Sehr empört, aber nur begrenzt logisch in seiner Fragestellung: der Republikaner Ted Poe mit seinem iPhone.

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Der Wind hat sich gedreht: Seit dem Vorjahr sehen sich große US-Techfirmen wie Facebook und Google selbst in ihrem Heimatland wachsender Kritik ausgesetzt. Und tatsächlich gäbe es viele spannende Dinge, die man gerade Google-Chef Sundar Pichai in Fragen Privacy oder auch zu den vor einigen Monaten durchgesickerten Plänen für eine zensierte Suchmaschine für den chinesischen Markt stellen könnte. Doch am Dienstag demonstrierten US-Kongressabgeordnete eindrücklich, wie man es nicht macht: Dreieinhalb Stunden lang wurde Pichai vor allem mit Vorwürfen der politischen Voreingenommenheit gegenüber konservativen Meinungen in Suche und Google News konfrontiert.

Geplänkel

Dass vieles davon auf einem grundlegenden Missverständnis dessen, wie Google funktioniert, fußt und andere Dinge zum Teil längst widerlegt wurden, war dabei offenbar unerheblich. Verschärft wurde diese Form der öffentlichen Zeitverschwendung noch dadurch, dass die demokratischen Abgeordneten ihre Redezeit selbst oft wieder dazu nutzten, um sich über ihre republikanischen Widersacher lustig zu machen.

Wirklich neue Erkenntnisse zu drängenden Themen wie den umfassenden Datensammlungen, die Google bei seinen Nutzern so vornimmt, oder auch den China-Plänen des Unternehmens gab es also nicht. Und doch bot die Anhörung einen gewissen Unterhaltungswert – was vor allem an den zum Teil geradezu absurd schlechten Fragen der Politiker lag.

Der iPhone-Komplex

So wollte etwa der republikanische Abgeordnete Steve King von Pichai Auskunft zu einem sehr persönlichen Problem erhalten: Vor einigen Wochen sei seine siebenjährige Enkelin mit einem Kinderspiel auf ihrem iPhone beschäftigt gewesen, als plötzlich ein Bild von King, verbunden mit einer negativen Nachricht über ihn, eingeblendet wurde. Wie könne so etwas sein, wollte King wissen. Der Google-Chef zögert kurz, um danach den Kongress darüber zu informieren, dass das iPhone von einem anderen Unternehmen hergestellt werde.

Kam kaum ins Schwitzen: Google-Chef Sundar Pichai.
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Ebenfalls in die Kategorie "falsche Baustelle" fiel die Frage des für Texas im Kongress sitzenden Republikaners Ted Poe. Dieser wollte von Pichai wissen, ob Google in seinen Daten sehen könne, wenn er jetzt mit seinem iPhone von einem Bereich des Raums in einen anderen gehe. Pichais – in diesem Fall durchaus zutreffende – Antwort, dass man dies ohne Blick auf seine Einstellungen und die installierten Apps nicht sagen könne, erboste Poe zunehmend. Dies sei eine simple Ja-oder-Nein-Frage, und er sei sicher, dass die Antwort Ja sei. Pichais Versuche, ihm zu erklären, dass es in dem Fall darauf ankomme, ob und welche Google-Services er auf dem iPhone eingerichtet habe, verhallten ungehört.

Wer ist ein Idiot?

Eine andere Motivation bewegte recht augenscheinlich die Frage der demokratischen Abgeordneten Zoe Lofgren. Diese wollte wissen, wie es dazu kommen könne, dass bei einer Suche nach dem Begriff "Idiot" derzeit Bilder von US-Präsident Donald Trump in der Suche ganz vorn gereiht seien. Pichai lieferte daraufhin eine recht allgemeine Erklärung, wie die eigene Suchmaschine funktioniert und wie hier Gewichtung vorgenommen wird. Dies wiederum brachte Lofgren zur – rhetorischen – Frage, dass es also nicht so sei, dass bei Google ein kleiner Mann hinter einem Vorhang sitze, der die Suchergebnisse auswähle.

Selbstleger

Den Vogel schoss aber wohl der Republikaner Louie Gohmert ab. Dieser zeigte sich nämlich vor allem über die zum Teil im "Knowledge Graph" neben den eigentlichen Suchergebnissen angezeigten Informationen über eine Person erbost. Er wisse schon, dass diese aus der Wikipedia gespeist werden. Aber genau hier liege das Problem: Seine Mitarbeiter würden seinen Wikipedia-Eintrag immer wieder rein faktisch korrigieren, aber die liberalen Moderatoren würden all dies gleich wieder entfernen. Was Gohmert dabei nicht klar sein dürfte: Damit hatte er gerade einen Verstoß gegen die Wikipedia-Richtlinien eingestanden – verbieten diese doch, Änderungen an Einträgen vorzunehmen, die einen selbst betreffen. Von dem Umstand einmal abgesehen, dass Pichai natürlich nicht die richtige Ansprechperson in dieser Frage ist. (Andreas Proschofsky, 12.12.2018)