Wer online nach solchen Prachtexemplaren sucht, wird vermutlich wenig Interesse an Stöckelschuhen haben. Das hat Findologic zum Geschäftsmodell gemacht.

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Salzburg – Sie haben in der Vergangenheit online oft nach Turnschuhen gesucht? Dann werden Onlineshops Ihnen zuerst Sportschuhe anzeigen, bevor auch Sandalen und Flipflops unter der Kategorie "Schuhe" angezeigt werden. Verantwortlich dafür ist oft das Salzburger Start-up Findologic.

Findologic hat eine intelligente Such-, Personalisierungs- und Navigationslösung für E-Commerce entwickelt. Die 2008 gegründete Firma arbeitet mit personalisierten Suchergebnissen, basierend auf dem vorangegangenen Nutzerverhalten. "Hat man auf einer Website schon einmal nach Sneakern gesucht, hilft unsere Plattform dabei, dass dem User beim nächsten Mal tendenziell Sneaker und keine Stöckelschuhe vorgeschlagen werden", sagt Gründer und Geschäftsführer Matthias Heimbeck im Gespräch mit dem STANDARD.

Personalisierte Vorschläge

Es sei vergleichbar mit dem, was Amazon mache, jedoch gebe es von Findologic keine personalisierte Werbung, sondern personalisierte Vorschläge für Produktgruppen. Und natürlich sei auch alles DSGVO-konform. Man wisse nie, welche Person im Onlineshop aktiv sei, lediglich ihr Verhalten könne man analysieren und sich merken.

Für die Bezahlung gibt es zwei unterschiedliche Modelle. Entweder wird auf Basis der Anfragen, die an den Server gestellt werden abgerechnet, oder Findologic erhält eine Provision am Mehrumsatz, den der Onlineshop durch die Software macht. Der monatliche Beitrag bewegt sich je nach Firmengröße zwischen 400 und 15.000 Euro.

1.000 Shops in 23 Ländern

Firmenangaben zufolge kommt die Salzburger Plattform in über 1.000 Webshops in 23 verschiedenen Ländern weltweit zum Einsatz. "40 Millionen Menschen nutzen im Monat unser Produkt, und keiner weiß, dass er es tut", meint Heimbeck. Rund 350 Millionen Abfragen kämen dadurch zusammen. Zum Kundenstock zählen Firmen wie Edeka, Libro, Intersport oder Borussia Dortmund. Eine klassische Zielgruppe hat Findologic nicht. Je nach Branche lasse sich die Plattform den Kundenbedürfnissen anpassen, erklärt Heimbeck. "Im Elektronikbereich setzt man vermutlich mehr auf die beratenden Elemente, bei Fashion auf personalisierte Vorschläge."

Investment im mittleren einstelligen Millionenbereich

Im vergangenen Jahr kamen die großen Investmentmeldungen der heimischen Start-up-Szene zumeist aus Wien oder Graz. 2019 beginnt jedoch mit einem Millioneninvestment für die Salzburger. Die Kapitalspritze bekam das Start-up von der Kölner Beteiligungsgesellschaft BE Beteiligungen. Die Gesellschaft ist auf Wachstumsfinanzierungen in Form von Mezzanine-Kapital und Direktbeteiligungen spezialisiert. Das Kapital soll sowohl zur weiteren Internationalisierung als auch zur Erweiterung der eigenen Plattform dienen. Stimmliche Suchanfragen und der Einsatz von Virtual Reality stehen dabei im Raum.

In einer Aussendung des Unternehmens ist die Rede von einem "Investment im mittleren einstelligen Millionenbereich". Vertraglich sei ausgemacht, dass keine Details zu den Zahlen bekanntgegeben werden. Selbiges gilt für den Umsatz des Unternehmens – keine unüblichen Regelungen in der Start-up-Szene. Laut Heimbeck habe Findologic jedoch von Anfang an schwarze Zahlen geschrieben.

Von der Krebsforschung zum Onlineshop

Mittlerweile beschäftigt Findologic rund 50 Mitarbeiter – begonnen hat alles jedoch eher zufällig. Heimbeck, ein gebürtiger Bayer, kam zum Studieren nach Salzburg. Dort entwickelte er eine Machine-Learning-Software, die er an der Uni eigentlich zunächst in der Krebsforschung einsetzte. Mithilfe spezieller Algorithmen analysierte er Endoskopiebilder, um Darmkrebs zu erkennen. Die Initialzündung für die Firma kam von Heimbecks Vater, als sich dieser in einem Onlineshop nicht zurechtfand. "Ich habe daraufhin die Krebs-Software für Produktgruppen ausprobiert. Und das hat funktioniert", erzählt Heimbeck. In weiterer Folge gründete er als Spin-off der Uni Salzburg sein Unternehmen. (Andreas Danzer, 15.1.2018)