Warschau – 45.000 Menschen haben nach Polizeiangaben am Samstag an der Beisetzung des ermordeten Bürgermeisters der polnischen Stadt Danzig, Pawel Adamowicz, teilgenommen. Unter den Trauernden befanden sich EU-Ratspräsident Donald Tusk, der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki und Ex-Präsident Lech Walesa.

Adamowicz war am vergangenen Sonntag auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung niedergestochen worden und am folgenden Tag seinen Verletzungen erlegen. Die Behörden nahmen einen 27-Jährigen fest. Adamowicz machte sich für die Aufnahme von Flüchtlingen in Danzig stark und unterstützte die Aktionen zur Verteidigung der Rechtsstaatlichkeit in Polen gegen die Versuche der regierenden PiS-Partei, die Kontrolle über die Justiz zu übernehmen. Bei der Wahl 2018 erhielt er zwei Drittel der Stimmen.

Anschlag in Warschau

Der mutmaßliche Mörder des Bürgermeisters von Danzig soll indes auch einen Anschlag in Warschau geplant haben. Das habe er einem Mithäftling im Gefängnis angekündigt, meldete die Nachrichtenagentur PAP am Freitag unter Berufung auf Ermittler. Der 27-Jährige war erst im Dezember nach einer fünfeinhalbjährigen Haftstrafe wegen Banküberfällen entlassen worden.

Tausende Menschen brachten Kerzen an die Stelle des Attentats.
Foto: AP / Wojciech Strozyk

Er hatte am Sonntag während einer Spendenveranstaltung mehrfach mit einem Messer auf den Danziger Bürgermeister Paweł Adamowicz eingestochen. Der Politiker starb am Montag, er wird am Samstag beerdigt.

Präsidentenattacke geplant?

Bereits einen Tag nach seiner Freilassung soll der Mann nach Warschau gereist sein und dort nachts versucht haben, auf das Gelände des Präsidentenpalasts von Andrzej Duda zu gelangen. Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass der Mann auf Überwachungsbildern vor dem Präsidentenpalast zu sehen sei. Details, was er dort tat, nannte Sprecherin eine Sprecherin zunächst nicht. "Wir prüfen das", sagte sie. Medienberichten zufolge konnte der Mann die Umzäunung von Dudas Amtssitz nicht überqueren und kehrte nach Danzig zurück. Dort tötete er Adamowicz, der seit 1998 Bürgermeister war.

Der verstorbene Bürgermeister ist im Europäischen Solidaritätszentrum aufgebahrt.
Foto: REUTERS / AGENCJA GAZETA

Die Behörden ermitteln gegen den Mann wegen Mordes. Als Motiv wurde Rache für die Haftstrafe vermutet. Inoffiziellen Berichten zufolge war er psychisch krank. Laut Staatsanwaltschaft äußerte er sich bisher nicht zu der Tat. Die Behörde bestätigte unterdessen Medienberichte, wonach seine Mutter vor der Haftentlassung die Polizei informiert hatte, dass der psychische Zustand und das Verhalten ihres Sohnes sie beunruhigten. (APA, 19.1.2019)