Im September besuchte Maduro Peking – um dort große Kredite aufzunehmen.

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In Venezuela spitzt sich die Krise zwischen Regierung und Opposition zu. Der autoritär regierende Staatschef Nicolás Maduro steht nach einem gescheiterten Putsch aus den Reihen des Militärs zunehmend unter Druck. Juan Guaidó, seit Mitte Jänner Parlamentspräsident, hat sich am Mittwoch vor tausenden Anhängern zum Präsidenten ernannt, die USA waren schnell darin, ihn als "Übergangspräsidenten" anzuerkennen.

Während auch viele andere lateinamerikanische Staaten Guaidó unterstützen, halten Russland und China zu Maduro. Vor allem Chinas Außenministerium protestierte sofort gegen alle ausländische Einmischung in Venezuela.

Das regierungstreue Parteiblatt "Global Times" warnte am Freitag, dass das Land nicht zu einem "weiteren blutigen Schlachtplatz" der "farbigen Revolution" werden dürfe, wie China die sogenannte westliche Subversionspolitik umschreibt.

Große Kredite aus China

Peking hat bei einem Sturz des Regimes viel zu verlieren. Die Volksrepublik ist politischer Unterstützer Venezuelas und zugleich größter Kreditgeber. Das besondere Verhältnis rührt von der engen Verbindung zwischen Pekings Führung und Maduros Vorgänger, dem 2013 verstorbenen Hugo Chávez.

Der sozialistische Präsident bezeichnete sich als Mao-Bewunderer. Peking fand in Venezuela – neben Kuba – nicht nur ein geostrategisches Sprungbrett für seinen Vorstoß nach Lateinamerika, sondern auch dringend benötigte Rohstoffe, vor allem Erdöl und Coltan, das zur Herstellung elektronischer Hightech-Geräte verwendet wird.

Chinas erfolgreiche "Dollar-Diplomatie"

Das finanzpolitische Magazin "Caixin" addierte vergangenen Dezember alle von China zwischen 2007 bis 2017 an Venezuela vergebenen Kredite auf mehr als 60 Milliarden US-Dollar. Die Verträge verlangten Rückzahlungen über Öl- und Rohstofflieferungen.

Venezuela sei China "noch mindestens 20 Milliarden Dollar" schuldig. Maduros Misswirtschaft zwang ihn im September 2018, nach Peking zu fahren, um dort um weitere Milliardenkredite anzusuchen.

China erkauft sich weltweit durch Kreditvergaben immer mehr Einfluss. Die "Dollardiplomatie" bringt ärmere Länder in Lateinamerika, Afrika, Asien und auch Osteuropa zunehmend unter Chinas Macht. (Johnny Erling aus Peking, red, 25.1.2019)