Annegret Kramp-Karrenbauer freut sich über die Wahl zur CDU-Parteivorsitzenden.

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Hamburg – Am Ende wurde es Annegret Kramp-Karrenbauer. Die Saarländerin wurde am Freitag von ihrer Partei zur neuen Vorsitzenden der Christlich Demokratischen Union (CDU) gewählt. Sie setzte sich am Parteitag in Hamburg gegen ihre Mitbewerber Friedrich Merz und Jens Spahn durch. Letzterer war bereits in der ersten Wahlrunde mit 157 Stimmen ausgeschieden. In einer zweiten Stichwahl konnte Kramp-Karrenbauer 517 von 999 Delegiertenstimmen auf sich vereinen. Merz musste sich mit 482 Stimmen – also denkbar knapp – geschlagen geben. Kramp-Karrenbauer gewann die Wahl mit 51,75 Prozent der Stimmen.

Kramp-Karrenbauer nahm die Wahl an und bedankte sich für das Vertrauen. "Ich würde mich sehr freuen, wenn sowohl Jens Spahn als auch Friedrich Merz gemeinsam an dieser Aufgabe mitarbeiten", sagte sie über ihre Konkurrenten. Ihr seien "viele Steine vom Herzen gefallen". Schon der Abschied von Angela Merkel als Parteichefin sei sehr emotional gewesen, "jetzt dieses knappe Rennen, dieses Herzschlagfinale", sagte Kramp-Karrenbauer am Freitagabend.

Vom Hamburger Delegiertentreffen gehe ein "Signal des Aufbruchs" aus, so die Saarländerin. Danach müsse für den Zusammenhalt und die Geschlossenheit der Partei Sorge getragen werden. Dabei müssten die unterschiedlichen Profile und Flügel in der Programmatik, aber auch im Personalangebot erkennbar sein. Zudem müsse die CDU nun schnell damit beginnen, die großen Wahlherausforderungen im nächsten Jahr anzugehen.

Merkel mit Humor

Auf dem mit Spannung erwarteten Parteitag hatte zuvor Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Abschiedsrede gehalten, in der sie mit Engagement und einigem Witz ihren Kurs verteidigte. Sie erinnerte an die Anfänge in der Spendenaffäre der frühen 2000er-Jahre und forderte die Partei auf, auch weiter zusammenzuhalten.

Die ganze Abschiedsrede von Angela Merkel.
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Sie erinnerte etwa an den Slogan des damaligen Parteitags: "Zur Sache" habe der gelautet. Dafür habe es Kritik gegeben: "Wo steht hier Deutschland? Nirgends. Wo steht hier Zukunft? Nirgends. Typisch Merkel: knochentrocken." Am Ende ihrer Rede konnte sich Merkel ein paar Tränen nicht verkneifen. Sie erntete minutenlangen Applaus und Standing Ovations.

Drei Bewerber hielten Reden

Im Anschluss hielten dann die drei Kandidaten, also Annegret Kramp-Karrenbauer, Ex-Fraktionschef Friedrich Merz und Gesundheitsminister Jens Spahn, ihre Bewerbungsreden. Darin versuchten die drei Kontrahenten noch einmal ihre Vorzüge hervorzustreichen. Kramp-Karrenbauer positionierte sich abermals als Brückenbauerin: "Egal wer nachher hier gewinnen wird, keiner von uns drei wird der Untergang für diese Partei sein." Am Schluss betonte sie noch einmal ihre Stilvorstellungen: "Ich habe gelernt, dass es bei Führung mehr auf die innere Stärke als auf die äußere Lautstärke ankommt."

Merz, der als aussichtsreicher Kandidat gesehen wurde, war zu Anfang seiner Rede sichtlich nervös. Er betonte, dass es zwar dem Land gut gehe, dass aber die Volkspartei dennoch kontinuierlich verliere – etwa an die AfD, aber auch an die Grünen. Das sei für ihn "unerträglich". Es müsse viel mehr Dialoge über Sicherheit, Rente, Pflege, Ausbildung, saubere Umwelt und auch über das Thema Migration geben.

Anders als Kramp-Karrenbauer und Merz, galt Jens Spahn seit Wochen nur noch als Kandidat mit Außenseiterchancen. In seiner Rede setzte er auf das Thema Freiheit, die er von "linken Moralisten, rechten Radikalen und religiösen Fundamentalisten" bedroht sieht. Er wolle die Freiheit verteidigen.

Im ersten Wahlgang flog Spahn aber mit – beachtlichen – knapp 16 Prozent der Stimmen hinaus. Kramp-Karrrenbauer bekam 45 Prozent, Merz etwa 30 Prozent der Stimmen.

Merkels Wunschkandidatin übernimmt

Knapp vor 17 Uhr waren dann alle Stimmen der Stichwahl der CDU-Delegierten ausgezählt. CDU-Präsidiumsmitglied Daniel Günther verkündete den Sieg der Saarländerin. Obwohl Merkel keine eindeutige Wahlempfehlung abgegeben hatte, dürfte auch sie mit dem Ergebnis hoch zufrieden sein. Kramp-Karrenbauer galt immer als ihre Wunschkandidatin.

Nach 18 Jahren CDU-Vorsitz gab Merkel somit das Zepter beziehungsweise den Taktstock weiter. Ein tatsächlicher Taktstock, nämlich jener, mit dem Kent Nagano das Konzert beim G20-Gipfel in der Elbphilharmonie dirigiert hatte, war auch Merkels Abschiedsgeschenk. Am Samstag wird Kramp-Karrenbauer erklären, wer Generalsekretär der Partei werden soll.

Der 63-jährige Merz kündigte – anders als Jens Spahn – nach der Wahl an, nicht mehr für das CDU-Präsidium kandidieren zu wollen. Merz bat die Delegierten jedoch, den 38-jährigen Spahn bei seiner Wahl ins Präsidium zu unterstützen.

Vom Koalitionspartner SPD kamen am Freitagabend rasch (Glück-)Wünsche. Die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles hat Kramp-Karrenbauer eine gute Zusammenarbeit in der Koalition angeboten. "Sie tritt in große Fußstapfen", erklärte Nahles. "Ich wünsche ihr dabei viel Erfolg."

Fünf Stellvertreter bestätigt

Die fünf bisherigen stellvertretenden Parteichefs wurden im Amt übrigens bestätigt. Am stärksten schnitt dabei der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier ab, der rund 90 Prozent der gültigen Stimmen erhielt. Die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner kam auf 86 Prozent. Der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende und Ministerpräsident Armin Laschet kam auf knapp 76 Prozent. Der CDU-Vorsitzende in Baden-Württemberg, Thomas Strobl, kam auf rund 59 Prozent, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen auf gut 57 Prozent. Gegenkandidaten zu den fünf Amtsinhabern gab es nicht. (red, 7.12.2018)