Simón Bolívar ziert den höchsten Schein der neuen Währung.

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Dem venezolanischen Künstler José Leon dienen die wertlosen Geldscheine als Leinwand für seine Bilder.

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Wilmer Rojas fertigt aus den Banknoten Taschen.

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Ich wär' so gerne Millionär, dann wär mein Konto niemals leer! In der sozialistisch regierten Bolivarischen Republik Venezuela könnten die Prinzen ihren Traum bei einer prognostizierten Inflation von einer Million Prozent im Jahr 2018 verwirklichen, zumindest den ersten Teil. Letzterer ist aus demselben Grund unrealistisch: Wenn der Café con leche über eine Million Bolívar kostet, sieht es auf dem Konto rasch traurig aus.

Die galoppierende Inflation zwingt die Regierung in Carácas nun zum radikalen Währungsschnitt: Fünf Nullen werden vom "Bolívar fuerte", dem "starken Bolívar", gestrichen, die ab 20. August gültige neue Landeswährung soll nunmehr Bolívar soberano, souveräner Bolívar, heißen. Schon 2008 waren bei der Einführung des "starken Bolívar" drei Nullen des seit 1879 existierenden Bolívar gestrichen worden, seither wurde die Währung regelmäßig abgewertet. Damit entspricht ein Bolívar soberano hundert Millionen Bolívar von vor 2008.

Dabei galt die nach dem südamerikanischen Unabhängigkeitshelden Simón Bolívar benannte Währung bis zur drastischen Abwertung am sogenannten Schwarzen Freitag Venezuelas am 18. Februar 1983 als stabilste der Region. Seither geht es mit ihr bergab, sämtliche Maßnahmen der Kapitalkontrollen wie Wechselbeschränkungen in andere Währungen und ein Verbot der Veröffentlichung von Schwarzmarkt-Wechselkursen blieben weitgehend wirkungslos. Der souveräne Bolívar soll nun an die venezolanische Kryptowährung Petro gekoppelt sein. Dass seine Einführung die Hyperinflation, die mit der Teuerung in Simbabwe vor etwa zehn Jahren oder jener der Weimarer Republik vergleichbar ist, wirklich beenden kann, ist jedoch unwahrscheinlich.

Was würde Bolívar sagen?

Was Simón Bolívar, dessen Geburtstag sich am vergangenen Dienstag zum 235. Mal jährte, zu seiner völligen Entwertung sagen würde, ist schwer zu beurteilen. Der El Libertador genannte Kämpfer gegen die spanische Kolonialherrschaft in Südamerika könnte sich aber noch damit trösten, dass sein Erbe auch abseits der Problemwährung hochgehalten wird.

Schließlich sind nicht nur das Geld, die Verfassung und die Republik Venezuela nach ihm benannt, auch im Namen des Staates Bolivien und zahllosen Ortsnamen in ganz Lateinamerika wird er gewürdigt. Sogar in den USA, deren politisches System er bewunderte, trägt mehr als ein Dutzend Orte seinen Namen, ebenso eine Station der Pariser Metro. (Michael Vosatka, 26.7.2018)