Am Sonntag fällt Autofahrverbot für Frauen in Saudi-Arabien.

Foto: REUTERS/Faisal Al Nasser

Mit dem Autofahrverbot fällt am Sonntag in Saudi-Arabien nicht das wichtigste, aber das international bekannteste Symbol für die Behandlung von Frauen als Unmündige im wahhabitischen Königreich. Viele Bilder zu diesem Thema gehen jedoch ziemlich an der Realität vorbei: in teures Tuch gehüllte Ladys, die sich in Autosalons der Luxusklasse umschauen. In Wahrheit ist es so, dass das Land, in dem der Koran die Verfassung ersetzt, seine Frauen längst dringend in der Wirtschaft braucht. Und dazu müssen sie auch mobil sein.

Es ist noch nicht annähernd abzusehen, ob der ehrgeizige, aber detailarme Wirtschaftsreformplan "Vision 2030", für den der junge Kronprinz Mohammed bin Salman steht, auch wirklich greift: Was er tut, seitdem er 2017 das Heft in die Hand genommen hat, hinterlässt Staunen, Bewunderung – und Kopfschütteln. Rechtssicherheit für Investoren etwa lässt sich nicht herstellen, indem man (ausgewählte) Korruptionisten so lange in einem Hotel einsperrt, bis sie freiwillig etwas herausrücken.

Und die Gefängnisse sind voll von unliebsamen Kritikern. Die im Westen oft übersehene Besonderheit dabei ist, dass das nicht nur liberale Dissidenten sind, sondern auch solche, für die der Kronprinz der Zerstörer einer heilen, konservativen Welt ist. Wenn er scheitert, dann haben sie gewonnen – nicht die Liberalen. Und das ist das große Dilemma im Umgang mit dem heutigen Saudi-Arabien. (Gudrun Harrer, 23.6.2018)