Demonstranten vor dem saudischen Konsulat in Istanbul.

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Mit fast schon masochistischer Genauigkeit bestätigt die saudische Staatsanwaltschaft Details zum Mord an Jamal Khashoggi, die man zuvor aus der Türkei gehört hat: Ja, die Leiche des Journalisten, der am 2. Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul ermordet wurde, wurde zerstückelt. Für den Mord sollen nun elf Personen angeklagt werden. Für fünf, die die Tat durchgeführt haben, wird die Todesstrafe verlangt. Allerdings wird nach der letzten Darstellung wieder behauptet, das ursprüngliche Ziel sei die "Repatriierung" des Kritikers von Kronprinz Mohammed bin Salman gewesen.

Es ist wahrscheinlich, dass es zu Todesurteilen kommt, wobei jedoch die Möglichkeit besteht, dass die Familie Khashoggi auf die Vollstreckung verzichtet und stattdessen Geld akzeptiert. Aber sollte das nicht der Fall sein, so könnte es für den Kronprinzen, an dessen Ahnungslosigkeit niemand glaubt, Spätfolgen haben: Seine loyalsten Mitarbeiter werden sich fragen, ob er auch sie über die Klinge springen lassen wird, sollte es einmal nötig werden.

Dazu kommt die Genugtuung jener Familienmitglieder, die der Kronprinz für seinen Aufstieg beiseitegeräumt hat. Weiterhin werden eher Wirtschaftszahlen – und die Frage, ob hinter seinem Projekt 2030 mehr als heiße PR-Luft steckt – über seine Zukunft entscheiden als die Nachwehen des Khashoggi-Mords. Aber der neue starke Mann Saudi-Arabiens ist angezählt, immer mehr warten auf seinen Sturz. (Gudrun Harrer, 15.11.2018)