Reiche Royals: Direkt aus Steuereinkünften erhält die britische Königsfamilie jedoch nichts.
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Ist eine Hochzeit für gewöhnlich ein freudiges Ereignis (meistens sowohl für Braut und Bräutigam), so gehen bei royalen Vermählungen wie jener von Prinz Harry und Meghan Markle die Wogen hoch – auch im STANDARD-Forum.

Neben dem zur Schau gestellten Desinteresse an dem Ereignis wird auch kritisiert, dass die königliche Familie ihren aufwändigen Lebensstil mit Steuergeld finanziert. Das ist genau genommen aber nicht richtig.

Am Samstg findet im englischen Windsor das royale Spektakel des Jahres statt. Prinz Harry wird die US-amerikanische Schauspielerin Meghan Markle heiraten. Schon seit Tagen putzt sich die Stadt heraus und auch die Zaungäste sind bereits angereist.
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Für den Unterhalt und die Repräsentationspflichten der königlichen Familie erhält das britische Staatsoberhaupt den sogenannten "Souvereign Grant" – in den beiden Jahren 2018/2019 rund 82 Millionen Pfund (93 Millionen Euro).

Profitable Krongüter

Dabei handelt es sich jedoch nicht um Steuereinnahmen, sondern um einen Anteil der Nettoeinkünfte aus dem Crown Estate, den Krongütern. Hinter dem klingenden Namen steckt ein knallhartes Unternehmen. Der Crown Estate ist einer der größten Immobilienbesitzer Großbritanniens, ein Gutteil des Londoner West Ends gehört dem Unternehmen ebenso wie Shoppingzentren und Windparks. 2016/2017 erwirtschaftete der Crown Estate 328 Millionen Pfund (375 Millionen Euro).

Teueres Pflaster: Die Regent Street ist eine der beliebtesten Einkaufsmeilen Londons. Grund und Boden gehören der Crown Estate.
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Nicht überall, wo eine Krone drauf steht, ist auch eine Königin drin. Der Crown Estate gehört nur formal der Monarchin in ihrer Eigenschaft als Staatsoberhaupt. Er steht jedoch nicht im Privatbesitz der Königin. Der Crown Estate ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, die dem Parlament gegenüber verantwortlich ist. Die Einkünfte verwaltet die Regierung.

Fixer Prozentsatz

Wie viele Konventionen im Vereinigten Königreich ist auch die jährliche Apanage, die die königliche Familie aus dem Crown Estate erhält, der britischen Verfassungsgeschichte geschuldet. Ursprünglich konnte der Monarch über die Krongüter frei verfügen, musste aber auch die Kosten der Regierungsgeschäfte tragen. Im Lauf der Jahrhunderte nahm die Macht der Monarchen über die Regierungsgeschäfte ab, die Schulden der Krone nahmen zu. 1760 trat König George III. schließlich seine Rechte an den Krongütern an das Finanzministerium ab und erhielt im Gegenzug dafür eine jährliche Zahlung, die sogenannte Civil List. Diese Zahlungen kamen bis vor wenigen Jahren aus dem Finanzministerium, aus dem Transportministerium, für die Kostenerstattung der Reisen, aus dem Kultur- und Medienministerium für Informationsarbeit und für den Erhalt der königlichen Paläste.

Kein Privatbesitz: Auch der Buckingham-Palast gehört dem Crown Estate. Die Königin kann das Gebäude nicht vererben oder verkaufen.
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2011 wurden diese jährlichen Zahlungen durch den Sovereign Grant Act in einen fixen Prozentsatz aus den Einkünften der Crown-Estate-Gewinne umgewandelt. Eigentlich sollten das nur 15 Prozent sein. Da aber der Buckingham-Palast renoviert werden muss, steigt dieser Anteil in den nächsten zehn Jahren auf 25 Prozent an.

Millioneneinkünfte aus Tourismus

Rund ein Drittel der Zahlungen wird ausschließlich für die Erhaltung und Instandhaltung der königlichen Residenzen verwendet, die ebenfalls nicht im Privatbesitz der Königin stehen.

Der Teufel steckt freilich im Detail. Nicht alles wird durch den Sovereign Grant finanziert. Kosten für Sicherheit sowie für Zeremonien der Streitkräfte werden sehr wohl direkt aus Steuermitteln finanziert. Und dieser Budgetposten dürfte auch bei der Hochzeit am Wochenende in die Millionen gehen.

Kosten für Sicherheit und militärische Zeremonien werden direkt aus Steuergeldern finanziert (Im Hintergrund Schloss Windsor, in dem die Trauung am Samstag stattfinden wird).
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Darüber hinaus fehlen die Zahlungen an die Royals im britischen Budget. Denn die Gewinne aus den Krongütern werden an das Finanzministerium ausgeschüttet – abzüglich der 15 Prozent für den Sovereign Grant, die dem Budget entgehen.

Dem stünden Millioneneinkünfte aus dem Tourismus und der unbezahlbaren Tourismuswerbung gegenüber, wie loyale Royalisten nicht Müde werden zu betonen.

Reicher Kronprinz

Sollten dennoch eines Tages die Republikaner die Oberhand gewinnen und die Königsfamilie stürzen, müssten die Windsors dennoch nicht am Hungertuch nagen. Denn neben den Einkünften aus den Krongütern erhält die Königin Geld aus dem Herzogtum Lancaster, quasi ihr persönliches Investmentportfolio. Der jährliche Gewinn beträgt mehr als zehn Millionen Pfund.

Damit wird auch der Unterhalt anderer Mitglieder des Köngigshauses finanziert sowie der Erhalt der Schlösser Sandringham und Balmoral (beide im Privatbesitz der Familie Windsor).

Thronfolger Charles hat gut lachen. Sein Herzogtum Cornwall erwirtschaftet mehr als das Investmentportfolio seiner Mutter.
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Sohn und Thronfolger Charles ist übrigens finanziell unabhängig von der Mutter. Das Herzogtum Cornwall, quasi die Privatschatulle des Prinzen von Wales, erwirtschaftet mehr als 20 Millionen Pfund Gewinn pro Jahr. (Stefan Binder, 18.5.2018)