Zum ersten Mal erhellt ein Scheinwerfer die von Pink Floyd verewigte "dunkle Seite des Mondes".
Foto: Xinhua News Agency

Peking – Erstmals in der mittlerweile 60-jährigen Geschichte der Mondmissionen ist eine Raumsonde auf der Rückseite des Mondes gelandet. Die chinesische Chang'e 4 setzte am frühen Donnerstagmorgen um 3.26 Uhr am Aitken-Krater in der Nähe vom Südpol des Erdtrabanten auf, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Der Staatssender CCTV sprach von einer erfolgreichen Landung. Vorab hatte man sich in Peking über den genauen Zeitpunkt der Landung noch in Schweigen gehüllt – wie auch beim Start der Sonde Anfang Dezember nur sehr vage Angaben über die Dauer der Mission gemacht worden waren.

ORF

Ausflüge von Raumfahrzeugen und Astronauten zum Mond gab es schon viele. Die erste einigermaßen geglückte Mondmission fand fast auf den Tag genau 60 Jahre vor der Landung von Chang'e 4 statt: Anfang 1959 passierte die sowjetische Sonde Lunik 1 den Erdtrabanten in einer Entfernung von nur 6.000 Kilometern – den Planungen nach hätte sie aber eigentlich auf dem Mond aufschlagen sollen.

Zuvor waren einige sowjetische und US-amerikanische Sonden jeweils schon kurz nach dem Start gescheitert. Am 12. September 1959 gelang der Sowjet-Sonde Lunik 2 die allererste Landung. Es war eine – geplant – harte Landung, de facto ein Aufprall. Die erste weiche Landung auf dem Mond konnte ebenfalls die Sowjetunion für sich verbuchen: Im Jänner 1966 konnte die Sonde Lunik 9 Panoramabilder von der Mondoberfläche zur Erde schicken.

Die andere Seite des Mondes

China ist nun aber die erste Nation, die auch auf der von der Erde abgewandten Seite des Mondes gelandet ist. Von Rückseite kann man deshalb sprechen, weil sich der Mond in gebundener Rotation mit der Erde befindet und ihr dadurch immer dieselbe Seite zukehrt. Von dieser Hemisphäre des Mondes kennt man – abgesehen von kleinen Ausschnitten am Rand, die durch Bahnschwankungen kurzfristig sichtbar werden – nur das, was Missionen fotografiert haben, die den Mond umkreisten.

Zum ersten Mal wurden die von der Erde aus nie sichtbaren 41 Prozent der Mondoberfläche 1959 von der sowjetischen Sonde Lunik 3 erkundet. Ihre Bilder zeigten, dass die Rückseite des Mondes deutlich weniger mit großen Strukturen wie Gebirgen und "Meeren" (eigentlich lavabedeckten Tiefebenen) geschmückt ist als die Vorderseite. Nun hat Chang'e 4 die ersten Nahaufnahmen geliefert.

Solche Close-ups hat man von der Rückseite des Mondes bislang noch nicht gesehen.
Foto: APA/AFP/China National Space Administration

Chang'e 4 hat auch einen Rover zum Mond gebracht, mit dem in einem nächsten Schritt das Terrain um die Landestelle erkundet werden soll. Chinesische Experten hatten die Mission im Vorfeld als äußerst anspruchsvoll bezeichnet. Als Hürde galt die reibungslose Kommunikation mit der Erde, weil zur Rückseite des Mondes von der Erde aus keine direkte Funkverbindung aufgebaut werden kann. Deshalb brachten die Chinesen bereits im Mai den Übertragungssatelliten Queqiao (Elsternbrücke) in Position, um Signale aus dem Funkschatten senden zu können.

Raumfahrtnation China

Mit einem reibungslosen Ablauf der Mondmission soll unter Beweis gestellt werden, dass Chinas ambitioniertes Raumfahrtprogramm große Fortschritte macht. Geplant sind unter anderem Experimente mit niedrigen Radiofrequenzen. Ohne die Erdatmosphäre und andere Störungen können Astronomen besser Signale auffangen und hoffen unter anderem auf neue Erkenntnisse über die Entstehung der Sterne.

Darüber hinaus hat Chang'e 4 Saatgut geladen. Bei Experimenten mit dieser lebenden Fracht wollen die Wissenschafter herausfinden, ob Gemüseanbau in einer geschlossenen Umgebung bei der niedrigen Schwerkraft der Mondoberfläche möglich ist.

An Bord ist auch ein von Forschern der Kieler Christian-Albrechts-Universität entwickeltes Strahlenmessgerät. Das Kieler Experiment soll mindestens ein Jahr lang die Strahlung und den Wassergehalt des Bodens messen und die Daten zur Erde schicken. Die Erkenntnisse daraus sollen helfen, zukünftige bemannte Mondmissionen vorzubereiten.

Ungefähr diesen Anblick würde die chinesische Sonde derzeit bieten, wenn es auf dem Mond neben ihr noch weitere Fotografen gäbe. Die Aufnahme stammt von einer simulierten Landung auf einem Testgelände auf der Erde.
Foto: AP/Jin Liwang/Xinhua News

2019 plant China eine weitere unbemannte Landung, um Gesteinsproben zur Erde zurückzubringen. Bis 2030 soll erstmals ein Chinese einen Fuß auf den Erdtrabanten setzen. Die Mondmissionen sind nur ein Teil des ehrgeizigen Raumfahrtprogramms Chinas, das auch den Bau einer Raumstation bis 2022 vorsieht. (red, APA, 3.1.2019)