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Blick vom Berg Totschāl auf die iranische Hauptstadt. Einige Gebiete in der Region haben sich seit 2003 um mehrere Meter abgesenkt.

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Potsdam – Wie Forscher des Deutschen Geoforschungszentrums GFZ in Potsdam berichten, haben sich drei Gebiete in der Region der iranischen Hauptstadt zwischen 2003 und 2017 insgesamt um mehrere Meter abgesenkt. Teilweise habe die Absenkung mehr als 25 Zentimeter pro Jahr betragen, berichten die Forscher im Fachjournal "Remote Sensing of Environment".

Hintergrund dieser Entwicklung sei Irans Wasserproblem, schreiben Mahdi Motagh und Mahmud Haghig vom GFZ. Das Land investiert seit Jahrzehnten in die Entwicklung der Landwirtschaft und strebt an, bei der Lebensmittelversorgung unabhängig zu sein. Um den erhöhten Wasserbedarf zu decken, werden ohne nennenswerte Regulierung Grundwasserbecken ausgebeutet. Zudem hat die Regierung viele Staudämme errichten lassen, um Wasser zu speichern. Das schränkt allerdings den natürlichen Zufluss in die Grundwasserbecken stromabwärts gelegener Gebiete ein und trägt zu Wüstenbildung und anderen Umweltproblemen bei.

Austrocknung und Absenkung

Dazu gehören die voranschreitende Austrocknung des Urmiasees im Nordwesten des Iran, des zweitgrößten Salzsees der Welt ebenso wie häufige Staub- und Sandstürme in den vergangenen Jahren in der Provinz Khuzestan im Südwesten des Landes. In der Region um die Hauptstadt Teheran mit ihren etwa acht Millionen Einwohnern nahm der Wasserbedarf außerdem durch starken Zuzug in den vergangenen vierzig Jahren drastisch zu.

Die Zahl der Brunnen dort stieg von knapp 4.000 im Jahr 1968 auf mehr als 32.000 im Jahr 2012, so die Forscher. Hinzu kommen ausbleibender Regen in Dürreperioden, die es in den letzten Jahren immer häufiger gegeben hat. Das führte zu einem starken Rückgang des Grundwasserspiegels – in Teheran um ganze zwölf Meter zwischen 1984 und 2011.

Beobachtung in Echtzeit

Die Folge: Der Boden über den Grundwasserbecken senkt sich. Wie groß dieser Effekt ist, haben Motagh und Haghighi nun anhand von Radarsatelliten-Daten untersucht. Sie fanden heraus, dass sich in Teheran zwischen 2003 und 2017 drei Gebiete um bis zu 25 Zentimeter pro Jahr abgesenkt haben. Das führe bereits zu zu Spalten im Grund und Rissen in Gebäudewänden, so die Forscher. Sie fanden auch heraus, dass die Grundwasserbecken in bestimmten Bereichen durch die Ausbeutung irreversibel geschädigt wurden.

Für ihre Analyse nutzten die Forscher die Radarinterferometrie-Methode InSAR (Interferometric Synthetic Aperture Radar). Mit diesem Messverfahren lässt sich aus von Satelliten aufgezeichneten präzisen Radarsignalen im Mikrowellenbereich ein Abbild der Topografie der Erdoberfläche erstellen. Vor allem Daten der europäischen Mission Sentinel-1, die seit 2014 alle 24 Tage und seit 2016 alle 12 Tage hochaufgelöste Radarbilder mit einer Kantenlänge von 250 Kilometern aus der Region Teheran liefert, waren dafür von Bedeutung. "Dadurch ist es möglich, Georisiken wie etwa Landabsenkungen nahezu in Echtzeit zu analysieren", sagte Motagh. (red, 6.12.2018)