Mehrere Personen wollten aus unterschiedlichsten Gründen ihre Mitmenschen umbringen lassen. Für den Betreiber der Darknet-Seite ist das ein gutes Geschäft – er soll bisher zumindest sechs Millionen Euro auf diese Weise verdient haben.

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Auftragsmörder engagieren, die ungewünschte Personen im Austausch gegen Bitcoins umbringen: Was zunächst als unglaublich erscheint, wird auf manchen Plattformen im Darknet angeboten. Der Cyberkriminalitätsforscher Chris Monteiro hat sich über Jahre hinweg zum Ziel gesetzt, solche Plattformen zu überwachen und sofern notwendig auch Behörden zu kontaktieren. Dabei schildert er gegenüber dem US-Magazin "Wired" seine Recherchen, die belegen, dass sich vorwiegend Betrüger auf den Plattformen bewegen.

Monteiro hatte durch Zufall eine Seite entdeckt, die solche Dienste anbot – und sie zunächst auf seinem Blog als Fake bezeichnet. Als er gebeten wurde, gegen Geld positiv oder zumindest neutral zu berichten, lehnte er das ab. Auch das Angebot, zu Beweiszwecken jemanden zusammenzuschlagen zu lassen, den er kennt, wurde abgewiesen. Daraufhin zeigten sich die Betreiber verärgert und schickten ihm ein Drohvideo, welches ein brennendes Auto zeigte.

Keine echten Auftragsmörder

Monteiro analysierte daraufhin die Plattform und fand eine Sicherheitslücke, die ihm erlaubte, sämtliche Chats mit Nutzern einzusehen. Wie er herausfinden konnte, handelt es sich bei der Darknet-Seite um Betrug – die Cyberkriminellen nahmen Bitcoins von Nutzern an, führten aber die versprochenen Aufträge nie aus. Stattdessen wurden User mit Ausreden vertröstet, etwa, dass der Auftragsmörder aufgrund von illegalem Waffenbesitz festgenommen wurde. Ersatzweise boten die Betrüger daraufhin einen "professionellen" Mörder für noch mehr Geld an.

Die Kunden sind die Gefahr

Zu einem wirklichen Mord durch die Betreiber kam es in keinem einzigen Fall. Gefährlicher als die Betrüger selbst stuft Monteiro aber die Kunden ein – diese meinten ihre Anfragen zu einem Großteil nämlich ernst und zahlten dafür auch Geld. Ein Mann wollte den Liebhaber seiner Ehefrau umbringen lassen, seine Organe verkaufen lassen und seine Frau nach Saudi-Arabien schmuggeln lassen. Ein Niederländer zahlte laut "Wired" und Monteiro 20 Bitcoins, um jemanden bei einem vorgetäuschten Fahrradunfall umzubringen.

Ein US-Amerikaner versuchte monatelang eine alleinerziehende Mutter umbringen zu lassen. Trotz seiner Funde erhielt Monteiro von Behörden zunächst keine Hilfe – offenbar nahm niemand seine Liste ernst, da er von FBI, NCA und Anti-Terrorismusbehörde abgewiesen wurde. Später, nachdem er gemeinsam mit Kollegen die Webseite hackte und sperrte, wurden seine Warnungen etwas ernster genommen. So empfahl er, die potentiellen Opfer zumindest zu warnen.

Mann brachte Frau um

In dem Fall einer US-Frau wurde sein Rat befolgt. Sie wurde informiert, dass jemand 6.000 US-Dollar im Netz ausgegeben hatte, um sie umbringen zu lassen. Die Frau und ihr Ehemann konnten zu dem Zeitpunkt nicht sagen, wer sie töten wollen könnte. Sechs Monate später war sie verstorben. Wie sich herausstellte, hatte sie ihr Mann umgebracht – zuvor war er es, der versuchte, einen Auftragsmörder zu engagieren.

Ein mögliches Motiv war die Lebensversicherung seiner Frau, die ihm 700.000 Dollar eingebracht hätte. Die Behörden begannen, intensiver zu ermitteln – und nahmen etwa einen britischen Arzt fest, der eine Anfrage gestellt hatte, um seinen ehemaligen Finanzberater umzubringen. Er wurde ein Jahr später freigesprochen, er habe es aus Frustration getan und nie gezahlt. Ebenso festgenommen wurde eine dänische Frau, die ihren Freund umbringen lassen wollte. Sie wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt.

US-Soldat tauchte auf Liste auf

Besonders fragwürdig ist der Fall eines US-Soldaten, dessen Name ebenso auf der Seite auftauchte. Ein unbekannter Nutzer hatte umgerechnet rund 5.500 Dollar gezahlt und erklärt, dass der Mann sich zu einem bestimmten Datum am Zielort im Urlaub befinde. Kurze Zeit später wurde er wirklich zu diesem Zeitraum umgebracht. Die Polizei schätzte seinen Tod als Suizid ein – genau so, wie es sich der User wünschte.

Der Betreiber der Website bietet bis heute ähnliche Dienste im Darknet an. Jedes Mal, wenn seine Plattform geschlossen wird, erstellt er unter anderem Namen eine neue. Laut Monteiros Analyse von den Bitcoin-Wallets des Täters er dieser bis heute umgerechnet rund sechs Millionen Euro auf diese Weise erhalten haben. (red, 15.12.2018)