Dieser Zwergwal wurde dem Meer im September 2016 zu offiziell wissenschaftlichen Zwecken entnommen, ab Mitte 2019 wird Japan auch wieder kommerziellen Walfang erlauben.

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67 Jahre nach der Unterzeichnung verlässt Japan die Internationale Konvention für die Regulierung des Walfangs und jagt ab Juli 2019 Wale wieder kommerziell. Damit reagiert Japan darauf, dass das Organ dieser Konvention, die Internationale Walfangkommission, im September das seit 1986 geltende Fangmoratorium nicht aufheben wollte. Für den japanischen Antrag hatten 27 Länder gestimmt, 41 waren dagegen.

Keine Kompromisse

Es war keineswegs Japans erste Niederlage in dem Gremium. Aber sie brachte das Fass aus japanischer Sicht zum Überlaufen. Die Kommission solle die Walbestände nicht nur erhalten, sondern auch den Walfang regulieren, erklärte Japan. "In der Kommission sind viele Länder allein auf den Walschutz aus", erklärte Regierungssprecher Yoshihide Suga. Diese Länder suchten keinen Kompromiss mit den Walfangnationen, sodass eine Koexistenz nicht mehr möglich sei.

Japan first

Sein Argument kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um eine einseitige Maßnahme im Stile von "Japan first" handelt. Japan habe Wale als Proteinquelle und für vielfältige andere Zwecke seit Jahrhunderten benutzt, betont die Regierung. Doch diese Aussage gilt nur für einige Regionen Japans, die Wale traditionell vor der Küste gefangen haben. Große Fangflotten stachen erst nach dem Zweiten Weltkrieg in See, um die stark wachsende Bevölkerung zu ernähren.

Eigentlich hätte Japan mit dem jetzigen System weiter gut leben können: Vor der Antarktis schießt man jährlich 333 Zwergwale und im Nordpazifik 130 Seiwale und 170 Zwergwale. Die Jagd wurde offiziell als wissenschaftliche Forschung deklariert und als solche von der Mehrheit der Walfangkommission widerwillig akzeptiert. Zusammen mit Importen aus den beiden anderen Walfangnationen Island und Norwegen reichte der japanische Fang aus, um den jährlichen Konsum von rund 5000 Tonnen zu decken. Die meisten Japaner essen nämlich kein Walfleisch.

Selten auf dem Teller

Die Regierung behauptet zwar seit Jahren, der Verbrauch in Japan werde zunehmen, falls mehr Walprodukte auf den Markt kämen. Aber den Beweis dafür ist sie schuldig geblieben. Bisher ist Walfleisch teuer, es schmeckt nicht besonders gut, es lässt sich nicht einfach zubereiten, und es gibt viele Alternativen in den Supermarktregalen. Nur die Älteren kennen den Geschmack von Wal noch von früher, während bei den Jüngeren Wal nie auf dem Teller lag.

Bliebe der Konsum so niedrig wie bisher und fänden sich keine anderen Abnehmer, dürfte sich die teure Hochseejagd auf Wale kaum rechnen. Japan unterhält nur noch eine einzige kleine Fangflotte für den Walfang auf hoher See. Ohne Subventionen für die "Erforschung der Wale", die seit 30 Jahren vom Fischereiministerium bezahlt werden, wären diese Walfänger längst abgewrackt worden. Kommerzieller Walfang ohne Staatshilfe dürfte sich womöglich kaum rechnen. Das Risiko ist jedenfalls hoch, dass der Walfang aus wirtschaftlichen Gründen zu Ende geht.

Politisch motivierter Schritt

Daher scheint die Austrittsentscheidung in erster Linie politisch motiviert zu sein. Eine der wichtigsten Walfangstädte, Shimonoseki, liegt im Wahlkreis des national-konservativen Premierministers Shinzo Abe. Ein anderes Schwergewicht der regierenden Liberaldemokraten, Toshihiro Nikai, stammt aus Wakayama, einer zweiten Hochburg des Walfangs. Offenbar will die Regierung jene Wähler bedienen, die sich über die demütigende Auslandskritik an der japanischen Esskultur ärgern. (Martin Fritz, 27.12.2018)