazifik zurückgelegt. Es ist die längste Strecke, die man je bei einem Walhai festgestellt hat. Da die Tiere in Atlantik, Pazifik und Indischem Ozean sehr nah miteinander verwandt sind, wie genetische Analysen zeigten, nimmt man an, dass Walhaie nicht nur zur Futter-, sondern auch zur Partnersuche regelmäßig über praktisch globale Distanzen wandern.

Ein Walhai vor der Insel Coiba.
Foto: Matt Starr

So wie 45 andere Haie wurde auch Anne im Rahmen eines mehrjährigen Projekts mit einem Satellitentracker versehen. Ihre Reise begann nahe der Insel Coiba vor der Küste Panamas in einem Meeresschutzgebiet. Dort dümpelte sie 116 Tage lang herum, ehe sie sich in westlicher Richtung aufmachte und mit Umwegen über einige kleinere Inseln den Galapagos-Archipel erreichte.

266 Tage, nachdem sie ihren Tracker erhalten hatte, verschwand Anne von der Bildfläche – buchstäblich. Der ARGOS-Satellit, mit dem sie überwacht wurde, kann den Kontakt mit dem Tracker nur in oberflächennahen Schichten halten, und Walhaie können fast zwei Kilometer tief abtauchen.

235 Tage lang blieb Anne verschwunden, dann konnte der Satellit ihre Daten südlich von Hawaii wieder empfangen. Neun Tage lang blieb sie dort, dann wanderte sie über die Marshallinseln weiter und vollendete mit der Ankunft in den Gewässern über dem Marianengraben schließlich ihre Rekordreise – fürs erste.

Der größte Fisch der Welt ernährt sich ausschließlich von Winzlingen: Krill, kleinen Fischen und Zooplankton.
Foto: Kevan Mantell

Anne hat den Forschern wertvolle Erkenntnisse über das Verhalten des größten Fischs der Welt geliefert. Und wie bei praktisch jedem anderen Großtier heute darf auch in diesem Fall der Hinweis am Ende nicht fehlen, dass die Spezies gefährdet ist. Smithsonian-Forscher Héctor Guzmán weist darauf hin, dass Walhaie wegen ihres Fleisches und ihrer Flossen gejagt werden und Teile ihres Körpers für ostasiatische Pseudomedizin verwendet werden. Jungtiere enden zudem oft als Beifang in Fischernetzen.

Weniger bedrohlich ist eine andere Form des Interesses an Walhaien, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut: Beobachtungsfahrten für Touristen, vor allem an Orten, an denen sich Walhaie gerne sammeln – unter anderem vor Mexiko, Australien oder den Seychellen. Doch obwohl das eine sanfte "Nutzung" der Tiere ist, scheint sie den Haien nicht sonderlich zu gefallen: Guzmán berichtet, dass Walhaie an stark frequentierten Tourismus-Hotspots bereits damit beginnen, ihr Verhalten zu ändern, und die vor Menschen strotzende Meeresoberfläche zunehmend meiden. (jdo, 5. 5. 2018)

Walhaie empfinden Menschen offenbar als lästig. Mit einem Tracker versehen zu werden wie hier im Bild, kommt ihnen letztlich aber zugute: Je mehr man über sie weiß, desto besser kann man die sanften Riesen schützen.
Foto: AP/Simon J Pierce