Warten vor der Einwanderungsbehörde in Lima. Peru.

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An der Grenze zu Kolumbien ist es kalt.

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Am Montag spuckten die Geldautomaten die ersten Bolivares Soberanos aus.

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Caracas – Angesichts der Flüchtlingswelle aus Venezuela hat der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) eine Krisensitzung des Ständigen Ausschusses der OAS gefordert.

Nach Angaben der Vereinten Nationen haben bisher 2,3 Millionen Venezolaner in anderen Ländern Zuflucht gesucht. Die Massenflucht gilt als eine der größten Migrationsbewegungen in der jüngeren Geschichte Lateinamerikas.

Nachbarn machen Grenzen dicht

Viele Nachbarländer sind von dem Ansturm überfordert. Um die Einreise der Flüchtlinge zu bremsen, verlangt Ecuador seit dem Wochenende, dass die Venezolaner über gültige Reisepässe verfügen. Auch Peru will seine Einreisebestimmungen bald verschärfen. In der brasilianischen Grenzregion kam es zuletzt zu fremdenfeindlichen Ausschreitungen gegen Venezolaner.

Argentinien droht mit Internationalem Strafgerichtshof

Argentiniens Präsident will Venezuela unterdessen vor dem Internationalen Strafgerichtshof anklagen. "In Venezuela werden Menschenrechte systematisch verletzt. Sie haben den Respekt für den Wert des Lebens verloren", sagte Mauricio Macri im Fernsehsender CNN.

Mauricio Macri will seinen Antrag gemeinsam mit den Staatschefs von Kolumbien, Chile und Paraguay in wenigen Wochen einreichen.
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Zudem äußerte Macri Zweifel daran, dass der venezolanische Präsident Nicolás Maduro tatsächlich Anfang des Monats Ziel bei einer Militärparade eines Drohnenangriffs war. Sein Verhalten seither deute darauf hin, "dass es nicht sehr wahrscheinlich ist, dass es so war", sagte der Argentinier.

Währungsreform

Venezuela brachte am Dienstag neue Banknoten in Umlauf. Aus der Landeswährung wurden wegen der Hyperinflation fünf Nullen gestrichen. Aus einer Million Bolívar fuerte (starker Bolívar) werden damit zehn Bolívar soberano (souveräner Bolívar). Kritiker sehen das eher als einen weiteren Schritt sozialistischer Politik, der das Land tiefer in die Krise drücken könnte.

Die Menschen im Land mit den größten Erdölreserven der Welt leiden wegen Misswirtschaft und US-Sanktionen unter Hunger, Arbeitslosigkeit und einer Hyperinflation. Das heißt, die Preise steigen extrem schnell, und man kann sich für sein Geld immer weniger kaufen. Weil das Geld in Venezuela so rasant an Wert verliert, sprich man von einer Hyperinflation.

Der Spritpreis soll an ein internationales Niveau angepasst werden. Aktuell kostet ein Liter Benzin sechs Bolívar, für umgerechnet einen Euro gibt es rund eine Million Liter Treibstoff. Mit der geplanten Preisänderung einher gehen eine Erhöhung des Mindestlohns um 3.000 Prozent sowie Steueranhebungen, die die Staatseinnahmen stützen sollen. Vielfach beträgt das Einkommen der Bürger jedoch nur wenige Dollar im Monat. Zudem sollen Gehälter, Preise und der Wechselkurs des Landes an die staatlich unterstützte Kryptowährung Petro gekoppelt werden.

Eine Million Prozent Inflation

Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) beläuft sich die aktuelle Inflation auf 80.000 Prozent und soll bis Jahresende eine Million Prozent erreichen. Die Entwicklung in dem südamerikanischen Land sei vergleichbar mit dem Preisverfall in der Weimarer Republik in Deutschland im Krisenjahr 1923. Außerdem sei die venezolanische Wirtschaft 2017 um zwölf Prozent geschrumpft.

Wenn es in Österreich zu einer derartigen Inflation käme

  • Ein Bier um vier Euro würde momentan rund 3.200 Euro kosten und am Jahresende rund 40.000 Euro.
  • Ein Liter Milch um 1,29 Euro käme aktuell auf rund 1.000 Euro und Jahresende auf 12.900 Euro.
  • Für einen Kleinwagen um 14.000 Euro müsste man jetzt 11,2 Millionen Euro zahlen und zu Silvester rund 140 Millionen Euro. (red, APA, dpa, Reuters, 20.8.2018)