Bereits vor Jahren ist bewiesen worden, dass Krebsleiden auch zu einem deutlich höheren Risiko für venöse Thromboembolien samt Lungeninfarkt & Co. führen. Im Zuge einer Langzeitstudie mit mehr als 2.000 Krebspatienten haben Wiener Wissenschafter jetzt den Nachweis für eine – im Vergleich zu venösen Thrombosen – Risikoerhöhung für Herzinfarkt und Schlaganfall (arterielle Gefäßverschlüsse) erbracht.

Die Studie wurde vor kurzem in der Fachzeitschrift "Haematologica" publiziert, wie die MedUni Wien mitteilte. Sie entstand aus Arbeiten an der Klinischen Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie der Universitätsklinik für Innere Medizin I (AKH). "Wir konnten feststellen, dass das Risiko der arteriellen Thrombose bei bösartigen Tumoren zwar deutlich unter dem venöser Thrombosen liegt, aber innerhalb unterschiedlicher Tumorarten stark variiert", wird Erstautorin Ella Grilz in einer Aussendung zitiert. "So ist zum Beispiel das Risiko für arterielle Thrombosen bei bösartigen Neubildungen der Nieren und Lungen deutlich höher als bei Mammakarzinomen."

Vorhersage treffen

Das ist das aktuellste Ergebnis aus der seit 2003 laufenden, CATS-Beobachtungsstudie (Cancer and Thrombosis Study), in die mehr als 2.000 Krebspatienten eingeschlossen worden sind. Das Hauptaugenmerk der CATS-Studie unter der Leitung von Ingrid Pabinger und Cihan Ay ist die Suche nach Faktoren, die dazu beitragen, das Auftreten venöser Thromboembolien bei Krebspatienten vorhersagen zu können.

Die aktuellen Ergebnisse im Detail: Innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren liegt die Gefahr einer arteriellen Thrombose (Herzinfarkt, Schlaganfall, Gefäßverschluss in Beinarterien etc.) für Krebspatienten durchschnittlich bei 2,6 Prozent. Das ist zwar deutlich geringer als bei venösen Thrombosen mit etwa acht Prozent, allerdings ist das Risiko der arteriellen Thrombose bei einzelnen Tumorarten deutlich höher.

So kam es zum Beispiel bei Kranken mit bösartigen Tumoren der Niere während des zwei Jahre dauernden Untersuchungszeitraums ebenfalls in etwa acht Prozent der Fälle zu einer arteriellen Thrombose. Außerdem wurde nachgewiesen, dass sich die Sterberate bei Patienten, die während ihrer Krebserkrankung einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder peripheren arteriellen Gefäßverschluss erleiden, um das Dreifache erhöht. (APA, 26.6.2017)