Banken investieren weltweit riesige Summen in ihr Internetgeschäft. Bei der Ersten und den Sparkassen in Österreich kommen im Monat auf 1,2 Millionen Filialbesuche schon 10 Mio. Online-Besuche. Die Konkurrenz wird schärfer. Weniger Sorgen machen der Bank Fintechs mit ihren unzähligen Bezahlangeboten. Weniger entspannt blicken die Banker auf den Einstieg von Internetgiganten wie Amazon in die Finanzwelt.

Innovativ

Noch sind die Bankkunden skeptisch: Auch wenn Internetriesen als besonders innovativ bekannt sind, könnten sich 95 Prozent der Österreicher etwa mit Facebook Bankgeschäfte nicht vorstellen, 87 Prozent würden sich dies über Google nicht trauen und 83 Prozent wollten auch mit Amazon keine Bankdienste abwickeln. Das ergab eine Umfrage der Erste Bank unter 900 Österreichern und Österreicherinnen zwischen 16 und 69 Jahren. Befragt wurde über Onlineinterviews.

Die Skepsis der Onlinebankkunden gegenüber den Internetgiganten dürfte aber abnehmen, glaubt man in der Ersten. Der Onlinehändler Amazon hat vor einem Vierteljahr eine Kooperation mit dem Finanz-Schwergewicht JP Morgan Chase bekannt gegeben. Amazon werde also nicht auf eigene Faust ins Bankgeschäft einsteigen, sondern in Kooperation, so Erste-Group-Retailchef Peter Bosek am Mittwoch vor Journalisten. Die Rede war u.a. von Girokonten. "Das beobachten wir mir großer Aufmerksamkeit. Das wird ziemlich smart sein."

"Die Frage ist immer auch, wer verwendet meine Daten"

Während 72 Prozent der Internetnutzer ihre Daten beim Onlinebanking für sicher halten, billigten dies beispielsweise nur 9 Prozent Amazon zu. Das war ein weiteres Ergebnis der Umfrage. "Die Frage ist immer auch, wer verwendet meine Daten", sagten Bosek und Erste-Vorstand Thomas Schaufler. Das sei schon vor dem Facebook-Skandal ein Thema gewesen. Große Internetkonzerne hätten immer wieder unglaublich große Datenlücken beklagt. Den Banken in Österreich indes sei mit dem Bankgeheimnis der Datenschutz in die Wiege gelegt worden. "Wir würden unsere Daten nie weiter verkaufen."

Bei den Fintechs ist nach Einschätzung von Bosek der erste Hype mit bisher jährlich dramatisch steigenden Investitionen in diese Branche vorbei. In der Regel seien dies Softwarefirmen, die einen Ausschnitt aus einer Bankdienstleistung herausnähmen und sehr gut programmierten, viele davon hätten aber Schwierigkeiten bei der Kundenakquisition feststellen müssen. Für Kooperationen mit diesen Anbietern ist auch die Erste weiter offen.

Die selber entwickelte Internetbankplattform George wird gerade auf die rund 16 Millionen Kunden in der Erste Group ausgedehnt. Zur Zeit hat sie 2,5 Millionen Nutzer, zu Jahresende sollen es 3 Millionen in vier Ländern sein. Zu Jahresende wird die Plattform in Rumänien ausgerollt, dann sind Ungarn und Kroatien dran. Priorität habe jetzt die Erweiterung im eigenen Netz, dann könnte es mit George in andere Länder gehen. Die Frage sei aber auch, ob bei einer Lizenzvereinbarung etwa mit einer deutschen Bank deren Kunden eine österreichische IBAN-Kontonummer wollten.

Im Filialnetz hat die Erste auch in Österreich Einsparungen durchgezogen. Online und Bankschalter sollen bei der Ersten ein Kombinationsangebot bleiben. (APA, 11.7. 2018)