Philip Morris behauptet Menschen dabei helfen zu wollen, mit dem Rauchen aufzuhören. Ob es Zufall ist, dass der Konzern die passenden Alternativprodukte anbietet, sei dahingestellt.

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Es ergibt zweifelsfrei ein fragwürdiges Bild, wenn einer der weltweit größten Tabakkonzerne dafür wirbt, mit dem Rauchen aufzuhören. Genau das hat Philip Morris mit einer Kampagne namens Hold My Light kürzlich in Großbritannien gemacht. Von der Krebsforschungsorganisation Cancer Research gab es dafür vernichtende Kritik. Einem Bericht der BBC zufolge spricht man bei der Organisation von einer "atemberaubenden Heuchelei".

Der Marlboro-Produzent rechtfertigt die Kampagne "als nächsten wichtigen Schritt für das Ziel, keine Zigaretten mehr zu verkaufen". Cancer Research ortet gänzlich andere Beweggründe hinter der Aktion. Der Konzern wolle lediglich seine E-Zigaretten vermarkten und werbe außerhalb von Großbritannien ja weiter für Zigaretten.

Nur Produktionsstopp hilft

"Wenn Philip Morris den Menschen wirklich helfen will, mit dem Rauchen aufzuhören, sollten sie keine Zigaretten mehr produzieren", sagte George Butterworth von Cancer Research. Rauchen liege überdies auf Platz eins der vermeidbaren Krebsursachen, echauffierte sich Butterworth.

Unterstützung bekam Cancer Research von der Gesundheitsorganisation Action on Smoking and Health (ASH), die die Kampagne ebenfalls hart kritisierte. ASH-Geschäftsführerin Deborah Arnott sagte, das sei ein Trick, um das britische Werbeverbot für Rauchen zu umgehen. Die meisten Tabakwerbungen sind in Großbritannien verboten.

Unverständliche Kritik

Auf Konzernseite stößt die Kritik auf Unverständnis. "In der Kampagne wollen wir Raucher dabei unterstützen, Alternativen zu finden", erklärt der britische Philip-Morris-Manager Peter Nixon. Die Frage, warum der Konzern die Zigarettenproduktion nicht einstelle, beantwortete er recht unternehmerisch: "Wenn wir die Produktion stoppen, wechseln die Kunden halt zur Konkurrenz. Außerdem machen Zigaretten 87 Prozent unseres Geschäfts aus." Nichtsdestotrotz wolle man so schnell wie möglich "rauchfrei" werden und Alternativen verkaufen.

Tabakfirmen blicken in Großbritannien harten Zeiten entgegen. Im Juli präsentierte die Regierung ihren Plan zur Tabakkontrolle. Bis 2022 soll die Anzahl der Raucherinnen und Raucher in Großbritannien von nun 15,5 auf zwölf Prozent gefallen sein. Laut Firmenangaben hat der Tabakkonzern bisher rund vier Milliarden Pfund (4,5 Milliarden Euro) in die Entwicklung von Zigarettenalternativen investiert. (red, 22.10.2018)