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Nagelsmann war eher brennhaß nach der Partie.

Foto: imago/Michael Weber

Der Blick verfinsterte sich, die Wut suchte sich ein Ventil – dann brach der Frust aus Julian Nagelsmann heraus. "Weil ich halt gewinnen will! Diese Unentschieden gehen mir voll auf den Sack", schmetterte der Hoffenheim-Trainer nach dem Aus in der Champions League den Kritikern entgegen. "Ich will immer gewinnen! Jedes Scheißspiel will ich gewinnen, sogar Darts gegen meinen Analysten. Ich will alles gewinnen!"

Nagelsmanns Tirade, bei der er seine Geringschätzung für die kritischen Fragen durch mehrfaches Kopfschütteln deutlich machte, änderte nichts an den Tatsachen. Der 31-Jährige möchte zwar gewinnen, auf internationalem Parkett gelingt ihm das aber so gut wie nie. Das 2:3 (2:2) gegen Schachtar Donezk war bereits die siebente Niederlage in 13 Europacup-Partien unter Nagelsmanns Regie. Dem stehen fünf Unentschieden und nur ein Sieg gegenüber – vor über einem Jahr in der Europa League gegen Istanbul Basaksehir.

Niederlage statt Remis in Unterzahl

Dass Nagelsmann angesichts dieser niederschmetternden Bilanz die Nerven verlor, bemerkte auch der Hoffenheimer Pressechef. Obwohl noch Fragen offen waren, beendete er die Pressekonferenz nach nicht einmal 13 Minuten. Weitere Kritik an der Strategie des Trainers, der ab Sommer RB Leipzig betreut, wurde so für den Moment verhindert.

Dennoch war vielen klar, dass sich Nagelsmann verkalkuliert hatte. Anstatt in Unterzahl (Stürmer Adam Szalai war in der 60. Minute vom Platz geflogen) das Spiel zu beruhigen und das Remis über die Zeit zu bringen, trieb er ("Die gelb-rote Karte war ein Vollwitz") seine Mannschaft weiter nach vorne. Am Ende kassierte Hoffenheim in der zweiten Minute der Nachspielzeit das entscheidende Gegentor durch Taison.

Auch Europa League in der Ferne

Durch die Niederlage verpassten die Deutschen auch im fünften Anlauf den ersten CL-Sieg, selbst die Chancen auf die Europa League stehen äußerst schlecht. Mit einem Unentschieden hätte Hoffenheim das noch selbst in der Hand gehabt, nun ist man am letzten Spieltag auf Schützenhilfe angewiesen: Donezk muss gegen Olympique Lyon verlieren, Hoffenheim gleichzeitig bei Manchester City gewinnen.

"Natürlich hätte ich lieber 2:2 gespielt als 2:3. Es wäre Bullshit, wenn ich sagen würde, ich habe lieber verloren. Es ist aber ein völliger Trugschluss zu sagen, ich sichere das 2:2 und stelle mich mit zehn Mann hinten rein", rechtfertigte sich Nagelsmann. "Ich werde auch gegen Manchester City gewinnen wollen, das verspreche ich Ihnen."

Eine andere Sichtweise legte Steven Zuber an den Tag. "Am Ende sollte man vielleicht mal überlegen, ob man nicht das 2:2 nehmen soll", sagte der Schweizer, der nach den Gästetoren von Ismaily (14.) und Taison (15.) sowie Anschlusstreffer von Andrej Kramaric (17.) das 2:2 (40.) erzielte hatte: "Aber uns zu bremsen wäre der falsche Ratschlag gewesen." (sid, red, 28.11.2018)