Weckt Superman unbewusst auch in uns den Helden?
Foto: New York City Police Department/AP/dapd

Richmond – Mit einem kleinen Experiment versuchten US-Forscher zu überprüfen, wie fiktive Superhelden die reale Welt beeinflussen können – indem sie prosoziales Verhalten in uns fördern. Die Ergebnisse des Versuchs sind im Fachmagazin "Frontiers in Psychology" erschienen.

Das Experiment

Das Team um Jeffrey D. Green von der Virginia Commonwealth University setzte dabei auf sogenanntes Priming. Das ist eine Methode in mannigfaltigen Erscheinungsformen – sie alle laufen aber darauf hinaus, dass ein Mensch mit einem bestimmten Reiz konfrontiert wird, der beeinflusst, wie ein späterer zweiter Reiz verarbeitet wird bzw. wie auf diesen reagiert wird. Im konkreten Fall handelte es sich um Poster an der Wand, die einigermaßen unauffällig im Sichtfeld von Greens Probanden platziert waren. Ein Poster zeigte Helden wie Superman oder Spiderman, das andere neutrale Motive, etwa ein Fahrrad.

245 Probanden wurden anschließend einer Befragung unterzogen. Diejenigen, die mit einem Superhelden-Poster "geprimt" worden waren, äußerten dabei stärker die Absicht, sich prosozial zu engagieren. Nachdem man aber viel sagen kann, wenn der Tag lang ist, wollten die Forscher auch Taten sehen. Weitere 123 Probanden wurden erneut auf eine Superman- und eine Fahrradgruppe aufgeteilt. Anschließend wurden sie gebeten, eine lästige Tätigkeit, die angeblich für die Durchführung des Experiments nötig war, zu übernehmen – ohne Zusatzbelohnung. Die Angehörigen der Superman-Gruppe erwiesen sich dabei als deutlich hilfsbereiter.

Der Kontext

Der Versuch erinnert ein wenig an ein Experiment, das Forscher der Universität Newcastle 2006 durchführten: Sie stellten fest, dass Menschen viel spendabler in die firmeneigene Kaffeekasse einzahlen, wenn über dieser ein Poster hängt, von dem sie ein Gesicht anblickt. Während dort die Probanden durch "wachsame Augen" von unsozialem Verhalten abgehalten wurden, glaubt Green, dass in seinem Experiment das Heldenbild die prosoziale Seite der Versuchsteilnehmer zum Vorschein brachte. Helden verkörpern Tugenden, die wir auch in unserem Leben zur Geltung bringen wollen, schließt Green.

Ein interessantes Nebenprodukt des Experiments ist damit die Erkenntnis, dass Superwesen nach wie vor als moralische Vorbilder wahrgenommen werden. Daran konnte offenbar auch der wesentlich zynischere Zugang zum Thema, der sich in den vergangenen Jahrzehnten in Comic-Titeln wie Alan Moores "Watchmen" oder Garth Ennis' "The Boys" äußerte, nichts ändern. (red, 3. 1. 2019)