Wer im Sommer noch Bier trinken will, sollte laut Produzenten die Kisten zurückbringen.

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Wien – Im Sommer läuft die Produktion der Brauereien auf Hochtouren. Vor allem in deutschen Brauereien sind die Leergutvorräte mittlerweile aber bedenklich geschrumpft. Die ungewöhnlich lange Hitzeperiode hätte die Berechnungen der Brauereien über den Haufen geworfen, berichtete etwa Niklas Other vom Branchenmagazin "Inside". Auch in Österreich gibt es vereinzelte Aufrufe, Bierkisten zurückzubringen.

"Es ist eine branchenweite Dramatik in dem Thema", sagte Other auf Deutschland bezogen. Einige Brauer könnten bestimmte Sorten bereits nicht mehr abfüllen. Am härtesten treffe es die Getränkehändler, die sich über mangelnde Investitionen der Brauereien bei der Anschaffung von Getränkekisten beklagten.

Leergutknappheit

Auch der Deutsche Brauer-Bund berichtete von einer heuer "besonders ausgeprägten" Leergutknappheit. Gerade in den Sommermonaten könne es immer wieder zu Engpässen bei den in Deutschland sogenannten "Kästen" kommen, sagte Sprecher Marc-Oliver Huhnholz. Die Branche appelliert deshalb an ihre Kunden, Leergut möglichst "zeitnah" in den Handel zurückzubringen.

Mit einem auf "Facebook" veröffentlichtem Hilferuf hatte zuvor die Bochumer Brauerei Fiege für eine möglichst schnelle Rückgabe von leeren Bierkisten geworben. "Obwohl wir regelmäßig neues Leergut nachkaufen, werden in unserer Abfüllung gerade die Flaschen knapp", hieß es dort. Sorgen bereiten der Branche derzeit leere Kästen, die während der Urlaubszeit ungenutzt in den Kellern stehen. "Erst Pfand, dann (P)ferien", hieß es in dem Aufruf der Brauerei.

Kein Bier ohne Kisten

In Österreich animierte im Frühling Gösser die Kunden etwa indirekt, Leergut zurückzubringen. Man sollte Fotos, wie man das Leergut zurückbringt auf die Facebookseite der Brauerei stellen und konnte so (Bier-)Preise gewinnen. Von einem Engpass war aber keine Rede. Anders bei Puntigamer im Juni: "Kist'n brauch'ma! Bitte z'ruckbringen, sonst gibt's ka Bier!", hieß es dort bei Facebook.

Villacher Bier rief laut "Kleiner Zeitung" Ende Juni per Facebook auf, leere Bierkisten zurückzugeben. "Nur voll gut. Daheim Platz schaffen. Kisten zurückbringen", hieß es im Posting. "Das ist ein österreichweites Phänomen. Viele Brauereien kämpfen mit einem Mangel an Bierkisten. Derzeit ist es auch bei uns eng", sagte der Marketingleiter der Kärntner Brauerei laut dem damaligen Zeitungsbericht. Ein Blick auf mehrere weitere Braurerei-Facebookauftritte am Sonntag zeigte aber keine weiteren Aufrufe in Sachen Leergut.

Individuelle Flaschen erschweren Austausch

Bei den deutschen Fiege-Konkurrenten Veltins und König-Pilsener berichteten Sprecher, es seien bereits zusätzliche Bierkästen bei den Herstellern geordert worden, während eine Warsteiner-Sprecherin keine Engpässe bestätigte. Erschwert wird das Problem auch von individualisierten Getränkeflaschen der Brauereien, die einen Austausch unter den Brauereien unmöglich machen.

Veltins-Sprecher Ulrich Biene verwies auf historische Höchstmarken, die der Absatz der Brauerei in den Monaten Mai und Juni erreicht habe. "Wir haben viele Tausend Kästen nachbestellt", sagte Biene. Bei der Belieferung von Händlern könne es jedoch zu Wartezeiten kommen.

Bundesweit sind nach einer Hochrechnung der Brauerei insgesamt rund 500 Millionen Mehrweggetränkekisten im Einsatz, davon rund 180 Millionen von den deutschen Brauereien. Auch einzelne Mineralbrunnen hatten zuvor über Leergutengpässe geklagt. (APA, 22.7.2018)