Kyrill I. mag Weihrauch: Ein Fan von Smartphones ist er allerdings nicht.

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Sicherheitslücken, Datenlecks, Überwachung und der laxe Umgang mit Nutzerinformationen auf sozialen Netzwerken: Es gibt gute Gründe für eine gewisse Skepsis gegenüber der neuen, digitalen, smarten Welt. Auch Kyrill I., seines Zeichens oberster Geistlicher der russisch-orthodoxen Kirche, hat Vorbehalte. Diese sind allerdings etwas spezieller Natur, wie er gegenüber mehreren Medien kürzlich dargelegt hat.

So warnt er etwa vor der Verwendung vor zu häufiger Nutzung von sozialen Netzwerken oder Geräten wie Smartphones. "Jedes mal, wenn man sein Gadget verwendet, kann jemand – egal ob die Standortbestimmung eingeschalten ist – herausfinden, wo man ist, was man für Interessen hat und wovor man sich fürchtet", zitiert die BBC aus einem Interview mit dem staatlichen Fernsehsender Rossija 1.

Der Satan steckt im Internet

Denn der "Antichrist ist die Person, die das World Wide Web anführen und die Menschheit kontrollieren wird." Die Konzentration von Information an einem zentralen Punkt sei ein Vorzeichen des Aufstiegs von Satan. Gleichzeitig betonte er allerdings, dass die russisch-orthodoxe Kirche nicht gegen "technologischen Fortschritt" sei, sich jedoch gegen Systeme ausspreche, die "die eigene Identität kontrollieren."

Aussagen, die nicht nur in sozialen Netzen für ein gewisses Maß an Erheiterung und Kritik sorgen, sondern auch aus einem anderen Blickpunkt verwundern. Denn Kyrill I. gilt als Verbündeter von Wladimir Putin. Unter dessen Amtszeiten als Premierminister und Präsident wurden zahlreiche Schritte hin zu stärkerer Zensur und Überwachung beschlossen.

Russische Regierung vs. Telegram

Vergangenes Jahr machte etwa das Verbot des verschlüsselten Messengers Telegram Schlagzeilen, da die Betreiber sich weigerten, dessen Sicherheitsmechanismen für Behördenzugriff zu unterlaufen. Der Versuch, gegen das Verbot zu klagen, endete mit einer Abfuhr durch das Höchstgericht. Tausende Nutzer gingen auf die Straße, um gegen das Verbot zu demonstrieren.

Auf technischer Ebene führte der Versuch der Sperrung aber zu spürbaren Kollateralschäden. Zahlreiche Internetnutzer hatten plötzlich keinen Zugriff mehr auf diverse Seiten und Services, die in keinem Zusammenhang mit dem Messenger stehen, weswegen die Maßnahmen wieder eingestellt wurde.

Zuletzt wurde im August bekannt, dass man nun neue Mittel erprobt, nämlich ein System, das auf sogenannte Deep Packet Inspection setzt, also jedes einzelne Datenpaket abfängt und analysiert. Erste Tests brachten jedoch nicht die gewünschten Ergebnisse. Wenngleich es offiziell verboten ist, kann Telegram in Russland aktuell nach wie vor verwendet werden. (gpi, 09.01.2018)