Rund 100 Personen wurden verletzt, zwölf davon schwer. Zwei Personen schweben in Lebensgefahr.

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Ancona – Bei einer Massenpanik von Besuchern einer Diskothek in der Nähe der italienischen Hafenstadt Ancona sind mehrere Minderjährige ums Leben gekommen. Insgesamt starben am frühen Samstagmorgen sechs Menschen, wie die Feuerwehr auf Twitter mitteilte. Zwei Burschen und drei Mädchen seien unter den Opfern, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die Polizei.

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Zudem sei eine Mutter gestorben, die ihre Tochter zu dem Konzert des Rappers Sfera Ebbasta begleitet haben soll. Die getöteten Teenager seien im Alter von 14 bis 16 Jahren gewesen, die Mutter 39 Jahre alt, sagte ein Polizeisprecher zu Sky Italia TV. Die Feuerwehr sprach auf Twitter von "sechs sehr jungen" Opfern. Dutzende Menschen wurden verletzt.

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Wie am Samstagmittag bekannt wurde, befanden sich wesentlich mehr Personen als erlaubt in der Disco. Nach Ermittlerangaben hätten zum Konzert des Mailänder Rap-Stars Sfera Ebbasta maximal 870 Personen zugelassen werden dürfen, 1.400 Eintrittskarten seien aber verkauft worden.

Ursache für die Massenpanik könnte ein von einem Besucher versprühtes Reizgas wie etwa Pfefferspray gewesen sein. Viele Discogäste begannen zu husten, Panik verbreitete sich im Lokal. Ein Notausgang soll versperrt gewesen sein. Die Jugendlichen drängten sich zu dem einzig offenen Ausgang. Massen von Teenagern wurden gegen eine Mauer gedrängt, die einstürzte.

Am Samstag liefen die Ermittlungen deswegen auf Hochtouren. Die Polizei suchte nach einem Jugendlichen, der Reizgas gesprüht haben soll. Geprüft wird auch, ob die drei Notausgänge des Lokals offen waren.

Schweigeminute in Rom

Innenminister Matteo Salvini kündigte an, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, die "aus Bosheit, Dummheit oder Gier eine Partynacht in eine Tragödie verwandelt haben." Mit 15 Jahren darf man so nicht sterben", sagte Salvini am Samstag und kündigte eine Schweigeminute während einer geplanten Kundgebung seiner Partei in Rom an.

Der italienische Präsident Sergio Mattarella kondolierte den Familien der Opfer und forderte gründliche Untersuchungen zu den Ursachen dieser Tragödie. "Bürger haben Recht auf Sicherheit, sowohl am Arbeitsplatz, als auch an Vergnügungsorten", wurde Mattarella in einer Presseaussendung zitiert.

Erinnerungen an Turin

Die Dynamik erinnert an eine Massenpanik in Turin, als beim Public Viewing des Champions-League-Finals im Juni 2017 Reizgas gesprüht wurde. Dafür verantwortlich gemacht wird eine Diebesbande, die Fans ausrauben wollte. Damals waren 1.500 Menschen verletzt worden und eine Frau an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben.

Unterdessen tobt in Italien eine scharfe Debatte über die Sicherheit in Diskotheken, in denen Gewalt und Illegalität floriere. Alkohol- und Drogenmissbrauch seien in Italiens Nachtlokalen die Normalität, beklagten italienische Medien. (APA, red, 8.12.2018)