Auf den "traurigsten Tag seit dem Tod meiner Mutter" folgte für Julen Lopetegui der "glücklichste".

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Madrid – Julen Lopetegui hatte Tränen in den Augen, als er einen Tag nach seiner Entlassung als spanischer Nationaltrainer in seiner Heimat vor die Mikrofone trat. "Am Mittwoch war der traurigste Tag seit dem Tod meiner Mutter, heute ist der glücklichste", sagte der 51-Jährige im Blitzlichtgewitter der Fotografen bei seiner Vorstellung als Chefcoach des Champions-League-Siegers Real Madrid sichtlich angefasst.

Alles gewinnen, im Idealfall mit C. Ronaldo

Auf Lopetegui wartet die Aufgabe seines Lebens, und die Herausforderung, an die Erfolge seines Vorgängers Zinedine Zidane anknüpfen zu müssen. Der Franzose hatte die Königlichen dreimal nacheinander zum Triumph in der Königsklasse geführt, ehe er überraschend zurücktrat. "Wir wollen mit Real alles gewinnen, und wir haben das Zeug, dies auch zu schaffen", sagte Lopetegui selbstbewusst.

Er hofft, dass er dafür weiterhin auf Weltfußballer Cristiano Ronaldo bauen kann: "Cristiano ist der Spieler, den ich immer an meiner Seite haben möchte." Zuletzt hatte es wiederholt Gerüchte gegeben, der portugiesische Superstar wolle die Galaktischen verlassen.

Turbulente Tage

Erst am Dienstag hatte Real die Verpflichtung Lopeteguis, der am 22. Mai seinen Vertrag beim spanischen Verband RFEF vorzeitig bis 2020 verlängert hatte, zur neuen Saison bekannt gegeben. Real überrumpelte damit den Verband, der sich gezwungen sah, die Reißleine zu ziehen und sich von Lopetegui zu trennen.

Nachfolger im Team des Weltmeisters ist der bisherige Verbandssportdirektor Fernando Hierro. Diesem drückt der Real-Coach die Daumen: "Ich werde jetzt Spanien anfeuern. Ich bin überzeugt, dass sie eine großartige WM spielen, und ich fühle mich immer noch als Teil des Teams."

Perez verteidigt Lopetegui

Es war eine emotionale Angelegenheit für Lopetegui, das sah man ihm an. "Ich freue mich, jemanden präsentieren zu können, der dieses Haus bestens kennt", sagte Präsident Florentino Perez. Im Beisein der Familie Lopeteguis hatte der Real-Boss dem neuen Trainer zuvor ein weißes Real-Trikot mit dem Namen des Coaches vor den 13 von den Königlichen errungenen Europapokalen der Landesmeister überreicht.

Perez nahm seinen neuen Angestellten in Schutz. Von fehlender Loyalität des Fußballlehrers gegenüber dem spanischen Verband könne keine Rede sein, so Perez: "Wir haben in wenigen Stunden eine Übereinkunft erzielt und wollten zu schnell wie möglich mit Transparenz vor dem WM-Start für Klarheit sorgen. Es lag uns fern, unsere Nationalmannschaft zu verunsichern."

Vom Ersatztorwart zum Real-Trainer

Unter großem medialen Interesse wurde Lopetegui vorgestellt. Dutzende TV-Teams und rund 70 Reporter hatten sich im Ehrengastbereich des Estadio Santiago Bernabeu am Donnerstagabend eingefunden, um der Präsentation beizuwohnen. Der neue Chefcoach erhält einen Dreijahresvertrag und soll angeblich zwei Millionen Euro Ablöse gekostet haben.

Zidane hatte eine Woche nach dem 3:1-Endspielsieg gegen den FC Liverpool in der Königsklasse seinen überraschenden Abschied verkündete. Lopetegui kehrt zu dem Verein zurück, für den er einst als Ersatztorwart, in der Scouting-Abteilung und als Coach der zweiten Mannschaft tätig war. (sid, 14.6.2018)