Die Politik von US-Präsident Donald Trump vorauszusagen fällt wohl noch schwerer als bei all seinen 44 Vorgängern im Amt. Glaubt man seinen eigenen Aussagen von einer Pressekonferenz im März 2018, so hatte er selbst und vor allem äußerst spontan die tollkühne Idee, eine US Space Force zu etablieren, um die US-Amerikaner vor den zahlreichen Gefahren und Feinden im Weltall zu beschützen. "Ich sagte eines Tages – weil wir machen ungeheuer viel Arbeit im Weltraum –, ich sagte, vielleicht brauchen wir eine neue Streitkraft. Wir werden sie Space Force nennen."

Wenngleich Trump später zugab, dass der Vorschlag zunächst nicht wirklich ernst gemeint war, war er wenig später von seiner Idee äußerst begeistert und propagierte sie im Laufe des Jahres immer wieder. US-Vizepräsident Mike Pence gab im November zu Protokoll, dass Trump äußert euphorisch sei und sich wöchentlich über den aktuellen Fortschritt erkundige.

Im Dezember erfolgte die Gründung des Space Commands. Bis Ende 2020, passend zu den US-Präsidentschaftswahlen, soll die neue Space Force einsatzfähig sein. 2019 wird für Trump auch deshalb ein entscheidendes Jahr, weil er wie bei seinen Plänen zur Grenzmauer zu Mexiko auch im Falle der Space Force die Unterstützung des US-Kongresses benötigt. Doch wie realistisch sind die Pläne Trumps? Was genau würde sich gegenüber den aktuellen Aktivitäten der US-Streitkräfte ändern? Und warum freuen sich gerade zahlreiche Verschwörungstheoretiker über Trumps Pläne? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengefasst.

Was genau soll Trumps Space Force sein?

Der US-Präsident möchte erstmals seit 1947 eine neue Teilstreitkraft des US-Militärs gründen. Die von US-Präsident Harry Truman gegründete US Air Force war bislang die letzte Erweiterung. Die anderen Behörden sind die US Army, die US Navy, das der Navy unterstehende US Marine Corps und die dem Heimatschutz unterstellte US Coast Guard. Army, Air Force und Navy wiederum unterstehen direkt dem Verteidigungsministerium mit Sitz im Pentagon. Bislang hat Trump lediglich eine eigene Kommandostruktur für die Space Force in Auftrag gegeben. Das kann er eigenhändig und ohne Kongresszusage machen.

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Trump geht es bei der Space Force aber nicht nur um eine Präsenz der US-Streitkräfte im Weltall. Von Anfang an machte er klar, dass es ihm darum geht, "US-Dominanz" im All zu garantieren. Anfang August präzisierte Pence die Zielvorgaben. Es solle eine Elitegruppe von Soldaten sein, die sich auf den Weltraum konzentrieren.

Haben die USA nicht schon eine Space Force? Was genau ist neu an Trumps Vorschlag?

Tatsächlich sind die USA bereits seit Jahrzehnten auch zu militärischen Zwecken im Weltall unterwegs. Jeder Spionage- und Aufklärungssatellit der USA, aber auch das globale Navigationssatellitensystem GPS, das in den 1970er-Jahren vom US-Verteidigungsministerium entwickelt worden ist, kann militärisch genutzt werden – was auch geschieht.

Viele Wissenschafter und Kritiker sagen, bei der neuen Trump Force handle es sich lediglich um eine Neubenennung bestehender Strukturen.
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Auch die ballistischen Interkontinentalraketen (ICBM) der USA, die das Rückgrat der Ideologie der atomaren Abschreckung bilden, legen einen großen Teil ihrer Flugbahn außerhalb der Erdatmosphäre zurück. Seit 1982 existiert sogar ein eigenes, etwa 30.000 Personen starkes "Space Command" der US Air Force. Eine wirklich eigenständige Space Force gibt es aber nicht, sehr wohl aber zahlreiche Berührungs- und Überschneidungspunkte mit anderen Teilstreitkräften – so sollen etwa Teile des Air Force Space Command, des Navy Space and Naval Warfare Systems Command und des Naval Satellite Operations Centers der ersten Space Brigade der Navy in der neuen Space Force aufgehen.

Wer sind die Feinde und Gegner der USA im Weltall?

