Papst Franziskus nahm den Rücktritt Donald Wuerls an.

Foto: Reuters/Lesser

Vatikanstadt/Washington – Der Papst hat den Rücktritt des umstrittenen katholischen Erzbischofs von Washington, Kardinal Donald Wuerl, angenommen. Dies teilte der Vatikan am Freitag mit. Wuerl war in den vergangenen Wochen massiv unter Druck geraten, weil er in seiner Zeit als Bischof von Pittsburgh an der Vertuschung von Missbrauchsfällen im Klerus beteiligt gewesen sein soll.

Die Generalstaatsanwaltschaft des US-Staates Pennsylvania hatte festgestellt, dass über sieben Jahrzehnte hinweg mehr als 300 Priester sich an über 1000 Kindern und Jugendlichen vergangen hatten. Die Kirchenoberen hatten nach Überzeugung der Ermittler teils trotz Kenntnis der Vorgänge nicht durchgegriffen. Die meisten Fälle sind strafrechtlich verjährt.

Übliches Verfahren

Wuerl hatte bereits vor drei Jahren aus Anlass seines 75. Geburtstags einen Rücktrittsantrag beim Papst gestellt – dies ist ein übliches Verfahren für katholische Bischöfe. Der Antrag wurde jedoch zurückgestellt. Wuerl sah sich zuletzt Rücktrittsforderungen aus dem Klerus und von Laien ausgesetzt.

Der Streit ist auch Ausdruck eines Flügelkampfes innerhalb der katholischen Kirche der USA, der zwischen Anhängern von Papst Franziskus und Gegnern von dessen eher liberaler Linie, etwa im Umgang mit Homosexuellen, entbrannt ist. Wuerl gilt als Geistlicher, der die progressive Linie des Papstes unterstützt. (APA, 12.10.2018)