Michael Cohen, in der Gerichtszeichnung links, bereute vor Gericht seine Arbeit für Donald Trump. Wegen Verstößen gegen Wahlkampffinanzierungsgesetze muss er dennoch drei Jahre ins Gefängnis.

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Michael Cohen war einmal ein großer Fan Donald Trumps. Schon als Teenager las er The Art of the Deal, die Business-Fibel des Bauunternehmers. Später, da war er im Taxigeschäft New Yorks zu Geld gekommen, kaufte er ein Appartement im Trump World Tower. Dem ersten Wohnungsdeal folgten weitere, in Gebäuden namens Trump Palace und Trump Park Avenue; bis er als Rechtsberater bei der Trump-Organisation einstieg. Cohen war mehr als nur ein Anwalt, er war ein enger Vertrauter, er bahnte Geschäfte an, streckte Fühler aus, bisweilen war er der Mann fürs Grobe. Noch im vorigen Jahr beschrieb er es mit dem Satz, er würde sich vor Trump werfen, um eine Kugel abzufangen.

Von den Treueschwüren ist nichts geblieben. Blinde Loyalität gegenüber dem Mogul habe ihn den "Pfad der Dunkelheit statt des Lichts" einschlagen lassen, sagte der 52-Jährige während seines Auftritts vor Gericht in Manhattan, wo er am Mittwoch zu drei Jahren Haft verurteilt wurde. "Wieder und wieder empfand ich es als meine Pflicht, seine schmutzigen Taten zu vertuschen."

Affärenstory vergraben

Abgehakt ist der Fall mit dem Spruch des Richters noch nicht. Wenn nicht alles täuscht, könnte er Trump noch in akute Erklärungsnot bringen. 2016 arrangierte Cohen für den damaligen Präsidentschaftskandidaten Schweigegeldzahlungen an zwei Frauen, die nach eigener Aussage Sexaffären mit Trump gehabt hatten. In der heißen Phase des Duells gegen Hillary Clinton wollte der Unternehmer verhindern, dass die beiden, die Pornodarstellerin Stephanie Clifford (alias Stormy Daniels) und das Playboy-Model Karen McDougal, mit ihren Schilderungen an die Öffentlichkeit gehen. An Clifford zahlte Cohen selbst, im Falle McDougals spannte er David Pecker ein, den Chef des Medienhauses AMI, unter dessen Dach das schrille Boulevardblatt National Enquirer erscheint. AMI erwarb die Rechte an der Geschichte – nicht in der Absicht, sie zu drucken, sondern damit andere sie nicht kaufen könnten.

Die geheimen Zuwendungen waren ein Verstoß gegen Gesetze, die für Zahlungen mit dem Ziel der Beeinflussung einer Wahl Transparenz vorschreiben. Dass Trump persönlich sie anordnete, hat Cohen mittlerweile mehrfach betont. Es war Robert Mueller, der Sonderermittler der Russland-Affäre, der sie entdeckte und seine Erkenntnisse an die New Yorker Staatsanwaltschaft weiterreichte.

Damit steht der Präsident als Anstifter zu einer Straftat da, auch wenn er abwiegelt, es habe sich lediglich um eine "private Transaktion" gehandelt.

Sieben Mal hat Cohen mit Muellers Leuten geredet. Was genau sie von ihm erfuhren, vermag kein Außenstehender zu sagen. Gleichwohl lassen Bruchstücke den Schluss zu, dass Cohen Interna zu Protokoll gab, die unmittelbar mit Muellers Auftrag zu tun haben: herauszufinden, ob Trumps Wahlkampfteam 2015/16 geheime Absprachen mit dem Kreml traf.

So gab der Jurist zu, den Kongress belogen zu haben, als er nach einem Bauprojekt Trumps in Moskau gefragt wurde. Tatsächlich, räumte er ein, habe man bis Sommer 2016 über einen Trump Tower an der Moskwa verhandelt und nicht, wie anfangs behauptet, nur bis zum Beginn des Kandidatenwettlaufs der Republikaner.

Unsicherheit durch Berater

Im Raum steht die Frage, ob Wladimir Putins Umfeld die Hochhaussondierungen nutzte, um Trump zu beeinflussen. Antworten gibt es bis dato nicht. Das Repräsentantenhaus, ab Jänner von den Demokraten beherrscht, könnte Cohen nochmals vorladen, um das Kapitel auszuleuchten.

Von Cohen droht Trump wohl derzeit die größte Gefahr. Doch dann wäre da noch, zweitens, Ex-General Michael Flynn, Trumps erster Sicherheitsberater: Im Unterschied zu Cohen, der sich offiziell nie zur Kooperation mit Mueller verpflichtet hat, hat er mit den Ermittlern zusammengearbeitet. Da er an politischen Weichenstellungen beteiligt war, sind weitere brisante Enthüllungen nicht auszuschließen. Es war Flynn, der einen vertraulichen Gesprächskanal zu Sergej Kisljak, seinerzeit Botschafter Russlands in Washington, etablierte. Dass er vertuschte, was er mit Kisljak beredete, etwa die Aufhebung von Sanktionen, die Präsident Barack Obama verhängt hatte, kostete ihn seinen Posten im Weißen Haus.

Fäden nach Russland

Drittens: Maria Butina, vermeintlich begeistertes Mitglied der Waffenlobby NRA. Gemeinsam mit ihrem Mentor Alexander Torschin, damals Vizegouverneur der russischen Zentralbank, versuchte sie ein Treffen mit Donald Trump Jr., Trumps ältestem Sohn, am Rande einer NRA-Tagung in Kentucky anzubahnen. Sie ist inzwischen wegen Spionageverdachts angeklagt, am Donnerstag unterzeichnete sie eine Erklärung über eine Kooperation mit Mueller.

Der vierte Strang lief über New York, wo Trump Junior, Kushner und der Wahlkampfmanager Paul Manafort im Juni 2016 die russische Rechtsanwältin Natalja Weselnizkaja empfingen, nachdem man ihnen "Dreck" über Hillary Clinton in Aussicht gestellt hatte.

Und um einen fünften Strang ranken sich heftige Spekulationen, ohne dass es harte Beweise gäbe. Es geht um die Frage, ob Trumps Team gemeinsame Sache mit Wikileaks machte, ehe die Plattform gestohlene E-Mails aus dem Fundus der demokratischen Parteizentrale ins Netz stellte. Beauftragt vom russischen Geheimdienst GRU, hatten Hacker die digitale Post erbeutet. Bisher weiß man, dass Trump Junior Wikileaks per Twitter kontaktierte, um in Erfahrung zu bringen, wann mit der Veröffentlichung des Materials zu rechnen sei. Ob er eine Antwort erhielt, ist nicht bekannt. (Frank Herrmann aus Washington, 13.12.2018)