Der Gazastreifen steht am Abgrund.

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Ein Durchbruch bei den von Ägypten und der Uno moderierten Waffenstillstandsverhandlungen zwischen Israel und der Hamas – oder ein neuer Gaza-Krieg, der blutiger ausfallen würde als jener von 2014: Die Erwartungen waren zuletzt zwischen diesen Extremen angesiedelt, die allerdings gemeinsam haben, dass sie die Beendigung des unhaltbaren Status quo im und um den Gazastreifen nach elf Jahren bedeuten würden. Noch sind die Würfel nicht gefallen. Die jüngste Eskalation zeigt, dass der Krieg hier immer näher liegt als eine diplomatische Lösung.

Wobei die indirekten Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas, die diesmal auch öffentlich zugegeben werden, an sich bereits eine Sensation sind. Wenn man sich einigt, läuft das auf eine Anerkennung der Hamas als Repräsentant der Bevölkerung des Gazastreifens durch Israel hinaus. Für ein Ende der Gewalt wäre Israel bereit, weitgehende Entwicklungsschritte im Gazastreifen zuzulassen, bei deren Umsetzung die Hamas mitreden würde.

Das ist schwierig genug, es gibt aber noch einen zweiten Verhandlungsstrang: Gespräche zur innerpalästinensischen Versöhnung, ebenfalls in Kairo. Auch hier ist impliziert, dass sich die Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas mit der Hamas arrangiert. Diese agiert zwar ebenfalls aus einer Position der Schwäche, denn der Gazastreifen steht am Abgrund. Aber wer hier die größte Kröte zu schlucken hat, ist schwer zu entscheiden. (Gudrun Harrer, 9.8.2018)