Die USA bleiben das Langstreckenziel Nummer eins der Businessflieger. Wer eine Dienstreise macht, muss immer öfter in günstigeren Hotels absteigen und billig fliegen.

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Noch nie wurde privat wie dienstlich so viel verreist wie jetzt. Während bei Freizeitfliegern schon immer der Preis das maßgebliche Kriterium für die Wahl der Airline und mitunter auch des Reiseziels war, kommt zunehmend auch bei Geschäftsreisen der Sparstift zum Einsatz.

"Fünf Sterne ist tot, außer bei Firstclass-Reisenden", weiß Thomas Kreillechner. Der beim Verkehrsbüro für das Business-Segment zuständige Geschäftsführer verweist im Gespräch mit dem STANDARD auf verschärfte Reiserichtlinien, die im Gefolge der Finanzkrise 2008 mittlerweile in den allermeisten Unternehmen angewandt würden. "Jetzt wird vorzugsweise in Drei- und Vier-Sterne-Hotels gebucht, auch bei den Reisebudgets wird gespart."

Videokonferenz ersetzt Reise nicht

Wurden Geschäftsreisende bis zur Finanzkrise vorwiegend in der Business-Class befördert, sei nun meist Economy angesagt, teils auch auf der Langstrecke. Oder Economy Premium, ein Mittelding zwischen Business und Economy. Insgesamt betrachtet werde trotz Qualitätsfortschritten bei Videokonferenz-Technologien weiter sehr viel geflogen, bei kürzeren Distanzen aber auch vermehrt auf die Bahn umgestiegen. Eine Videokonferenz könne einen Essenstermin zwischen Geschäftspartnern eben nicht ersetzen.

Der Boom bei Dienstreisen sei nicht zuletzt eine Folge des Wirtschaftsaufschwungs, der nun schon geraume Zeit anhält. "Es gibt eindeutig eine Korrelation zwischen Konjunktur und Geschäftsreisen", sagt Kreillechner. "Es läuft noch immer gut."

Bei der Verkehrsbüro Business Travel GmbH, Marktführerin bei Geschäftsreisen in Österreich, komme heuer ein Sondereffekt dazu. "Die ganze Republik bucht bei uns, wegen der EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr gibt es eine noch regere Reisetätigkeit als in Normaljahren", sagt Kreillechner. Aber auch ohne diesen Effekt liefen die Geschäfte heuer gut.

Immer mehr Langstrecke

Die regere Reisetätigkeit betreffe nicht nur innereuropäische Ziele, sondern insbesondere auch die Langstrecke. Der Anteil der von Unternehmen über das Verkehrsbüro gebuchten Interkontinentalflüge sei heuer um rund zwei Prozentpunkte auf 24 Prozent gestiegen. Die mit Abstand wichtigste Zielregion bleibe Nordamerika, gefolgt von China.

Der Europaverkehr mache 74 Prozent der Buchungen aus, zwei Prozent betreffen Reisen innerhalb Österreichs. Ziele wie Linz oder Salzburg würden von Wien aus immer öfter mit der Bahn angefahren statt mit dem Flugzeug zurückgelegt. Innsbruck, das von Wien mit dem Railjet in etwa vier Stunden, 15 Minuten erreicht werden kann, sei die Grenze. Darüber hinaus würden Flüge gebucht.

CEOs fliegen First Class

Was bei Urlaubsreisen schon länger üblich ist, sei nun auch im Businesssegment an der Tagesordnung: "Es wird zunehmend früher gebucht, weil die Preise günstiger sind", sagt Kreillechner. So sei die Zahl der Buchungen bis eine Woche vor Reiseantritt allein vom Vorjahr auf heuer um fast vier Prozentpunkte auf 21 Prozent zurückgegangen. Hingegen sei die Zahl der Buchungen 14 Tage oder noch länger vor Beginn einer Geschäftsreise deutlich gestiegen.

Während Unternehmen bei den Reisespesen ihrer Mitarbeiter insgesamt deutlich auf der Bremse stünden, sei im Topmanagement eine gegenläufige Entwicklung zu beobachten. "Vorstandsvorsitzende fliegen wieder vermehrt First Class", sagt Kreillechner. Die Zahlen seien zwar insgesamt überschaubar, der Trend aber eindeutig. Von den knapp 250.000 Tickets, die von der Geschäftsreisesparte des Verkehrsbüros pro Jahr ausgestellt werden, entfallen knapp 250 auf First Class. "Das sind aber allein heuer um rund 50 Prozent mehr", sagt Kreillechner.

Intransparenter Markt

Die größte Herausforderung und zugleich Existenzberechtigung für ein auf Vermittlung von Geschäftsreisen spezialisiertes Unternehmen sieht Kreillechner in der Technologie: "Der Markt wird zunehmend intransparent; Preise und Produkte sind so fragmentiert, dass Kunden schwer bis gar nicht mehr durchblicken."

Gerade in Zeiten häufiger Flugausfälle könne das Reisebüro seine Stärken ausspielen. (Günther Strobl, 21.10.2018)