Staatschef Erdoğan erklärte im türkischen Parlament, John Bolton habe "einen schweren Fehler" gemacht.

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John Bolton zu Besuch bei Israels Premierminister Benjamin Netanjahu am vergangenen Sonntag.

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Außenminister Mike Pompeo spricht auf dem Flug in den Nahen Osten mit Journalisten.

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Washington/Ankara – Nach der Ankündigung des Abzugs der US-Truppen aus Syrien startet Washington eine diplomatische Offensive im Nahen Osten. Während Sicherheitsberater John Bolton zuletzt Israel besuchte und am Dienstag in der Türkei Gespräche führt, ist US-Außenminister Mike Pompeo zu einer achttägigen Tour durch ebenso viele Staaten aufgebrochen. Auf dem Programm stehen Besuche in Jordanien, Ägypten, Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Saudi-Arabien, dem Oman und Kuwait. Washington will damit Präsenz zeigen und klarstellen, dass ein Truppenabzug aus Syrien kein Verlassen des von vielfältigen Krisen geschüttelten Nahen Ostens bedeutet.

Im Dezember hatte US-Präsident Donald Trump den Abzug der 2.000 US-Soldaten aus Syrien angekündigt. Die USA unterstützten dort die syrischen Kurden im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat". Die syrische-kurdische Miliz YPG befürchtet, dass die Türkei das Vakuum zu einem Angriff nutzen wird, und hat die syrische Regierung um Unterstützung ersucht. Die Türkei stuft die YPG als Terrororganisation ein und kritisiert die USA für die Zusammenarbeit mit den syrischen Kurden.

"Schwerer Fehler"

Im Zentrum der Gespräche Boltons stehen die Konsequenzen, die sich aus einem US-Abzug ergeben. Am Montag hatte Bolton erklärt, dass die USA von der Türkei Garantien erwarten, dass diese nicht die syrischen Kurden angreifen werde. Am Dienstag sagte der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan, die Türkei werde das nicht akzeptieren. Bolton habe "einen schweren Fehler gemacht", sagte Erdoğan vor Mitgliedern der Regierungspartei AKP im Parlament in Ankara.

Bolton wird von Generalstabschef Joe Dunford und dem Syrien-Gesandten James Jeffrey begleitet. Nach einem ersten Treffen mit Erdoğans Sicherheitsberater Ibrahim Kalin erklärte ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, dass über den Truppenabzug "produktive Diskussionen" geführt wurden.

"Richtige Partner"

Erdoğan forderte am Montag in einem Gastbeitrag in der "New York Times", Washington müsse den Truppenabzug aus Syrien sorgfältig planen. Trumps Entscheidung sei richtig, doch der Abzug müsse in Zusammenarbeit mit den richtigen Partnern – laut Erdoğan die Türkei – durchgeführt werden.

Türkei fordert US-Basen

Die türkische Zeitung "Hürriyet" meldete kurz vor Boltons Besuch, Ankara werde fordern, dass die USA ihre 22 Militärbasen in Syrien an die Türkei übergeben. "Übergebt sie oder zerstört sie", titelte das Blatt. Ein Regierungssprecher wurde mit den Worten zitiert, Ankara werde nicht akzeptieren, dass die USA ihre Basen der YPG überlassen.

Pompeo zappt durch diverse Krisen

Auf Pompeo warten ebenfalls schwierige Gespräche. In Saudi-Arabien soll der Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi thematisiert werden. Khashoggi war im Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul von engen Vertrauten des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman ermordet worden. Auch über den Konflikt Saudi-Arabiens und anderer Golfstaaten mit dem Emirat Katar wird der US-Außenminister sprechen, ebenso über den Iran. Am Donnerstag will Pompeo in Ägyptens Hauptstadt Kairo eine Rede an die "arabische Nation" halten, um die USA als "Macht des Guten" in der Region zu präsentieren. (Michael Vosatka, 8.1.2019)