Kanye West findet auch, dass "Make America Great Again" durch "Make America Great" ersetzt werden sollte, da "again" die schwarze Bevölkerung zu sehr an die Geschichte der Rassentrennung erinnere.

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Der US-Rapper Kanye West, oder "YE" wie er neuerdings genannt werden möchte, stattete am Donnerstag dem 45. US-Präsidenten Donald Trump einen mehr als grotesken und bizarren Besuch in dessen Oval Office ab. Als er dem Präsidenten und dessen Schwiegersohn Jared Kushner nahelegte, die präsidentielle Flugmaschine Air Force durch ein, wie er es nannte, "iPlane 1" zu ersetzen, zückte er sogleich vor laufenden Kameras sein Smartphone und hämmerte das allerseits beliebte, aber nicht gerade sichere Passwort "000000" in die Tasten.

Amicus Humani Generis

Die Idee zum wasserstoffbetriebenen iPlane 1, welches nach Wests Aussagen von der US-Firma Apple gebaut werden sollte, stammt wenig überraschend weder von Apple noch vom Rapper. Es wurde vielmehr vom nunmehrigen Freelance Verkehrs- und Industriedesigner Shabtai Hirshberg, im Rahmen seines Studiums am Detroit College for Creative Studies vor mehr als sechs entwickelt.

Kanye West zeigte Donald Trump seine Pläne auf seinem iPhone.
Foto: REUTERS/Kevin Lamarque

Auch der innovative Ansatz die Flieger in den USA zu bauen ist gar nicht so bahnbrechend wie manch einer glauben mag. Die beiden Boeing VC-25, zu Militärmaschinen umgebaute Boeing 747, die als Präsidentenmaschinen fungieren ("Air Force 1"), sind tatsächlich die Produkte einer US-Firma, die auch in den USA gebaut werden.

Viel Liebe für Trump

"Ich liebe diesen Typen", offenbarte West bei dem Treffen dem US-Präsidenten seine Liebe, sprang von seinem Sitz auf und umarmte Trump. West war gemeinsam mit dem legendären Footballspieler und Aktivisten Jim Brown eigentlich ins Weiße Haus eingeladen worden, um über eine Gefängnisreform zu sprechen. Im Eiltempo sprach der Ehemann von Reality-Star Kim Kardashian minutenlang über Trumps protektionistische Handelspolitik, Schusswaffengewalt unter Afroamerikanern und "unendliche Mengen an Universen".

Der ganze Wahnsinn in voller Länge.
NBC News

Wests Präsidentschaftsambitionen

"Das war ein Erlebnis", sagte der nahezu sprachlose US-Präsident nach Wests Monolog. "Das kam von Herzen, ich habe es nur kanalisiert", antwortete der Rapper. Der Präsident habe wohl nicht erwartet, "von so einem verrückten Scheißkerl wie Kanye West" unterstützt zu werden, sagte er, während Trumps Mitarbeiter nach Luft schnappten.

Er liebe zwar auch Hillary Clinton, sagte der 41-Jährige, aber von ihrem Campaign-Slogan "I’m with her" habe er sich damals nicht angesprochen gefühlt. Als er sich jedoch die Trumpsche "Make America Great Again"-Kappe aufsetzte, habe er sich wie Superman gefühlt, sein Lieblings-Superheld, so West.

West, dessen Unterstützung für Trump untypisch für die eher linksgerichtete US-Unterhaltungsindustrie ist, deutete sogar an, er könne selber Präsident werden – allerdings erst nach einer zweiten Amtszeit Trumps im Jahr 2024. (red, APA, 12.10.2018)