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Bondscoach Ronald Koeman (vorne) schmiedet in den Niederlanden eine neue Einheit.

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Diese Zeiten sind zum Glück vorbei: Libero Koeman verwendet nach dem Sieg der Niederländer im EM-Halbfinale das Trikot von Olaf Thon in ungebührlicher Weise.

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Berlin – Mit dem Spiel zwischen den Niederlanden und Deutschland kommt es im Samstagsschlager der Nations League in Amsterdam (20.45 Uhr, live ZDF) zur Neuauflage eines Klassikers. Während der entthronte Weltmeister eine Niederlage und damit ein Zittern am Dienstag in Frankreich vermeiden will, verspüren auch die Gastgeber Druck. Die Duelle zwischen den Nachbarn waren lange geprägt von gegenseitiger Abneigung bis hin zu offenem Hass. In der jüngeren Vergangenheit hat sich das Verhältnis aber entspannt. DFB-Coach Joachim Löw steht jedenfalls vor einem neuen Rekord.

Rekordmann Jogi

Er zieht mit seinem 168. Länderspiel als Teamchef an Sepp Herberger vorbei, bisher stehen 109 Siege, 30 Remis und 27 Niederlagen in seiner beeindruckenden Bilanz. "Holland ist wieder auf einem sehr guten Weg. Sie haben seit einigen Monaten einen neuen Trainer, der lange bei Barcelona gespielt hat. Das sieht man an der Handschrift", sagte Löw über sein Gegenüber Ronald Koeman, der seit Februar im Amt ist.

"Man will nicht absteigen, man will seine Position behaupten", meinte Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff vor dem 41. Duell mit dem Nachbarn. Bei einer Niederlage drohen Deutschland der Sturz in die Zweitklassigkeit und stärkere Gegner in der Qualifikation für die EM 2020. Mit dem ersten Erfolg in den Niederlanden seit 22 Jahren könnte Löw hingegen den Neuaufbau nach dem WM-Debakel in Russland vorantreiben.

Frankreich führt Gruppe 1 der A-Liga der Nations League derzeit mit vier Punkten vor Deutschland (1) und den Niederlanden (0) an. Der Tabellenerste qualifiziert sich mit den drei weiteren A-Gruppensiegern für das Finalturnier im Juni 2019, der Letzte muss in Liga B absteigen.

Koeman leitet Generationswechsel ein

Koeman, Libero in der legendären niederländischen Mannschaft um Marco van Basten, Ruud Gullit und Frank Rijkaard wurde auserkoren, nach vielen Enttäuschungen den Umschwung einzuleiten. Zwei Endrunden hintereinander hat des Ex-Europameister zuletzt verpasst. Zu den vielversprechenden Anzeichen gehörte der Auftritt von Ajax Amsterdam in der Champions League bei Bayern München (1:1). "Wir haben wieder viele junge Spieler, die auf einem guten Weg sind", sagte Koeman.

Er ist dabei, aus Talenten ein Team zu formen, das verlorene Anerkennung zurückgewinnt. Abwehrspieler Matthijs de Ligt (19, Ajax) und Mittelfeldlenker Frenkie de Jong (21, Ajax) sind nur zwei Beispiele, die Hoffnung machen. Fünf der 24 Spieler des aktuellen Kaders wurden 1997, zwei 1995 geboren. Niederländische Experten sprechen schon von einer "goldenen Zukunft" und loben den Generationswechsel, den Koeman eingeleitet hat. "Die Niederlande sind traditionell ein großes Fußballland, und das wollen wir auch wieder werden", sagte de Jong.

Das knappe 1:2 bei Weltmeister Frankreich im September ließ ebenfalls positive Rückschlüsse zu, Koeman wittert jetzt auch gegen den Nachbarn eine Chance: "Deutschland ist nicht so stark wie vor einigen Jahren."

Pragmatik statt Romantik

Er setzt auf eine eher konventionelle Spielstrategie, die auf einer stabilen Defensive basiert. Virgil van Dijk (FC Liverpool), Stefan de Vrij (Inter Mailand) und de Ligt sind auf Sicht deren Kernelemente, davor wird de Jong von Giorginio Wijnaldum (FC Liverpool) unterstützt. Der Offensive fehlt allerdings ein großer Name, die Erben eines Arjen Robben, Robin van Persie oder Wesley Sneijder müssen sich noch herausbilden.

Doch Koeman ist überzeugt von der guten Perspektive, "sonst hätte ich den Job nicht angenommen". Auch dass Koeman kein Verfechter des "Voetbal totaal" ist, brachte ihm bislang keinen Misskredit. Die Niederlande setzen derzeit auf Pragmatismus, und Koeman lebt diesen vor. "Wir haben vielleicht nicht mehr die allerbesten Spieler, aber das heißt nicht, dass wir kein gutes Team aufstellen können", sagte er nach Übernahme seines Traumjobs. Weil Koeman den Bewerb sehr ernst nimmt, können Ajax und PSV, die neun Spieler entsenden, nicht mit Rücksicht seitens Koemans rechnen: "Ich werde für das Spiel niemanden schonen." (sid, APA, red, 12.10.2018)

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Niederlande: Cillessen/FC Barcelona (29 Jahre/42 Länderspiele) – Dumfries/PSV Eindhoven (22/2), de Ligt/Ajax Amsterdam (19/9), van Dijk/FC Liverpool (27/21), Blind/Ajax Amsterdam (28/56) – Wijnaldum/FC Liverpool (27/50), de Jong/Ajax Amsterdam (21/2), Strootman/Olympique Marseille (28/42) – Promes/FC Sevilla (26/30), Depay/Olympique Lyon (24/40), Babel/Besiktas Istanbul (31/51). – Trainer: Koeman

Deutschland: Neuer/Bayern München (32/80) – Ginter/Borussia Mönchengladbach (24/20), Boateng/Bayern München (30/75), Hummels/Bayern München (29/67), Hector/1. FC Köln (28/40) – Kimmich/Bayern München (23/34) – Müller/Bayern München (29/96), Kroos/Real Madrid (28/88) – Brandt/Bayer Leverkusen (22/20), Werner/RB Leipzig (22/19), Sane/Manchester City (22/13). – Trainer: Löw