Diktator Kim (Mitte) erklärt seinen Wissenschaftern die Welt der Atomphysik.

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Tokio/Pjöngjang – Die USA sollen laut einem Medienbericht von Nordkorea die Herausgabe eines Teils seines Atomwaffenbestandes gefordert haben. Die USA verlangen von Nordkorea, binnen sechs Monaten einen Teil der Atomsprengköpfe und anderes Atommaterial sowie eine Interkontinentalrakete außer Landes zu bringen, schrieb die japanische Zeitung "Asahi Shimbun" am Donnerstag unter Berufung auf informierte Quellen. Mögliche Destinationen: Frankreich oder die USA selbst.

Die USA hätten angeboten, im Gegenzug Nordkorea wieder von ihrer Liste der Terrorunterstützer zu streichen, berichtete das Blatt. Allerdings habe Nordkorea unterdessen gedroht, das geplante Gipfeltreffen Präsident Donald Trumps mit seinem Amtskollegen Kim Jong-un am 12. Juni in Singapur platzen zu lassen. Zudem sagte Nordkorea Versöhnungsgespräche mit Südkorea ab, weswegen das schwierige Tauziehen weitergehe.

Trump bietet Sicherheiten

US-Präsident Donald Trump hat Nordkorea bei einem Atomdeal umfangreiche Sicherheiten in Aussicht gestellt. Gleichzeitig schwächte er Spekulationen um einen möglicherweise von den USA beabsichtigten Regimewechsel in Nordkorea nach dem Modell Libyen ab. Wenn Nordkorea ein Abkommen unterzeichne, werde Kim Jong-un "sehr starke Sicherheiten" bekommen, sagte Trump am Donnerstag in Washington.

Trump verlangt von Kim einen vollständigen Verzicht auf Atomwaffen. "Wenn wir keinen Deal erreichen, dann wäre das das Modell", sagte Trump allerdings mit Blick auf die schrittweise Entmachtung von Libyens früherem Machthaber Muammar al-Gaddafi, der später von Rebellen getötet wurde. Gaddafi hatte sich 2003 auf den Verzicht auf Chemiewaffen eingelassen. Acht Jahre danach, 2011, griff eine westliche Allianz das Land an und löste so die Entmachtung Gaddafis aus.

Deswegen sei es sinnvoll, wenn Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un sich auf ein Abkommen mit den USA einlasse. "Das Libyen-Modell war ein ganz anderer Deal", sagte Trump am Donnerstag zu Beginn eines Treffens mit NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Washington. "Wir haben Libyen vernichtend geschlagen", sagt Trump. Dies sei nicht der Plan für Nordkorea. Er hoffe stattdessen auf ein prosperierendes Nordkorea.

Am Dienstag hatte Nordkorea überraschend damit gedroht, das Gipfeltreffen mit Trump abzusagen. Hintergrund sind US-Militärmanöver mit Südkorea, in denen Nordkorea eine Provokation sieht. Die USA argumentieren, dass die Militärübungen rein defensiver Natur seien. Kim habe sich in der Vergangenheit damit einverstanden erklärt. (red, APA, 17.5.2018)