Die Varroamilbe ernährt sich offenbar nicht vom Blut der Honigbiene. Eine aktuelle Studie zeigt, dass sie es hauptsächlich auf die Fettkörper der Honigproduzenten abgesehen hat.

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Berlin – Die Varroamilbe gilt als eine der größten Gefahren für die Honigbiene. Bisher ging man davon aus, dass sich die Milben gleichsam als Blutsauger betätigen, also bei den Bienen hauptsächlich die sogenannte Hämolymphe aussaugen. Dem scheint offenbar doch nicht so zu sein, wie nun US-Wissenschafter herausgefunden haben: Die Untersuchungen durch ein Team um Samuel Ramsey von der Universität Maryland haben ergeben, dass sich die bis zu 1,6 Millimeter kleinen Spinnentiere in der Hauptsache vom Fettkörper der Bienen ernähren.

"Der Fettkörper ist absolut überlebenswichtig für die Honigbiene", sagte Ramsey laut einer Mitteilung seiner Universität. Das Organ übernehme bei Bienen ähnliche Funktionen wie die menschliche Leber, speichere zudem Nahrung und stärke das Immunsystem. Wird der Fettkörper beschädigt, seien die Bienen viel angreifbarer für andere Gefahren wie Pestizide und geringes Nahrungsangebot.

Eher Werwölfe als Vampire

Seit den 1960er-Jahren hielt sich die Vorstellung, dass sich die Varroamilbe von der Hämolymphe ernährt. "Wir haben über diese Milben geredet als seien sie Vampire, dabei sind sie eher wie Werwölfe. Wir haben versucht, sie mit einem Pflock zu töten, dabei brauchen wir eigentlich eine Silberkugel", sagte Ramsey.

Die Forscher hoffen, dass ihre Erkenntnisse zur Bekämpfung der Milbe beitragen können. "Die Ergebnisse sind revolutionär, um zu verstehen, welchen Schaden Milben bei den Bienen anrichten", schrieb Koautor Dennis vanEngelsdorp der im Fachjournal "Pnas" erschienenen Studie. Das Ergebnis eröffne ganz neue Möglichkeiten, Behandlungen zu finden und die Milbenpopulation zu kontrollieren.

Schwerer Kampf gegen die Varroamilbe

Werner von der Ohe, Leiter des Instituts für Bienenkunde in Celle, ist da allerdings weniger optimistisch. Nach Angaben des Instituts stammt der Parasit ursprünglich aus Ostasien. In Europa wurde die Varroamilbe erstmals 1967 in Bulgarien entdeckt. In seiner Unterart "Korea-Typ" wurde der Schädling 1983 erstmals in Österreich gefunden.

Der Parasit mit dem ovalen Körper und scharfen Beißwerkzeugen vermehrt sich in den Brutzellen und befällt die Arbeiterbienen. Dabei schleppt er auch Bakterien und gefährliche Viren ein, die sich immer wieder neuen Gegebenheiten anpassen können. "Grundsätzlich ist es so, dass wir die Varroamilbe sehr konsequent bekämpfen müssen. Das ist nicht einfach", betonte von der Ohe.

Zwei Methoden

Bisher gebe es im Grunde zwei Möglichkeiten, die Milben zu töten, erklärte von der Ohe. Medikamente wie Ameisensäure und Oxalsäure würden die Milben gut beseitigen – sofern Imker die richtigen Witterungsbedingungen beachten. Ist es zu feucht, verwässere die Säure, ist es zu heiß, verdampfe sie schnell.

Andererseits arbeiten Imker auch mit biotechnologischen Mitteln. Man könne Völker teilen und so aus einem Volk zwei Völker machen, sagte er. "Die Varroa-Population in dem neugebildeten Schwarm wird erheblich reduziert." (red, APA, 21.1.2019)