Ein sichtlich fragiler König Salman als Gastgeber des GCC.

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Eine ironische Note steuerte ungewollt das iranische Press TV bei: Der "PGCC" sei 1980 gegründet worden, informierte der iranische staatliche Auslandspropagandasender seine Kundschaft am Wochenende. Nun ist das Gründungsjahr des Golfkooperationsrats, GCC, über dessen Tagung am Sonntag in Riad berichtet wurde, 1981. Kann passieren. Kein Hoppala ist jedoch das P vor dem GCC: Aus der Sicht Teherans handelt es sich um den "Persian Gulf Cooperation Council": weil der Golf eben der "Persische" zu sein hat.

Die iranische Spitze half jedoch auch nicht, den Bruch innerhalb der arabischen GCC-Staaten – Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain, Katar, Vereinigte Arabische Emirate (VAE), Oman – zu kitten. Die totale Boykottpolitik, die Saudi-Arabien, Bahrain, VAE (sowie Ägypten, das nicht im GCC ist) seit eineinhalb Jahren gegen ein anderes, Katar, fahren, wurde beim Gipfel nicht einmal diskutiert. Dementsprechend negativ fiel der Bericht des katarischen Senders Al Jazeera über das Treffen aus, während sich Medien aus anderen Ländern darauf einschworen, dass "trotz allem" der GCC-Zusammenhalt gesichert sei.

Persönliche Einladung

Der saudische König Salman bin Abdulaziz hatte den Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, sogar persönlich eingeladen. Dieser entsandte jedoch nur einen Staatssekretär. Aus der Delegation von Bahrain kam scharfe Kritik daran – dabei hatte der kleine Inselstaat selbst den Vorjahresgipfel, der in Kuwait stattfand, nur auf unterster Ebene beschickt.

Bereits damals schien das Ende des als Reaktion auf die Revolution im Iran gegründeten GCC gekommen zu sein: Während Saudi-Arabien, Bahrain und die VAE gegen Katar enger zusammenrückten, trugen Kuwait und Oman diese Politik nicht mit. Die USA, die in Katar ihr Centcom-Hauptquartier in der Region haben und mit Präsident Donald Trump einen verschärften Anti-Iran-Kurs fahren, drängen auf eine Lösung der Krise. Sie brauchen einen starken strategischen Zusammenhalt der Araber am Golf.

Die Schwächung Saudi-Arabiens durch die Khashoggi-Affäre – die mutmaßliche Verwicklung von Kronprinz Mohammed bin Salman in die Ermordung des saudischen Journalisten – schien eine Chance zu bieten: Die USA machen sowohl Druck auf die Saudis, ihr Jemen-Engagement zu beenden als sich auch vis-à-vis von Katar versöhnlicher zu zeigen.

Opec-Austritt

Katar, vom Boykott äußerlich unbeschadet, kündigte jedoch vergangene Woche an, sich 2019 aus der Opec zurückzuziehen: ein Schritt, der in der Opec selbst wenig ändert, aber ein deutliches politisches Signal der Abkoppelung von den erdölproduzierenden Ländern am Golf ist. Nun zeigt Katar auch dem GCC, dass es ihn nicht unbedingt braucht.

Fast mehr noch als Saudi-Arabien sind die Vereinigten Arabischen Emirate treibende Kraft des Katar-Boykotts: Dem kleinen Emirat wird vorgeworfen, sich nicht stark genug vom Iran abzugrenzen – aber das tut der Oman auch nicht – und Terrorismus zu unterstützen. Damit sind vor allem die Beziehungen Katars zu den Muslimbrüdern gemeint, denen Al Jazeera seit seiner Gründung 1996 tatsächlich stets breiten Raum gegeben hat. Besonders an der Beurteilung des Arabischen Frühlings 2011 schieden sich die Geister: Während Katar meinte, man müsse mit den revolutionären islamistischen Gruppen arbeiten, und sie überall aktiv unterstützte, fühlten sich die VAE und Saudi-Arabien von den Umstürzen bedroht.

Personalisierter Konflikt

Die Frage, ob der GCC – der nie eine echte wirtschaftliche oder politische Staatengemeinschaft war – noch zu retten ist, beschäftigt Golfanalysten: Der aktuelle Gipfel, der mit den üblichen Lippenbekenntnissen zu Palästina endete, könnte die Richtung weisen: Der GCC überlebt erst einmal, wenngleich handlungsunfähig.

Der Zwist ist stark personalisiert: Auf der einen Seite stehen die Kronprinzen Mohammed bin Salman (Saudi-Arabien) und Mohammed bin Zayed (VAE), auf der anderen der katarische Emir Tamim. Das heißt umgekehrt, personelle Veränderungen könnten einiges in Bewegung bringen. Die Angriffe auf MbS im Zusammenhang mit dem Khashoggi-Mord wurden in Saudi-Arabien prompt der katarischen Propaganda in die Schuhe geschoben. Und mit saudischem/emiratischem Geld werden Konferenzen der katarischen Opposition abgehalten. (Gudrun Harrer, 11.12.2018)