London/Moskau – Bei manchen passionierten Filmfans ist die Vorfreude auf Weihnachten aus ganz banalen Gründen groß, die nichts mit dem Fest zu tun haben. Für sie sind die Feiertage ein guter Anlass, den Fernseher einzuschalten – schon weil auch dort das Motto "Alle Jahre wieder" lautet – und natürlich: "Wiedersehen macht Freude".

GROSSBRITANNIEN: Obwohl es in weiten Teilen Großbritanniens selten schneit, handelt einer der populärsten Weihnachtsfilme im Vereinigten Königreich von einem Schneemann. "The Snowman" ist eine Zeichentrickverfilmung des gleichnamigen Buchs von Raymond Briggs aus dem Jahr 1982. Der Zeitschrift "Radio Times" zufolge wurde er seitdem fast jedes Jahr im britischen Fernsehen an Weihnachten gezeigt. In dem Film geht es um einen kleinen Buben, dessen Schneemann zum Leben erwacht und darüber hinaus auch noch fliegen kann. Gemeinsam begeben sich die beiden auf eine nächtliche Reise durch die Luft über das verschneite England zum Weihnachtsmann.

NORWEGEN: Auch in Skandinavien laufen zu Weihnachten viele alte Schinken im Fernsehen, während sich alle auf die Bescherung vorbereiten. In Norwegen beginnt der TV-Reigen traditionell mit "Dinner for One" am 23. Dezember. Am Heiligen Abend gehören "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", "Love actually" und "Die Reise zum Weihnachtsstern" von 1976 zum Pflichtprogramm.

"Dinner for One": Butler James, gespielt von Freddie Frinton, schaut missbilligend zu dem auf dem Boden liegenden Tigerfell, das eine ständige Stolperfalle auf dem Weg von und zur Anrichte ist. Eigentlich ein Silvesterfilm.
Foto: dpa

SCHWEDEN: Im Nachbarland Schweden hingegen bevorzugen es viele Zuschauer lustig und sehen sich Donald-Duck-Klassiker an. Seit 1960 laufen die Weihnachtsszenen mit Micky, Minnie, Pluto und der Entenfamilie am Heiligen Abend und erreichten dabei teilweise Einschaltquoten von bis zu 50 Prozent.

ISLAND: Auf Island kommt tatsächlich der Weihnachtsmann vorbei – auch zu den Fernsehzuschauern. Die Sendung namens "Stundin okkar" (Unser Moment) ist ein echter Weihnachtsklassiker – sie wird seit der Einführung des isländischen Fernsehens 1966 gezeigt.

SPANIEN: Traditionell ist im spanischen Fernsehen zur Weihnachtszeit die Komödie "La Gran Familia" (Die Großfamilie) aus dem Jahr 1962 im Programm, in der Regisseur Fernando Palacios von den Abenteuern eines Elternpaars mit seinen 15 Kindern samt Opa erzählt. In einer berühmten Szene des mehrfach ausgezeichneten Films geht der kleine Sohn "Chencho" vorübergehend auf dem Weihnachtsmarkt auf der Plaza Mayor in Madrid verloren – vor allem deshalb gehört der Streifen, der bei vielen Menschen von Pamplona bis La Palma nostalgische Gefühle auslöst, zu den spanischen Feiertagsklassikern. Am Heiligen Abend wird außerdem im Kanal La 1 traditionell das Revueprogram "Telepasión" gezeigt. Die Show mit jeder Menge Tanz und Gesang läuft bei vielen spanischen Familien während des Feierns im Hintergrund.

Der Grinch, eigentlich "How the Grinch Stole Christmas", nach dem Roman von Theodor Seuss Geisel aus dem Jahr 1957.
Foto: AP/Illumination and Universal Pictures

USA: Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten erscheint auch das TV-Angebot unbegrenzt. Und weil US-Haushalte im Durchschnitt 190 Fernsehkanäle haben, haben Filme es angesichts der Breite des Programms schwerer als anderswo, zum Weihnachtsklassiker zu werden. An den Feiertagen läuft im TV so ziemlich alles – vom Streamingangebot ganz zu schweigen. Als Klassiker gehen vor allem "Ist das Leben nicht schön?" aus dem Nachkriegsjahr 1946 durch, "Fröhliche Weihnachten" (1983), "Wie der Grinch Weihnachten gestohlen hat" (1966/2000), "Buddy – Der Weihnachtself" (2003) und natürlich die Komödie "Kevin – Allein zu Haus" aus dem Jahr 1990.

RUSSLAND: Sowjetische Plattenbauten sind einander zum Verwechseln ähnlich – auf dieser Idee beruht "Ironie des Schicksals", der Neujahrsklassiker des russischen Fernsehens von 1975. In der Liebeskomödie von Eldar Rjasanow wird ein sturzbetrunkener Ingenieur von Moskau nach Leningrad geflogen. Aber auch dort gibt es ein Haus mit seiner Adresse; und, o Wunder, sogar der Wohnungsschlüssel passt. Natürlich lebt dort eine hübsche junge Frau. Erst will sie ihn rauswerfen; dann kommt es, wie es kommen muss. Die Russen freuen sich jedes Jahr über die Scherze und die Lieder, die zur Gitarre gesungen werden. Ausländische Zuschauer finden meist, dass von drei Stunden Laufzeit auch die Hälfte bis zum Happy End gereicht hätte.

"Tatsächlich Liebe" ("Love Actually") bezaubert seit 2003. Alt genug, um Klassiker genannt zu werden.
Foto: REUTERS/MICHAELA REHLE

AUSTRALIEN: Down under kennt keine weißen Weihnachten. Die Wetterlage kann da durchaus Auswirkungen aufs Fernsehverhalten haben. In Australien – wie zum Beispiel auch auf den Philippinen hat sich – in den vergangenen Jahren die romantische Komödie "Tatsächlich Liebe" ("Love Actually") zum TV-Klassiker für die Festtage entwickelt – was passt, weil Weihnachten schließlich das Fest der Liebe ist. Weil die Temperaturen jedoch ganz anders sind als im grauen, kalten Europa, kann der Film aus dem Jahr 2003 aber auch draußen gezeigt werden: In Sydney zum Beispiel läuft er in einem Open-Air-Kino. Und ansonsten gilt auch am anderen Ende der Welt: "Kevin – Allein zu Haus" gehört ebenfalls zum Feiertagsprogramm. (APA, dpa, 14.12.2018)