Nicht nur Robert Lewandowski war nach dem 2:3 ratlos.

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Dortmund – Seit Samstag hat der FC Bayern mit David Alaba in der deutschen Bundesliga sieben Punkte Rückstand auf Borussia Dortmund. Noch nie haben die Münchner eine solch große Differenz zu einem vergleichbaren Saison-Zeitpunkt aufgeholt. Und da stellt sich bereits die Frage: Wird es eine Wachablöse im deutschen Fußball geben?

Mats Hummels schloss dies nach dem 3:2-Erfolg seines Ex-Teams im spektakulären Spitzenspiel gegen die Bayern nicht aus. "Es kann natürlich sein, dass es in diesem Jahr einen anderen Meister gibt. Wenn man sieht, wie der BVB spielt und dass er sieben Punkte vorn ist, wäre es arg vermessen, es nicht für realistisch zu halten, dass es in diesem Jahr so kommen könnte."

Die Titelfrage

Der überragende Marco Reus, der die beiden Bayern-Führungen durch Robert Lewandowski (26./52.) zweimal egalisierte (49./Foulelfmeter/67.), meinte: "In der zweiten Halbzeit haben wir BVB-Fußball gespielt. Das hat richtig Bock gemacht." Von der Rolle des Titelfavoriten will er aber nichts wissen: "Es ist immer gut, ein Polster zu haben. Aber die Bayern sind auf lange Sicht einfach stark. Jetzt darüber zu sprechen, Meister zu werden, wäre zu früh." Nach der Länderspielpause erwartet er noch stärkere Gegenwehr: "Dann sind wir die Gejagten. Und dann wird es von Spiel zu Spiel noch schwieriger."

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Marco Reus sah schwierigere Zeiten auf Dortmund zukommen.
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Auch der als eher wortkarg bekannte Dortmunder Trainer Lucien Favre war diesmal geradezu in Plauderlaune. "Heute werde ich ein Glas Rotwein trinken", verriet der Schweizer. "Es war ein verrücktes Spiel, super Werbung für die Bundesliga." Wie schon in den Duellen mit Leipzig (4:1), Leverkusen (4:2) und Augsburg (4:3) sorgte sein Team für ein mitreißendes Spektakel.

"Spiele sehr speziell"

"Seitdem ich hier bin, waren viele Spiele sehr speziell", kommentierte der Coach den neuerlichen Kraftakt seiner in der zweiten Halbzeit furios aufspielenden Mannschaft. Der Nachfolger von Peter Stöger hat den zuletzt schlummernden Fußball-Riesen zu neuem Leben erweckt.

Erst zum zweiten Mal in seiner Historie ist der Revierclub nach elf Runden – wie 2002/2003 – noch ungeschlagen. Bereits zum vierten Mal in dieser Saison siegte man nach einem Rückstand. Selbst der dominante Auftritt der Bayern in der ersten Halbzeit mit 6:1-Torschüssen konnte den Tabellenführer nicht schrecken.

Bayern verwundbar

Die Münchner scheinen nun im Titelkampf mit dem BVB zu dem geworden, als was sie Präsident Uli Hoeneß zuvor schon aus taktischen Gründen bezeichnet hatte: der Außenseiter. Zwar beherrschten die Bayern den BVB eine Hälfte lang, doch dann deckten die Dortmunder die Münchner Schwächen auf.

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Das Duo Hoeneß/Rummenigge war nur kurzzeitig begeistert.
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Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge reagierte gelassen. "Seit sechs Jahren gab es eine Dauerparty von Bayern München. Heute hat Dortmund mal wieder die Nase vorne. Das muss man mal akzeptieren. Und bis Weihnachten eine Serie hinlegen."

"Immer war wer frei"

Doch es knirscht augenscheinlich weiter im Bayern-Gefüge. Tormann Manuel Neuer fühlte sich jedenfalls von seinen Kollegen häufig im Stich gelassen. "Dortmund hatte viel mehr als drei Chancen", sagte Neuer: "Es hat immer wieder gebrannt. Immer war wer frei."

Die Dortmunder wirken derzeit nicht nur flexibler, dynamischer und kompakter, sondern auch fitter. Und vor allem haben sie den jüngeren und breiteren Kader. Während Paco Alcacer (73.) am elften Spieltag das elfte Dortmunder Joker-Tor schoss, kamen bei den Bayern kaum Impulse von der Bank. Die Null-Euro-Einkaufspolitik droht sich zu rächen.

Und zuletzt gab es mehrfach Hinweise auf zwischenmenschliche Probleme. Bei der Suche nach dem Maulwurf, der Interna an die Öffentlichkeit trägt, sprach Trainer Niko Kovac dieser Tage angeblich versehentlich von "diesen beiden". Dass der als Kovac-Kritiker vermutete James Rodriguez zu spät zum Training gekommen sei, bezeichnete Sportdirektor Hasan Salihamidzic als "Fehlinformation". Dennoch kam der WM-Torschützenkönig von 2014 in Dortmund nicht zum Einsatz.

Teamgeist?

Auch die Aussagen der Spieler verraten zwischen den Zeilen einiges. "Wer jetzt nicht diese Gier entwickelt, da oben wieder hinzukommen, ist bei uns fehl am Platz", mahnte Joshua Kimmich. "Heute waren wir eine Mannschaft", sagte Hummels: "Vielleicht schaffen wir, das in die nächsten Wochen reinzutransportieren." Und Thomas Müller konterte mit Blick auf das Lob zur guten Leistung: "Wenn man zweimal führt und verliert, kann man nicht alles richtig gemacht haben." (APA, 11.11.2018)