Bis Ende August gilt die Einspruchzeit für die neuen Zölle. Dann treten sie in Kraft. Pekings Handelsministerium wies die zweite Liste als "absolut unannehmbar" zurück.

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Peking ist seit Wochen auf schlechte Nachrichten aus den USA abonniert, selbst, wenn sie von Präsident Donald Trump kommen und Chinas Staatschef Xi Jinping schmeicheln. "Meine große Freundschaft mit Präsident Xi und das Verhältnis unseres Landes mit China sind beide sehr wichtig für mich." So verwirrend begann Trump seine Erklärung, dass er Xi bestrafen wolle und 25 Prozent Strafzölle auf Chinas Exporte in die USA im Wert von 50 Milliarden Dollar erheben lässt.

Am Ende drohte Trump Xi: Falls dessen Regierung Vergeltungsmaßnahmen ergreife, würden die USA zusätzliche Zolltarife erheben.

Liste zwei

Das war am 15. Juni. Kaum einen Monat später ließ der US-Präsident am Mittwoch chinesischer Zeit Peking überraschend wissen, dass er seiner ersten 50-Milliarden-Dollar-Liste eine zweite nachfolgen lässt. Diesmal lässt er zehn Prozent Zusatzzölle auf 1000 chinesische Importwaren, vor allem Konsumgüter, in einem Wert von 200 Milliarden Dollar draufsatteln. Schuld sei wieder China. Alles geschehe "im Licht seiner Entscheidung", die Maßnahmen der USA in ihrer ersten Liste mit eigenen Zöllen auf US-Einfuhren konterkariert zu haben.

Bis Ende August gilt die Einspruchzeit für die neuen Zölle. Dann treten sie in Kraft. Pekings Handelsministerium wies die zweite Liste als "absolut unannehmbar" zurück. Sie schade China, der ganzen Welt und den USA, sagte ihr Sprecher und drohte mit Gegenmaßnahmen. China rufe die internationale Gemeinschaft an, mit Peking gemeinsam den freien Welthandel zu verteidigen, und will vor der Welthandelsorganisation (WTO) Klage erheben.

Hohe Einsätze

"Das Spiel wird immer hässlicher und die Einsätze immer höher", sagte der Pekinger EU-Kammerchef Mats Harborn. Europas Unternehmen machen sich Sorgen wegen Kollateralschäden. Ihre Zulieferketten seien als Erste betroffen. Harbon hofft aber, dass sich USA und China jetzt zusammensetzen, gerade weil sich der Einsatz so dramatisch erhöht hat. Sie haben zwei Monate Zeit, zu einer Lösung zu kommen, bevor es wirklich schiefläuft.

Inzwischen wird auch in chinesischen Medien gefragt, wie Peking die US-Strafzölle vergelten könnte, da die USA dreimal so viel aus China importieren, als sie dorthin ausführen. Das US-Handelsministerium bezifferte für 2017 den Gesamthandel mit China auf 505,6 Milliarden Dollar mit einem Defizit für die USA von 375 Milliarden Dollar.

Gegenmaßnahmen

Das patriotische Parteiblatt Global Times schrieb, dass Peking seine Gegenmaßnahmen potenziell auf moderne Dienstleistungen und den Tourismus ausweiten könnte, wo China ein Handelsdefizit mit den USA verzeichnet. Diese werben etwa um den lukrativen Besuch chinesischer Touristen bei ihnen. Auf weltweiten Reisen 2017 gaben sie mehr als 115 Milliarden Dollar aus. Es sei ein Leichtes, an ihren "Volkspatriotismus" zu appellieren, woanders als in den USA zu urlauben.

Wenn sich der Handelsstreit verschärft, könnten dortige touristische Ziele "einschließlich der Trump-Hotels" darunter leiden, heißt es in der Zeitung. "Wenn der US-Präsident die Handelsspannungen weiter eskaliert, muss Peking die Dienstleistungen der USA in China zu seinem Hauptschlachtfeld machen." (Johnny Erling aus Peking, 11.7.2018)