Spa-Francorchamps – Sebastian Vettel hat am Sonntag beim belgischen Grand Prix in Spa das erste Schlüsselrennen im WM-Duell mit Lewis Hamilton gewonnen. Auf der Hochgeschwindigkeitsbahn in den Ardennen nutzte der Mann im Ferrari die Überlegenheit seines Triebwerks und konnte mit seinem fünften Saisonsieg sieben Punkte auf Hamilton gutmachen. Dieser führt nun vor dem nächsten Rennen am kommenden Sonntag in Monza mit 231 Punkten vor Vettel mit 214.

Dritter wurde der Niederländer Max Verstappen im Red Bull vor Mercedes-Fahrer Valtteri Bottas (Finnland), der vom 17. Startplatz aus ein bravouröses Rennen fuhr, allerdings nie in Reichweite zur Spitze lag und Hamilton deshalb nicht helfen konnte.

Fernando Alonso hebt ab.
Foto: APA/AFP/THYS

Nico Hülkenberg kam nur wenige hundert Meter weit, dann prallte der Renault-Pilot nahezu ungebremst in den vor ihm fahrenden Fernando Alonso. Dessen McLaren hob ab und flog spektakulär über den Sauber von Charles Leclerc, der vor allem dank des Schutzbügels Halo unverletzt blieb.

Alonso, der den Crash unversehrt überstand, hatte keinerlei Verständnis für Hülkenbergs Aktion. "Wie kann man so einen Fehler machen, wenn man in der höchsten Klasse des Motorsports fährt?", sagte der Spanier. Und das ausgerechnet in Spa, wo McLaren 1968 durch den Teamgründer Bruce McLaren den ersten von mittlerweile 182 Grand-Prix-Siegen eingefahren hatte.

Entscheidendes Manöver schon in Runde eins

Unmittelbar bevor das Safety-Car ausrückte, schob sich Vettel auf der Kemmel-Geraden an Hamilton vorbei in Führung. Vettels Teamkollege Kimi Räikkönen rollte derweil nach einer Berührung mit Red Bulls Daniel Ricciardo mit einem Reifenschaden hinten rechts auf der Felge zurück zur Box und verlor sein 100. Formel-1-Podium damit schon früh aus den Augen. Zwar versuchte es der Finne noch einmal mit frischen Reifen, doch in der zehnten von 44 Runden stellte er seinen Ferrari ab, nachdem sich das DRS nicht mehr schließen ließ.

"Wenn man schon das Qualifying so verpatzt, kann das halt passieren", sagte Räikkönen – eine deutliche Kritik an seinem Team, das ihn in der Endphase des chaotischen Qualifyings mit zu wenig Sprit auf die Strecke geschickt und damit eine letzte schnelle Runde verhindert hatte. Am Ende reichte es für Räikkönen nur zu Startplatz sechs, damit steckte er bei dem Hülkenberg-Crash mitten im Getümmel.

Sebastian Vettel rückte WM-Leader Lewis Hamilton mit einer souveränen Vorstellung näher.
Foto: imago/Motorsport Images/Boxham

Vettel ließ sich davon nicht beeindrucken, er drehte an der Spitze souverän seine Runden. Hamilton gab sich allerdings nicht geschlagen, immer wieder fuhr der Brite Sektoren-Bestzeiten. "Lewis macht Druck, vielleicht müssen wir auf Plan B gehen", funkte die Ferrari-Box in Vettels Cockpit. Die Vorentscheidung fiel bei Halbzeit des Rennens. Zuerst holte sich Hamilton neue Reifen, eine Runde später kam Vettel mit 21 Sekunden Vorsprung in die Box und behielt seine Führung – die Entscheidung zugunsten des Deutschen.

Für Vettel war es der 52. Sieg seiner Karriere und der dritte in Spa nach 2011 und 2013, damals allerdings noch in seinen WM-Jahren im Red Bull. Zuletzt hatte der viermalige Weltmeister Anfang Juli in Silverstone gewonnen, danach siegte Hamilton in Hockenheim und in Budapest. (sid, red, 26.8.2018)