Berlin – Den Spitzen-Prädatoren der afrikanischen Savanne stehen eine ganze Palette an Beutetieren zur Verfügung. Ob sich allerdings einzelne Individuen bei der Jagd auf bestimmte Tiergruppen spezialisieren, war bisher weitgehend unklar. Deutsche Biologen sind nun dieser Frage am Beispiel der Leoparden nachgegangen und haben ihr Jagdverhalten auf kommerziellem Farmland in Zentral-Namibia untersucht.

Da Leoparden Menschen meiden, ist nur schwer zu beobachten, was sie tatsächlich alles erbeuten. Die Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) in Berlin wählten deshalb eine indirekte Methode, die Messung der Zusammensetzung stabiler Isotope in Haaren von Leoparden. Denn die konkreten Isotopenvarianten, aus denen Beutetiere und andere Nahrungsquellen bestehen, variieren zwischen diesen in systematischer Form, reichern sich im Körpergewebe und in den Haaren des Raubtieres an und erlauben dadurch Rückschlüsse auf den individuellen Speiseplan der einzelnen Tiere.

Speiseplan im Schnurrhaar

Jeweils ein Schnurrhaar wurde 18 ausgewachsenen Leopardenweibchen und ebenso vielen Männchen entnommen, als sie für die Besenderung mit GPS-Halsbändern und Gesundheitsuntersuchungen in eine kurze Narkose gelegt wurden. Im Labor wurden die Haare dann in 5 Millimeter lange Abschnitte zerteilt und analysiert. Die Schnurrhaare der Raubkatzen wachsen etwa 0,65 Millimeter pro Tag. Jeder Abschnitt entspricht somit einem Zeitraum von etwa acht Tagen. Anhand der 8 bis 10 Zentimeter langen Haare blickten die Forscher also auf etwa 150 Tage der "Fresshistorie" der einzelnen Tiere zurück.

Aus dem Verhältnis der seltenen und häufigen stabilen Isotope der Elemente Kohlenstoff und Stickstoff (δ13C / δ12C und δ15N / δ14N) konnte das Team um Christian Voigt zwar nicht auf einzelne Beutetierarten zurückschließen, wohl aber auf Beutetiergruppen. "Die Weibchen nutzten eine deutlich größere Isotopen-Nahrungsnische als die Männchen", erklärt Voigt, Erstautor der im "Journal of Zoology" erschienen Studie.

Die Größe macht's aus

Die Forscher führen dies unter anderem auf den Größenunterschied zwischen den Geschlechtern zurück: Leopardenweibchen sind wesentlich kleiner und leichter als ihre männlichen Artgenossen. Während letztere durchschnittlich knapp 58 Kilogramm auf die Waage brachten, waren es bei den Weibchen nur 34 Kilogramm. Aufgrund des geringeren Körpergewichts benötigen sie einerseits weniger Energie und anderseits sind sie während der Aufzucht der Jungen, um die sie sich allein kümmern, lokal gebunden.

"Sie können sich nicht auf bestimmte Beutetierarten spezialisieren, weil diese im näheren Umkreis mit der Zeit ausdünnen und irgendwann fehlen. Sie fressen dann eine größere Bandbreite kleinerer Beutetierarten", sagt Jörg Melzheimer, Ökologe am Leibniz-IZW und Initiator der Studie. Den Männchen stehen hingegen während der gesamten Zeit große Streifgebiete zur Verfügung, können deshalb nach Belieben auswählen und sich auf eine relativ kleine Zahl von Beutetierarten spezialisieren.

Auf dem Speiseplan von Leoparden stehen kleinere und mittelgroße Säugetiere, wie zum Beispiel Schwarzfersenantilopen, Spießböcke, Kudus und Warzenschweine. Aber auch bei vergleichsweise kleinen "Häppchen" wie Hasen greifen sie zu.

Mehr Leoparden, weniger Geparden

In Namibia breiten sich Leoparden derzeit aus und besiedeln in zunehmender Zahl das kommerzielle Farmland in Zentral-Namibia. Gleichzeitig vermindert sich die lokale Population der Geparden. "Ob ein Zusammenhang besteht, ist noch unklar. Bekannt ist jedoch, dass Geparde mit Löwen, Tüpfelhyänen und Leoparden konkurrieren und von ihnen vertrieben oder sogar getötet werden können", erklärt Bettina Wachter, Leiterin des Geparden-Forschungsprojektes des Leibniz-IZW.

Die Ausbreitung von Leoparden in Namibia könnte zu neuen Konflikten mit den Farmern führen. Denn sie machen Jagd auf die charismatischen Raubkatzen, wenn verstärkt Weidetiere vermisst werden. Daher ist es wichtig, den Speiseplan der Raubkatzen zu kennen, und in enger Zusammenarbeit mit den Farmern Lösungen für potentielle Konflikte zu erarbeiten. (red, 9.5.2018)