Ein Mann begutachtet sein Haus nach der Katastrophe.

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Zerstörte Infrastruktur in Carita.

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Der Tsunami kostete Dutzenden Menschen das Leben und richtete schwere Schäden an.

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Wieder zur Weihnachtszeit, wieder Indonesien. Der Tsunami, der am Samstagabend nach einem Vulkanausbruch zwischen Sumatra und Java viele Menschen in den Tod riss, weckte schlimme Erinnerungen. Am Stefanitag 2004 waren nach einem der schwersten jemals registrierten Seebeben im Indischen Ozean in den Anrainerstaaten geschätzte 230.000 Menschen ums Leben gekommen – 160.000 davon allein in Indonesien.

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Wie viele Tote nach der jüngsten Flutwelle zu beklagen sind, stand am Montag noch nicht fest. Fast stündlich wurden die Opferzahlen nach oben korrigiert, zuletzt war von mindestens 280 Toten, rund 850 Verletzten und 50 Vermissten die Rede.

Das Unglück traf Indonesien erneut in der touristischen Hochsaison. Einheimische und Urlauber sind wie schon 2004 gleichermaßen betroffen. Eine der Hauptfragen war: Warum wurde nicht rechtzeitig eine Tsunamiwarnung ausgegeben? Nach der Katastrophe vor 14 Jahren wurde ein technisch ausgeklügeltes Warnsystem installiert, viele Hinweisschilder weisen in sichere, höhergelegene Gebiete.

Katastrophenschutz-Sprecher Sutopo Nugroho teilte diese Aufnahmen von zerstörten Häusern auf Twitter.

Kein Beben registriert

Doch im Unterschied zu 2004 und zu zahlreichen Tsunamialarmen seither waren nun vor der Flutwelle keine Beben registriert worden. Auch bei der Erdbebenstation des Conrad-Observatoriums in Niederösterreich, das jedes Beben weltweit aufzeichnet, war nach Erdstößen in der Türkei vom 20. Dezember drei Tage seismologische Pause.

Die Ursache für den jüngsten Tsunami in Indonesien war ein Vulkanausbruch, genauer des Anak Krakatau, was übersetzt Kind des Krakatau heißt. An genau derselben Stelle in der Sundastraße zwischen den Inseln Sumatra und Java war im August 1883 der Krakatau explodiert. Diese Naturkatastrophe, bei der rund 36.000 Menschen ums Leben kamen, war die erste, von der dank Telegrafenverbindung zeitnah auf der ganz Welt berichtet worden war. Der Krakatau-Ausbruch und die Folgen sind gut dokumentiert: Die 40 Meter hohe Flutwelle umrundete dreimal den Globus, die Asche verursachte in den Jahren danach ein Absinken der Temperaturen, was Missernten und in weiterer Folge massive Migrationsbewegungen verursachte.

Tsunami dementiert

Die nunmehrige Flutwelle kam so überraschend, dass Sutopo Purwo Nugroho, der Sprecher von Indonesiens Katastrophenschutz, zunächst sogar alle Berichte über einen Tsunami dementiert hatte. Was ihm nun schwere Vorwürfe einbringt, nicht umsichtig genug agiert zu haben.

Unmittelbar nach der Katastrophe gab es bereits Bilder und Videos in sozialen Netzwerken, die die dramatischen Ereignisse dokumentierten. Auf einem Video ist festgehalten, wie der Tsunami rund 200 Besucher eines Freiluftkonzerts am Tanjung-Lesung-Strand, 170 Kilometer südwestlich von Jakarta, überraschte. Dort war gerade eine Party anlässlich des bevorstehenden Jahreswechsels im Gange.

Videos der Katastrophe

Ein Video zeigt, wie plötzliche Wassermassen aus dem Nichts von hinten auf die Bühne treffen, die indonesische Pop-Rock-Band Seventeen wird von der Bühne gespült. Laut Behördenangaben kamen der Gitarrist, der Bassist, der Tourmanager und ein Crew-Mitglied ums Leben. Der Drummer galt am Sonntag als vermisst. Mindestens 29 Konzertbesucher sollen ebenfalls getötet worden sein.

Ob auch Österreicher unter den Opfern sind, konnte zunächst nicht ausgeschlossen werden. Das Außenministerium in Wien hat einen Krisenstab eingerichtet. Die österreichische Botschaft in Jakarta stehe in dauerndem Kontakt mit den Behörden in Indonesien, hieß es. Bis Sonntagnachmittag gab es keine Hinweise auf betroffene Österreicher. Das Außenamt erinnerte an die Möglichkeit einer Registrierung bei Auslandsreisen unter reiseregistrierung.at – das erleichtere die Kontaktaufnahme in Notfällen.

Der neue Krakatau-Spross war 1927 aus dem Meer aufgetaucht. Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Der Inselstaat hat so viele aktive Vulkane wie kein anderes Land. Erst im September waren auf Sulawesi bei einem Beben samt Tsunami mehr als 2000 Menschen ums Leben gekommen. (simo, APA, 23.12.2018)