Erkennung durch Gangart ist der neueste Schrei in Chinas Tech-Szene. Ein CEO präsentiert seine Lösung für noch bessere Erkennungssoftware.

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Peking – "Sehr geehrte Passagiere", beginnt die Durchsage im Zug, so wie man sie aus tausenden Zügen auf der ganzen Welt kennt. Doch dann folgt nicht der Hinweis auf "Niveauunterschiede zwischen Zug und Bahnsteigkante", sondern auf Chinas neue Totalüberwachung: Nachdem eine freundliche Frauenstimme auf Englisch einige Regelverstöße aufgezählt hat, die man unterlassen sollte, macht sie auf ein außergewöhnliches Strafmaß aufmerksam: Vergehen würden im "individuellen Kreditinformationssystem" aufgezeichnet werden.

Damit gemeint ist das Sozialkreditsystem, das die Regierung ab 2020 in Peking und in den Jahren darauf in ganz China umsetzen will. Es basiert auf "Sozialpunkten", die man durch gute Taten sammeln und durch Vergehen verlieren kann.

Ende Oktober hat der britische Passagier James O'Malley die Durchsage auf einem Schnellzug zwischen Peking und Schanghai aufgenommen. "Menschen, die ohne Ticket reisen, sich schlecht benehmen oder in der Öffentlichkeit rauchen, werden den Regeln entsprechend bestraft", heißt es in der Durchsage. "Und das Verhalten wird im individuellen Kreditinformationssystem aufgezeichnet. Um einen negativen Eintrag von persönlichen Punkten zu vermeiden, folgen Sie bitte den relevanten Regeln und helfen Sie, die Anweisungen im Zug und im Bahnhof einzuhalten." (saw, 20.11.2018)