Xherdan Shaqiri wollte mit seiner Jubelpose nicht provozieren. Sagt er.

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Die Diskussionen kochten in den sozialen Netzwerken hoch – doch die Schweizer Matchwinner Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka standen auch nach dem 2:1 (0:1)-Sieg gegen Serbien bei der WM in Russland zu ihrem provokanten Doppeladler-Jubel. "Die Leute haben es sehen können, das war aus der Emotion heraus", sagte Shaqiri: "Es geht hier nicht um Politik, sondern um Fußball."

Xhaka meinte im ZDF: "Die Geste war für die Leute, die mich immer unterstützt haben, sie war nicht gegen den Gegner gerichtet." Der Profi vom FC Arsenal hatte zunächst per Fernschuss (52.) die frühe Serbien-Führung durch Aleksandar Mitrovic (5.) ausgeglichen. Kurz vor dem Schluss traf Shaqiri (90.) zum Siegtreffer. Beide Profis mit kosovo-albanischen Wurzeln ahmten danach das albanische Wappentier mit ihren Händen nach, Teile der serbischen Fans werteten dies als Provokation.

Sündenbock für Serbien

Das serbische Team schob dagegen in erster Linie Frust wegen eines ausgebliebenen Elfmeterpfiffs von Schiedsrichter Felix Brych (München) nach einem vermeintlichen Foul an Mitrovic (66.). "Mit den Schweizer Spielern gab es kein Problem", sagte Nemanja Matic: "Nur mit dem Schiedsrichter gab es ein Problem."

Auch Vizepräsident Savo Milosevic vom Verband FSS schimpfte. "Das ist bei dieser WM die zweite Situation gegen uns. Ich weiß nicht, warum dann der Videoassistent installiert wurde", sagte Milosevic: "Das ist skandalös."

Frust in Wien-Ottakring

Nach dem Spiel ist es in Wien-Ottakring zu Ausschreitungen von serbischen Fans gekommen. Vier Personen im Alter von 19 bis 20 Jahren wurden festgenommen, berichtete die Polizei am Samstag. Die jungen Männer hatten Polizisten mit Glasflaschen und pyrotechnischen Gegenständen beworfen, verletzt wurde niemand.

Die Ottakringer Straße hatte bereits nach dem Führungstreffer der serbischen Mannschaft kurz nach Spielbeginn um 20.00 Uhr gesperrt werden müssen. Aus zwei laut Polizei sehr gut besuchten Lokalen, in denen das Match übertragen wurde, strömten Fans auf die Fahrbahn, um dort gemeinsam zu feiern. Dadurch kam der Verkehr inklusive einer Straßenbahnlinie zum Stillstand. Ein Großeinsatz der Polizei war die Folge. Die Beamten sperrten die Straße zwischen der Frauengasse und der Bergsteiggasse ab.

Attacke auf Polizei

Nach der bitteren Niederlage schlug die Feierlaune der serbischen Fans in Wien in Ausschreitungen um. Nach Spielende kam es in Ottakring vermehrt zu Einsätzen aufgrund "unzufriedener" Fußballfans, twitterte die Wiener Polizei in der Nacht. Auch ein Polizeihubschrauber kreiste demnach über dem Gebiet.

Drei 19-Jährige und ein 20-Jähriger, die die Beamten mit Gegenständen beworfen hatten, wurden identifiziert und festgenommen. Außerdem gab es eine Anzeige gegen unbekannte Täter, die ein Polizeiauto schwer beschädigt hatten, berichtete Pressesprecherin Irina Steirer. Bei dem Fahrzeug wurde ein Außenspiegel abgerissen und die Karosserie mit zahlreichen Kratzern und Dellen versehen. (sid, APA, red,23.6.2018)

Pressestimmen

SCHWEIZ

Blick: "Mit dem 2:1-Sieg über Serbien wird die WM für unsere Nati zum Turnier ohne Grenzen. Doch der Doppeladler-Jubel von Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka ist unnötig und dumm. Dass sie mit heißem Herzen gespielt haben, beim Jubel aber den kühlen Kopf vermissen ließen, ist der ganz große Makel nach diesem wunderbar aufwühlenden Abend."

Tagesanzeiger: "Unnötige Geste nach den Treffern: Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri zeigen mit den Händen den albanischen Doppeladler. Möglich, dass Xhaka die überfließenden Hormone zugutegehalten werden müssen. Clever war die Aktion sicher nicht. Die Schweizer werden wissen, welche Diskussionen sie jetzt wieder angestoßen haben."

Neue Zürcher Zeitung: "Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka provozieren mit ihrem Torjubel die serbischen Zuschauer. Sie befeuern damit eine Diskussion, die man für beendet oder zumindest für abgemildert hielt. Sie haben so feine Füße wie kaum jemand sonst in dieser Auswahl. Aber ihre politische Sensibilität und ihr gesellschaftliches Bewusstsein sind unterentwickelt."

Aargauer Zeitung: "Aufwühlender WM-Abend: Großer Sieg der Schweiz, aber die Diskussionen drehen sich um den Doppeladler. Wie auch immer das Urteil ausfällt, eines müsste Xhaka und Shaqiri eigentlich bewusst gewesen sein: Dass sie damit die Diskussionen um Identität, um Herkunft und Heimat wieder neu entflammen."

Le Matin: "Für die Nati wird alles möglich. Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri sahen sich vor dem Spiel Provokationen der serbische Spieler und der Presse gegenüber. Diese Provokationen fanden unweigerlich ihre Fortsetzung auf dem Feld in einem Spiel, in dem es für beide Mannschaften um alles oder nichts ging."

SERBIEN

Blic: "Herr Brych, wissen Sie dass es VAR gibt? Mitrovic und Serbien krass benachteiligt."

Sportski zurnal: "Die Schiedsrichterleistung des Deutschen Felix Brych war eine Schande."

Vecernje novosti: "Shaqiri lässt die 'Adler' verstummen."