Auch wenn seit Menschengedenken Kriege und Konflikte omnipräsente Begleiter auf dem Erdball sind, so einigte sich ein Großteil der Staaten – besonders wichtig: vor allem jene mit Möglichkeiten der Weltraumexploration – im Weltraumvertrag auf eine friedliche Nutzung des Weltalls. Ferner dürfen auf keinem anderen Planeten oder auf Satelliten militärische Basen errichtet werden.

Der Start von Sputnik überraschte die USA.
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Nun kann man sagen: Nur weil sich die Staaten darauf geeinigt haben, muss es nicht bedeuten, dass sie sich auch daran halten. Das stimmt zweifelsfrei. Zahlreiche Physiker und Astronomen weisen auch immer wieder darauf hin, dass es weit wichtigere Forschungsgebiete als die militärische Nutzung des Weltraums gibt. Im Umkehrschluss ist jedoch auch richtig, dass die militärische Forschung immer wieder Impulse für die Erforschung des Weltalls gab.

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Was Trumps Entscheidung zur Gründung einer Space Force aber definitiv beeinflusst hat, sind die Fortschritte zweier US-Lieblingsrivalen: Russland und China. Russlands Aktivitäten im Weltraum machten die USA immer wieder nervös. Kaum ein Ereignis machte in den USA mehr Dollar für den Kampf im sogenannten "Space Race" locker als der Sputnikschock von 1957, als die Sowjetunion erstmals einen künstlichen Satelliten in die Erdumlaufbahn brachte.

Momentan sorgen sich die USA vor allem darum, dass China oder Russland einen oder mehrere für die USA wichtige Satelliten stören, blenden oder gar zerstören könnte. Russland erprobte bereits Raketen, die dazu im Stande wären. China testete gar erfolgreich den Abschuss eines eigenen Wettersatelliten im Jahr 2007 (Auch US-Kampfjets schossen bereits eigene Satelliten ab). Der Satellit zerschellte in der Folge in mehrere hundert Einzelteile, die in der Erdumlaufbahn weiterflogen. Auch eine etwaige – wenig wahrscheinliche – Stationierung von Waffen im Weltall beunruhigt die USA. Am 3. Jänner 2019 landeten die Chinesen zudem erstmals in der Geschichte mit einer Raumsonde auf der Rückseite, der dunklen Seite, des Mondes, was als äußerst schwieriges Manöver gilt.

Wie realistisch ist das Projekt? Woran könnte es scheitern?

Wie so oft ist es letzten Endes eine Frage des Geldes. Trump wird in den kommenden Monaten versuchen, die Bedrohung im Weltall als existenziell für die USA darzustellen. Nur dann könnte er eventuell die nötigen Stimmen im US-Kongress zustande bekommen, um eine eigenständige Teilstreitkraft zu errichten und das dafür benötigte Budget durch den US-Kongress zu bringen. Bislang scheint sich – wieder einmal – entlang parteipolitischer Grenzen eine Bruchlinie aufzutun. Demokraten sind eher gegen, Republikaner eher für Trumps Pläne. Selbiges zeichnet sich innerhalb der Bevölkerung ab: Rund zwei Drittel der Demokraten sind dagegen, zwei Drittel der Republikaner dafür.

Bernie Sanders wird Donald Trumps Pläne zur Errichtung einer Space Force nicht unterstützen.

Da aber immer noch deutlich mehr republikanische Abgeordnete Trumps Vorhaben zögerlich-verhalten gegenüberstehen als Demokraten sich dafür aussprechen, steht dem Präsidenten noch sehr viel Überzeugungsarbeit bevor. Pence hatte anfangs ein Budget von acht Milliarden US-Dollar für die ersten fünf Jahre anberaumt. Experten schätzen, dass es für diesen Zeitraum mindestens 15 Milliarden Dollar kosten dürfte. Senator Bernie Sanders aus Vermont wetterte, man solle sich doch lieber zuerst einmal um die Gesundheitsversorgung der US-Bürger kümmern. Auch der Vorsitzende des Streitkräfte-Ausschusses im US-Kongress ist mit Adam Smith seit Jänner ein Demokrat und aufgrund der Kosten erklärter Space-Force-Gegner. Es ist also durchaus fraglich, ob die Space Force so schnell Realität wird.

Ist Trump der erste US-Präsident mit vergleichbaren Plänen?

