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Uri Avnery, israelischer Aktivist für den Frieden, ist am Montag an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben.

Foto: imago / hoffmann

Uri Avnery war Israels unermüdlicher Friedensaktivist, der bis zuletzt an eine Lösung des Konflikts glaubte. "Ich bin Optimist, ich glaube, dass aus der Dunkelheit der Verzweiflung schon Dämmerung wird", sagte er einst bei der Verleihung eines der zahlreichen Preise, die er für seine Bemühungen für den Frieden erhielt. Er war Buchautor, Journalist und Politiker, er nahm an Protesten teil, initiierte politische Kampagnen, traf sich mit Palästinensern und galt nicht nur den Rechten als Feind.

Der entscheidende Wendepunkt in seinem Leben war der Unabhängigkeitskrieg 1948, in dem er als Soldat schwer verwundet wurde. Bis dahin glaubte Avnery, der 1923 als Helmut Ostermann im westfälischen Beckum geboren wurde und 1933 mit seiner Familie ins damalige Palästina auswanderte, nicht an die Teilung des Landes. Als Jugendlicher trat er sogar zunächst der Irgun bei, der rechtsgerichteten "nationalen Militärorganisation". Er befürwortete Terroranschläge gegen die arabische Bevölkerung.

Kampf für Zweistaatenlösung

Nach seinem Krankenhausaufenthalt begann er sich für die Zweistaatenlösung einzusetzen – ein Ziel, das er bis zu seinem Tod verfolgte. Immer wieder wies er ganz pragmatisch auf die Möglichkeiten für Israels Zukunft hin: entweder zwei Staaten – Israel und Palästina – oder ein Staat mit einer arabischen Mehrheit, der dann entweder nicht mehr jüdisch sein wird oder nicht mehr demokratisch, wenn die Palästinenser darin nicht dieselben Rechte erhalten. Für Avnery gab es nur eine Option: die Gründung Palästinas neben dem Staat Israel, mit Jerusalem als Hauptstadt beider Staaten.

Der Kampf für den Frieden bedeutete für ihn zeitlebens, ein Oppositioneller zu sein, bereits 1950, als er Chefredakteur und Herausgeber des Nachrichtenmagazins "haOlam haZeh" wurde – eines Sprachrohrs der Opposition. Das machte ihn zu einer Hassfigur für Politiker von David Ben-Gurion bis Menachem Begin. Später gründete er eine gleichnamige Partei, mit der er es in die Knesset schaffte, wo er mit Unterbrechungen zehn Jahre als Abgeordneter saß. Mitte der 1970er-Jahre nahm er erste heimliche Kontakte zur Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) auf und traf sich 1982, während des Libanon-Kriegs, mit Yasser Arafat, wofür er fast wegen Landesverrats angeklagt wurde.

Mehrere Auszeichnungen

1993 gründete Avnery mit anderen Friedenskämpfern, unter anderem seiner Frau Rachel, "Gush Shalom" (Friedensblock), eine Organisation, die sich gegen die Besatzung, den Siedlungsbau und den Abriss arabischer Häuser einsetzte, politische Kampagnen startete und bis heute in der linksliberalen Tageszeitung "Haaretz" wöchentlich eine Anzeige schaltet, die zu aktuellen politischen Themen Stellung bezieht. Mit seinem Friedensblock setzte sich Avnery gegen den Bau des Sperrwalls zwischen Israel und dem Westjordanland ein und zettelte den Protest gegen den Zweiten Libanon-Krieg an. Zusammen mit Gush Shalom erhielt er den Aachener Friedenspreis, 2011 mit Gush Shalom und seiner Frau zudem den Alternativen Nobelpreis.

Mehrmals wurde er auch im deutschsprachigen Raum für seine Verdienste ausgezeichnet, darunter mit dem Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück, dem Bruno-Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte, dem Carl-von-Ossietzky-Preis der Stadt Oldenburg und dem Lew-Kopelew-Preis.

Und bis zuletzt schrieb eine wöchentliche Kolumne, die in mehrere Sprachen übersetzt wurde. "Einmal sagte er mir halb im Spaß, halb im Ernst: 'Wenn du meine wöchentliche Kolumne nicht mehr bekommst, weißt du, dass ich tot bin'", schrieb Anat Saragusti, eine Vertraute Avnerys, vor knapp zwei Wochen auf Facebook. Da lag Uri Avnery nach einem Schlaganfall bereits im Krankenhaus, noch am Leben, aber nicht mehr bei Bewusstsein. Am 10. September wäre Uri Avnery 95 Jahre alt geworden, seine Geburtstagsfeier war bereits geplant. Doch er starb in der Nacht auf Montag in Tel Aviv. Seinen Traum vom Frieden mit den Palästinensern erlebte er nicht. (Lissy Kaufmann aus Tel Aviv, 20.8.2018)