Nein. Berühmte Vorstöße wie etwa die von US-Präsident Ronald Reagan geplante Strategische Verteidigungsinitiative (SDI), besser bekannt als Star-Wars-Programm, waren berühmte Vorläufer. Dessen Abwehrschirm im Weltall gegen Interkontinentalraketen wurde freilich ebenso wenig Realität wie Pläne zur Gründung einer Weltraumarmee Anfang der 2000er, vorgeschlagen von Donald Rumsfeld. Auch 2018 versuchten ein republikanischer und ein demokratischer Kongressabgeordneter, die Schaffung eines "Space Corps" innerhalb der Air Force voranzutreiben, weil die Luftwaffe zu sehr von anderen Aktivitäten abgelenkt sei. Das Vorhaben scheiterte schließlich an der drohenden Komplexität und den hohen Kosten.

Alles nur Wahlkampftaktik?

Gut möglich. Trump weiß bei seiner Kernwählerschaft zu punkten und malt dabei gerne Schreckensszenarien an die Wand. Nach dem "bösen Mexikaner aus dem Süden", der den Wahlkampf 2016 dominierte, könnte 2020 der "böse Chinese aus dem All" zum beliebten Wahlkampfkalkül Trumps avancieren.

Die vorgeschlagenen Logos für die Space Force.

Kurz nachdem Trump seine Pläne zu einer US Space Force präsentiert hatte, durften seine Fans etwa auch über das neue Logo abstimmen. Nach dem Votum wurde man umgehend auf eine Spendenseite für Trumps Wiederwahlkampagne weitergeleitet – inklusive Shop mit Space-Force-Merchandise.

Das perfekte Outfit für die nächste Trump-Rally: MAGA-Kapperl, Space-Force-Shirt und Unterstützungstaferl.
Foto: APA/AFP/GETTY IMAGES/Sean Rayfor

Wenig überraschend hatten allerdings auch zahlreiche Trump-Kritiker ihren Spaß mit der Logo-Präsentation, was für eine Reihe von "Alternativvorschlägen" sorgte.

Warum freuen sich besonders Verschwörungstheoretiker über Trumps Pläne?

Zahlreiche Verschwörungstheoretiker fassten Trumps Pläne mit großer Freude auf. Sie sehen die Schaffung einer eigenen Space Force als bislang stärksten Beweis dafür, dass die US-Regierung die Wahrheit über extraterrestrische Lebewesen, die seit einem Ufo-Crash auf der Erde leben sollen, verschweigt. Trump gilt bei vielen als der erste Präsident, der dem "deep state" entschieden entgegentritt und zur "vollen Veröffentlichung" der Fakten bereit sei.

Durch die Schaffung der Space Force könne man nun auch jene Technologien, die bislang geheim im Verborgenen gehalten wurden – etwa freie Energie und Antigravitation – endlich der Öffentlichkeit präsentieren, ist sich etwa der konspiratorische Filmemacher Jordan Sather sicher. Dieselbe Community ist dabei auch überzeugt, dass US-Präsident Dwight D. Eisenhower 1954 einen "Nichteinmischungsvertrag" mit Aliens unterzeichnet hat. Kern des Vertrags sei die Erlaubnis, eine gewisse Zahl an Menschen für Experimente zu benützen, während die US-Regierung im Gegenzug "fremde Technologien" zur Verfügung gestellt bekommt.

Was bedeutet das Ganze?

Es darf sehr stark angezweifelt werden, ob Trumps Space Force tatsächlich so kommen wird. Dennoch ist die aufflammende Rhetorik hin zu einer weiteren Militarisierung des Weltraums sehr gefährlich. Die im Weltraumvertrag geregelte friedliche Nutzung des Alls ist für die Forschung von existenzieller Wichtigkeit. Ein jeder zerstörte Satellit würde beispielsweise hunderte oder tausende neue Geschoße in der Erdumlaufbahn kreieren, was etwa die Arbeit auf der Internationalen Raumstation – einem der erfolgreichsten kooperativen Projekte von Staaten – extrem gefährden würde.

Reagans Pläne wurden letztlich auch deshalb nie wirklich in die Tat umgesetzt, weil die Sowjetunion wirtschaftlich nicht mithalten konnte und wollte und das Bedrohungsszenario auch deshalb erlosch. Es gibt keinerlei Anzeichen, dass China derzeit ein ähnliches Szenario droht. Eine Spirale des Wettrüstens im All würde vermutlich wohl die ein oder andere wissenschaftliche Entdeckung abwerfen, vor allem aber das Zusammenleben auf der Erde unnötig gefährden. Was nicht vergessen werden darf: Wenn es bei in Uno-Debatten wieder einmal darum geht, die Militarisierung des Weltraums zu bremsen, verhindern dies meist nur die USA. (Fabian Sommavilla, 3.1.2019)